Frank Linnekugel über Sauerland-Tourismus und die Marke Sauerland

Foto: Hermann-J. Hoffe
Foto: Hermann-J. Hoffe

Frank Linnekugel ist seit Anfang 2017 als Leiter des Fachdienstes für Regionalentwicklung und Strukturförderung sowie als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Hochsauerlandkreis in Meschede tätig. Der 34-Jährige studierte Diplomverwaltungswirt, ist gebürtiger Briloner, wuchs in Diemelsee auf und ist mit seiner Frau in Medebach fest verwurzelt.

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft wird von den 12 Städten und Gemeinden des HSK getragen. Nachdem die Organisation innerhalb der Kreisverwaltung neu aufgestellt wurde bzw. verschiedene Fachbereiche neu organisiert wurden, ist Linnekugel nun „quasi in Personalunion“ für beide Bereiche zuständig. Formal sind diese jetzt eine Abteilung, rechtlich gesehen ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft aber immer noch eine eigene GmbH. Auch der Tourismus gehört dazu. Dieser ist für Linnekugel kein Neuland, hat er doch vorher schon als Geschäftsführer der Medebach-Touristik gearbeitet. Auch wenn der Hochsauerlandkreis ganz andere Dimensionen hat als eine einzelne Kommune, kennt er schon viele Gesichter und ist mit den relevanten Themen vertraut. Seit Dezember letzten Jahres ist Linnekugel nun auch Vorsitzender von Sauerland-Tourismus e. V.

Er selbst sieht sich in dieser Funktion als Schnittstelle und kommuniziert mit den verschiedenen Kommunen sowie Behörden und anderen relevanten Partnern und Institutionen. Auch die Zusammenarbeit mit den Nachbarkreisen funktioniert sehr gut. „Wir haben ja alle ein Ziel, wir wollen die Region nach vorne bringen und ziehen deswegen auch alle an einem Strang“, erklärt Linnekugel. Und so macht ihm die Arbeit auch sichtlich Spaß: „Man merkt einfach, dass die ganze Region stark im Aufbruch ist. Spannende Projekte stehen an, die auch Einfluss auf den Tourismus haben.“ Der neue Naturpark kommt nun so richtig in Schwung und Sauerland-Tourismus arbeite an einer neuen Strategie, die in den nächsten Monaten genauer definiert werden solle, erklärt Linnekugel: „Das sind natürlich große Themen, auf die man auch mit Einfluss nehmen möchte.“

Strategiestudie: Ist das Sauerland touristisch auf dem richtigen Weg?

In Zusammenarbeit mit Siegen-Wittgenstein führt Sauerland- Tourismus einen Strategieprozess für die Ausrichtung in den kommenden Jahren durch. Es geht darum, zu sehen, ob das Sauerland noch auf dem richtigen Weg ist. „Man muss sich ständig anpassen und schauen, ob die Menschen und Leistungsträger erreicht werden.“ Linnekugel stellt fest: „Die letzte offizielle Untersuchung des Sauerlandes und insbesondere des Tourismus im Sauerland gab es Mitte der 90er Jahre. Das ist ein sehr langer Zeitraum, in dem keine physische, keine ganzheitliche empirische Untersuchung der Gäste, der Gastgeber oder
Zielmärkte erfolgt ist. Auch die Gründung des Sauerland-Tourismus e.V. ist nun schon 15 Jahre her.“

Ziel ist es, mithilfe der Studie eine Strategie zu entwickeln, wie sich das Sauerland (und Siegen-Wittgenstein) in den nächsten Jahren touristisch aufstellen kann. Linnekugel nennt ein Beispiel aus seiner Zeit in Medebach: „Familien wollen inzwischen oftmals nicht mehr drei Wochen am Stück verreisen. Der Trend geht zu mehreren, aber dafür kürzeren Urlauben, zudem sind die Menschen spontaner geworden. Sie haben durch neue Medien ganz andere Möglichkeiten als früher: Sie gucken morgens in die Webcam und wenn sie sehen, dass Schnee liegt, dann buchen sie und fahren los.“ Deswegen muss untersucht werden, ob die aktuellen Angebote und angesprochenen Themen noch zeitgemäß sind: „Wir müssen schauen, ob wir uns in manchen Bereichen anders aufstellen müssen, um am Puls der Zeit zu bleiben!“ Das gilt auch für die Betriebe, damit sie in den nächsten Jahren erfolgreich arbeiten können. „Das sind alles Dinge, für die uns dieser Strategieprozess Antworten liefern soll, und wir versprechen uns sehr viel davon.“

