„Es ist so, wie wenn ein Kind aus dem Haus geht“

Fotos: Ralf Litera
Fotos: Ralf Litera

Volleyballabteilung des RC Sorpesee bringt viele Top-Talente bis in die Bundesliga

Die Volleyballerinnen des RC Sorpesee gehören ohne Frage zu den erfolgreichsten Mannschaftssportlerinnen des Hochsauerlandkreises. Zwei Jahre waren die Langscheiderinnen sogar in der 2. Bundesliga aktiv und das ohne Zukäufe von „fertigen
Spielerinnen“. Beim RC Sorpesee wird ganz auf die Talente aus dem eigenen Nachwuchs gesetzt. „Wir möchten pädagogischen Leistungssport“, sagt Abteilungsleiter Martin Barthel. Es geht darum, den Kindern und Jugendlichen etwas mitzugeben: „Wir wollen ganz vielen Kindern die Möglichkeit geben, zu erleben, was schön ist am Leistungssport.“ Barthel nennt als Beispiele für den pädagogischen Ansatz die Förderung der eigenen Motorik, des Selbstbewusstseins durch Erfolge, aber auch die bessere Verarbeitung von Misserfolgen, beispielsweise im schulischen Bereich, durch bessere Selbstkritik. Der Teamgeist wird ebenso gestärkt wie das Verantwortungsbewusstsein.

Talentschmeide Sorpesee

„Als Landesleistungsstützpunkt haben wir uns den Aufbau von Talenten und die Kooperation mit dem Verband auf die Fahne geschrieben“, sagt auch die Vereinsvorsitzende Ute Schlecht, die zusammen mit ihrem Mann Hans 1990 zu den Gründern der Volleyballabteilung zählte. Tochter Julia Schlecht war dann auch die erste Akteurin, die auszog, um vom RC Sorpesee den Sprung in die deutsche Eliteliga zu schaffen, und sogar Nationalspielerin wurde. Ihr folgten Ines Bathen, Kimberly Drewniok, Laura Feldmann oder zuletzt Lena Vedder und Henrike Axt. Allen Eigengewächsen ermöglichte der Volleyballsport die Möglichkeit, sich anderswo zu etablieren, sei es im deutschen Ligenbetrieb oder bei einem Stipendium in den USA. Der RC Sorpesee gibt seinen Nachwuchskräften etwas mit auf ihrem Lebensweg, auch wenn letztlich nicht alle Abgänge dem Sport erhalten bleiben.

Ein lachendes und ein weinendes Auge

„Wenn alle noch da wären, wären wir in der Bundesliga“, sagt Damen-Trainer Julian Schallow mit einem lachenden und einem weinenden Auge mit Blick auf die abgewanderten Talente. Der Coach ist mittlerweile seit über zehn Jahren für den RC im Einsatz und hat viele der jungen Frauen bereits als Mädchen betreut. „Wenn eine geht, ist das so, wie wenn ein Kind aus dem Elternhaus auszieht“, beschreibt der Coach seine Gefühlslage. Schallow ist nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga beim RC geblieben. Er hatte das Team zuvor in Zusammenarbeit mit Dr. Linus Tepe von der Oberliga in die zweithöchste Spielklasse geführt. „Die Spielklasse ist von der Höhe im Prinzip für den RC Sorpesee egal, wir möchten den Mädels vor Ort aber das Optimum ermöglichen“, sagt Martin Barthel. Damit die Abgänge, die oft auch beruflich bedingt sind, kompensiert werden können, wird weiter intensive Jugendarbeit betrieben.

Die Früchte der guten Arbeit

Diese Arbeit trägt kontinuierlich Früchte. Die Mädchen der U12 und U13 schnuppern bereits früh die Luft auf der großen Volleyball-Bühne. Denn wenn die erste Mannschaft in der Sporthalle im Schulzentrum in Sundern unterstützt von der „blauen Wand“ der Fans aufschlägt, sind die jungen Sportlerinnen als Ballmädchen aktiv. Im Ligabetrieb werden sie früh eingesetzt und erzielen Erfolge. Die junge dritte Mannschaft des RC feierte Ende Januar den vorzeitigen Aufstieg in die Bezirksliga. Die zweite Mannschaft stieg in die Verbandsliga auf und ist daher nominiert für die Wahl der Mannschaft des Jahres 2017 im HSK. Mittlerweile haben die Erfolge auch die Herren an den Start gebracht. Die Nachwuchsmannschaft des RC Sorpesee spielt in der Damen- Kreisliga, um die nötige Spielpraxis für die Jugendwettbewerbe zu erhalten.

Der RC Sorpesee bewegt vieles in Richtung Zukunft!

von Philip Stallmeister