Regionale Geschichte – eindrucksvoll erlebbar gemacht

Foto: Ralf Litera
Foto: Ralf Litera

Ein besonderer Besuch im DampfLandLeute Museum in Eslohe

„DampfLandLeute“ – der Name bringt auf den Punkt, was das Esloher Museum zu bieten hat.

Die Maschinen, zu einem Großteil aus dem Nachlass des Industriellen Eberhard König, sind Urgesteine der Industriegeschichte und sie funktionieren noch heute. Das wird eindrucksvoll an den Dampftagen, jeweils am letzten Wochenende im Mai und September, demonstriert. Dazu fährt die Museumseisenbahn: ein Spaß für Groß und Klein.

Doch das Museum hat nicht nur dampfende und schnaufende Technik zu bieten. Es geht auch um das Leben der Bevölkerung früherer Zeiten. Der Besucher erfährt einiges über deren Lebensumstände, das aber kommt nicht etwa verstaubt und belehrend daher! Sehr anschaulich, liebevoll detailgetreu, aber auch modern, multimedial und virtuell kann man sich auf eine Reise in die Vergangenheit begeben. Das wollten wir mit eigenen Sinnen erleben und haben mit dem WOLL-Redaktionsteam kurzerhand im DampfLandLeute Museum in Eslohe vorbeigeschaut.

Gleich am Eingang ein Highlight: Ein Fenster gibt den Blick auf die Wasserturbinen frei, die aus einem Staugraben gespeist werden. Hier wird mit Hilfe von Wasserkraft Strom für das Museum erzeugt. Gleich nebenan stehen zwei Gefährte, die nicht zu übersehen sind: Eine Kutsche und ein Pferde-Schlitten. Unser Museumsbegleiter ist Horst Vielhaber. Er hat einiges an Hintergrundwissen über die imposanten Gefährte parat.

Weiter geht’s in die Abteilung Landwirtschaft. Hier werden anhand von Bildtafeln, Fotos und vielen Exponaten die landwirtschaftlichen Tätigkeiten erläutert. Anschaulich wird klar, wie sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen mit zunehmender Technik verändert haben. Horst Vielhaber streut Anekdötchen ein und erklärt uns kurzweilig, wie die Bauern gesät, geerntet und gedroschen haben. Wir stoppen an einer Kartoffelsortiermaschine: „Die großen Kartoffeln wurden verkauft, die kleinen an die Schweine verfüttert. Heute erhält man diese in Supermärkten als Spezialität für teures Geld.“

Kuriositäten gibt es viele, wie verschiedene Modelle von Mausefallen. Da haben sich die findigen Landwirte einiges einfallen lassen!

Eine fahrbare Feuerwehrpumpe erregt unsere Aufmerksamkeit. Welch ein Aufwand muss es gewesen sein, bis dieses Vehikel an den Brandherd geschafft und in Betrieb gebracht wurde. Es lebe der Fortschritt! Der Weg führt in die alte Schmiede. Unser Museumsbegleiter setzt einen der alten Schmiedehämmer in Gang. Wir halten uns die Ohren zu und können uns kaum vorstellen, wie man bei diesem Lärm einen langen Arbeitstag aushalten konnte. Die Treppe ins Obergeschoss führt zur Ausstellung der alten Handwerksberufe der Region. Detailgetreu ist in nachgebildeten Werkstätten dargestellt, wie Dachdecker, Sattler, Uhrmacher, Schreiner, Stellmacher, Frisör, Klempner und Schuhmacher zu Zeiten unserer Großeltern arbeiteten. Apropos Arbeiten: ‚Wer macht denn hier eigentlich die ganze Arbeit?‘, fragen wir uns. „Der Museumsverein“, erklärt Gudrun Schulte.

Sie muss es wissen, sie ist die Vorsitzende. Etwa 30 ehrenamtliche Mitglieder seien ständig am Werk. Zu großen Veranstaltungen sind es mindestens doppelt so viele, so Gudrun Schulte. Wir betreten die große Ausstellungshalle. Modern und großzügig kommt dieser etwa 1.000 Quadratmeter große Bereich daher. Vieles ist multimedial. So kann der Besucher am Bildschirm die wichtigsten Sätze auf „Esloherisch“ erlernen und einiges über regionale Traditionen erfahren. Wir stoßen auf einen Wirtschaftszweig, der das hiesige Arbeitsleben ebenfalls geprägt hat: die Forstwirtschaft. Wir bestaunen die Werkzeuge und können nur ungefähr erahnen, wie kräftezehrend solche Arbeiten waren.

Besonders interessant präsentiert sich der Bereich Hauswirtschaft. Gerätschaften erzeugen Bilder unserer Kindheit im Kopf. Manche von uns erinnern sich an Selbstgebranntes, Eingewecktes und ans Würste machen. Im hinteren Teil der Halle entdecken wir kuriose Ausstellungsstücke: „Waschmaschinen im Wandel der Zeit!“ Nicht immer ist gleich klar, wie das mit dem Waschen funktionierte. Wo kommt die Wäsche rein und wo das Wasser raus? Egal! Sauber gekleidet wollte man sein. In reinstem Weiß ist an der Wand aufgehängt, was Urgroßmutter und Urgroßvater unter Sonntagskleid und Anzug trugen. Das Motto war eindeutig: „Geize mit Reizen!“

Unser Museumsbesuch neigt sich dem Ende zu. Wir dürfen uns im Eberhard-König-Saal zusammensetzen, um die vor Ihnen liegende Ausgabe zu planen! Spaß hat dieser Rundgang gemacht und wir sind erstaunt, was so ein relativ kleiner Ort wie Eslohe zu bieten hat. Gudrun Schulte kennt das: „So geht es vielen!“, schmunzelt sie. Damit das so bleibt, sind stetiges Engagement und immer neue Ideen gefragt. Man könne sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, so die Vorsitzende des Museumsvereins. Vorgabe bleibe dabei immer, dass „das Gesamtkonzept stimmt“. Mittlerweile werden wechselnde Ausstellungen, Lesungen, musikalische Veranstaltungen sowie Schulprogramme für Kinder durchgeführt. Gerade laufen die Planungen für die Dampftage vom 26. bis 27. Mai 2018. „Dann wird es einen Handwerkermarkt geben“, verrät Gudrun Schulte.

Wer dann keine Zeit hat, muss sich nicht ärgern. Ein Besuch im DampfLandLeute Museum lohnt auch an anderen Tagen, wie wir heute eindrucksvoll erfahren haben.

von Andrea Gödde-Kutrieb

 

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