Aufbruchstimmung im Sauerland

Damit es aber wirklich vorangehen kann, ist am Ende natürlich die Unterstützung aller gefragt: „Die Sauerländer sind sehr offen und lösungsorientiert. Wenn sie sich für ein Thema öffnen und sich dafür interessieren, dann kann man mit dem klassischen Sauerländer, wenn man das so bezeichnen kann, sehr viele Sachen umsetzen. Da muss man sich nur einmal die Unternehmerschaft anschauen: Es gibt in fast jedem Ortsteil hervorragende Unternehmen. Es geht nicht nur immer um die Betriebe mit 500 Mitarbeitern, es geht auch um die 20- bis 250-Mitarbeiter-Betriebe. Und die tragen ja letztlich eine ganze Gesellschaft.“

Viele junge Menschen gehen jedoch zum Arbeiten oder Studieren weg. „Deswegen haben wir bei uns in der Wirtschaftsförderungsgesellschaft zum Beispiel das Projekt ‚Heimvorteil‘ ins Leben gerufen, bei dem uns der Bund unterstützt. Damit halten wir den Kontakt zu den jungen Menschen, die hier ihren Abschluss gemacht haben und vielleicht ihr Studium jetzt in Köln, Münster oder Aachen aufnehmen. Denen sagen wir: Ihr dürft gerne woanders studieren, aber vergesst das Wiederkommen nicht!“ Damit dies geschieht, müssen Arbeitsplätze und überhaupt die Faktoren, die das Leben im Sauerland attraktiv machen, gewährleistet sein. „Denn wenn diese Menschen sich hier wohlfühlen, dann fühlen sich mit Sicherheit auch die Gäste wohl.“

„Wir sind im Aufbruch und wir wollen die Aufbruchstimmung nutzen“, sagt Linnekugel und nennt als Beispiel Willingen und Winterberg, die nicht als Konkurrenten agieren, sondern hervorragend zusammenarbeiten. „Das ist einfach eine tolle Sache. Wenn man mit den Leuten in der Region, in den Dörfern spricht, dann merkt man, dass die sich gemeinsam auf den Weg machen. Da spürt man ein ganz starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und dass an ganz vielen Orten etwas passiert.“

An der Marke Sauerland ist nicht zu rütteln

Man merkt, dass Linnekugels Herz zu 100 % für das Sauerland schlägt. Aber nicht nur: „Wir sind Sauerländer in Südwestfalen.“ Denn auch die Marke Südwestfalen liegt ihm sehr am Herzen und ist wichtig für die Außenwirkung der Region – vor allem die Wirtschaft betreffend: „Südwestfalen hat sicherlich ein Gewicht bekommen. Wenn man in Düsseldorf nach Südwestfalen fragt, dann ist das den Politikern durchaus ein Begriff. Und wenn man in einer E-Mail von Südwestfalen schreibt, dann kann man sich mittlerweile vielerorts etwas darunter vorstellen – auch in Brüssel! So kann man sich einfach besser vernetzen und aufstellen. ‚Sauerland‘ ist sicherlich auch ein Begriff, aber die Frage ist: Für was steht oder für was stand das Sauerland?“ Würde man beispielsweise im Ruhrgebiet nachfragen, so assoziierten die meisten mit dem Sauerland eine nicht besonders industrielle, grüne Region, Winterberg und Schützenfest. Aber das ist ja längst nicht alles: „Dass wir hier Weltmarktführer haben, dass wir hier Top-Arbeitsplätze haben, dass wir hier Universitäten und Fachhochschulen haben, das ist den wenigsten bekannt.“ Durch die Marke Südwestfalen ist es den Akteuren gelungen, dies zu ändern. Mit ihr lässt sich ein sehr großer Beitrag zur Außendarstellung leisten. Linnekugel betont aber, dass es nicht darum gehe, eine neue Tourismusmarke zu erschaffen: „‚Südwestfalen‘ zielt insbesondere auf eine Außenwirkung im Bereich Wirtschaft. Wir haben nicht das Ziel, eine Tourismusmarke ‚Südwestfalen‘ zu etablieren, dafür ist das Sauerland viel zu stark. Auch am Logo von Sauerland-Tourismus ist zu erkennen: ‚Das Sauerland in Südwestfalen‘. Man will sich ergänzen. Man will nicht etwas künstliches Neues schaffen.“ An der Marke und dem Namen ‚Sauerland‘ ist nicht zu rütteln: „Wir müssen sie nur so aufstellen, dass sie auch zukunftsfähig ist.“ Ein erstrebenswertes Ziel für die Zusammenarbeit der Menschen, Orte, Kreise und Regionen im Sauerland!

Text: Hermann-J. Hoffe und Tiny Brouwers