Vom Hinfallen und Aufstehen

Linda Strahlenbach erzählt in ihrem im Januar erschienenen Buch „Was sagt Papa immer? Eins nach dem anderen“

Linda Strahlenbach erzählt in ihrem im Januar erschienenen Buch „Was sagt Papa immer? Eins nach dem anderen“ vom Hinfallen und Aufstehen nach einem tragischen Unfall.

Man nimmt viel mit, wenn man sich mit Linda Strahlenbach unterhält. Die 23-Jährige aus dem fast 100 Einwohner zählenden kleinen Dorf Fohrt bei Drolshagen scheint ihre Worte aus einer inneren Kraft und Ruhe zu schöpfen, die beeindruckt. Denn das, wofür sie Worte findet, lässt einen nicht kalt. Es berührt, und zwar auf eine Art und Weise, die Linda Strahlenbach am Herzen liegt: Es geht ihr nicht um Mitleid, sondern um eine Ehrlichkeit und Unbefangenheit, mit der sie helfen zu können hofft, ganz egal, was das Leben an Stolperfallen bereit hält. Ob es das ist, was von außen als Lappalie erscheinen mag, oder ob es ein Ereignis ist, welches das ganze Leben aus den Bahnen wirft – wie bei Linda Strahlenbach an einem Tag Anfang September 2015.

Die gelernte Werkzeugmechanikerin war gerade damit beschäftigt, ein Werkzeug umzubauen, als sich eine anderthalb Tonnen schwere Stahlplatte aus einer Aufhängung löste und zu Boden stürzte – auf ihre Füße. Sie erlitt schwerste Quetschverletzungen, wurde zur Erstversorgung ans Klinikum nach Siegen transportiert und von dort aus in eine Spezialklinik nach Frankfurt/Main, wo sie einer fünfstündigen Operation unterzogen wurde, der nicht weniger als 17 weitere und unzählige Stunden an Physiotherapie folgen sollten.

Die Fohrterin stand am Beginn eines Weges mit schmerzhaften Hürden und Prüfungen, dessen Ende ebenso wenig abzusehen war wie das Gelingen des enormen Engagements seitens der Ärzte. Das Angebot psychotherapeutischer Unterstützung ist angesichts des Unfallerlebnisses und der körperlichen wie auch seelischen Verletzungen und Belastungen obligatorisch. Linda Strahlenbach aber hatte zunächst Mühe, sich einem anfangs fremden Menschen so weit zu öffnen – und begann damit, ihre Gedanken, Ängste, Hoffnungen auf andere Art in Worte zu fassen: Sie fing zu schreiben an. Wort um Wort, Zeile um Zeile und Seite und Seite wuchs das, was später zu ihrem Buch werden sollte. Es waren ehrliche, ungeschminkt formulierte Sätze, die auch das Unschöne nicht verschwiegen. Als der Gedanke zu reifen begann, daraus ein Buch zu machen, kamen auch die Zweifel, ob das ein richtiger Schritt sein könnte. Würde das Ungeschönte, der Verzicht darauf, ein Blatt vor den Mund zu nehmen, sie in den Augen der Leser anders erscheinen lassen, als sie als Mensch ist? Was sie während der endlos erscheinenden Zeit im Krankenhaus an Veränderung an sich wahrnehmen konnte, gab letztlich den Ausschlag dafür, ihr Buch zu veröffentlichen. „Die Erfahrungen haben meine Sichtweise auf so viele Dinge verändert. Ich habe eine viel ehrlichere Perspektive auf das Leben gewonnen!“, sagt sie mit fester Stimme. Das Buch knüpft an ihr früheres Leben an und schildert die Zeit im Klinikum, den schwierigen Weg in ein neues, völlig auf den Kopf gestelltes Leben. Sie hat viel aufgeben müssen, ob Snowboarden, Motorradfahren oder den Fußball, aber „man findet immer Alternativen. Ich fahre jetzt halt Quad und habe dabei auch viel Spaß!“ Was sich leicht anhören mag, ist das Ergebnis harter Arbeit an der inneren Einstellung der so radikal veränderten Lebenssituation gegenüber. Das Unausweichliche der Aufgabe, gewissermaßen neu leben zu MÜSSEN, hat Linda Strahlenbach immer mit einem Ziel verbunden: „Entscheidend ist, für was man kämpft!“ Daraus hat sie einen Gutteil der Kraft gewonnen, die für das Gelingen so vieler Aufgaben und Prüfungen unabdinglich war. Und es ist diese Erkenntnis, die sie weitergeben will – mit ihrem Buch. „Ja, ich habe das Buch geschrieben …“, sie lächelt kurz, „aber als eine Autorin sehe ich mich nicht. Das klingt für mich so, als habe man sich das Geschriebene ausgedacht, als sei man jemand anderes und nicht diejenige, um deren Erfahrungen es letztlich doch geht.“ Man spürt, wie viel sie durch das Durchstandene und das Schreiben an Selbstbewusstsein gewonnen hat. Und das ist etwas, das gerade im Moment wichtig für sie ist, denn sie arbeitet an ihrer beruflichen Zukunft und macht ihren Techniker.

Bei allem, was sie sich von Herz und Seele geschrieben hat, was sie an andere, mit schwierigen Situationen konfrontierte Menschen weitergeben will, steht ihr Buch mit jeder seiner 204 Seiten vor allem für eines: für die Dankbarkeit und den Stolz, „dass WIR ALLE es geschafft haben!“ Tatsächlich ist es mit das erste, was Linda Strahlenbach hervorhebt. Ihre Familie, ihre Freunde, die Menschen im Klinikum, von den ebenso kompetenten wie ehrlichen Ärzten bis hin zu der Hilfskraft, die ihr – immer mit einem aufmunternden Satz – das Essen gebracht hat, und nicht zuletzt auch ihr engagierter Arbeitgeber und ihre Kollegen, die ihr mit viel Feingefühl und Ruhe den schwierigen Weg zurück an ihren Arbeitsplatz erleichtert haben – alle haben maßgeblich Anteil daran, dass sie wieder ihr Leben führen kann, mit mehr Höhen als Tiefen.

Linda Strahlenbachs Leben ist nicht frei von Hürden – sei es das Kopfsteinpflaster in der Olper Stadt oder dass vielen der unbefangene, vorbehaltlose Umgang mit ihren körperlichen Einschränkungen schwerfällt –, aber sie weiß, worauf sie sich verlassen kann: Dass sie an Kraft, Zuversicht und Selbstbewusstsein gewonnen und sie Menschen um sich hat, die schwierige Wege Schritt für Schritt mit ihr gemeinsam gehen. Wie hat ihr Vater immer gesagt? „Eins nach dem anderen“ – und man gelangt an sein Ziel.
Es lohnt sich, den Schritten zu folgen und das beeindruckende Buch zu lesen, denn es bietet wirklich viel, an das man sich erinnern sollte, wenn es ums Hinfallen und Aufstehen geht …

Das Buch kann man über Linda Strahlenbachs Facebook-Seite bestellen oder es in der Olper Bücherstube Hachmann bzw. in der Drolshagener Buchhandlung am Markt erwerben.