Golf: Früher elitär, heute attraktiver Breitensport.

Foto: Golfclub Amecke
Foto: Golfclub Amecke

Der Sunderner Golfprofi Tim Hoffmann spricht mit WOLL über seine Leidenschaft für den Sport

Der Golfsport hat noch immer mit einigen Vorurteilen zu kämpfen. Golf sei elitär, sehr teuer und nur was für ältere reiche Herren. Doch der Sport hat sich längst geöffnet und versteht sich inzwischen als Erlebnis für die ganze Familie.

Wenn Golf-Professional Tim Hoffmann aus Sundern den Schläger in der Hand hält und sich auf den Abschlag konzentriert, liegt seine ganze Aufmerksamkeit auf einer kleinen Kugel mit rund 42 Millimetern Durchmesser. Blitzschnell holt der Geschäftsführer von „Golf am Haus Amecke“ aus. Dem Geräusch des luftschneidenden Schlägers folgt ein kleines „Klick“, als er den Ball trifft, dann führt er den Schwung des Schlägers zu Ende. „So ein Abschlag ist schon ein sehr komplexer Vorgang“, erklärt Hoffmann, der als Teenager den Sport für sich entdeckte, um ihn dann zu seinem Beruf zu machen. „Der Ball ist sehr klein und den wollen wir mit dem ebenfalls sehr kleinen Schläger an genau der richtigen Stelle mit genau der richtigen Kraft treffen, damit er in genau die richtige Richtung fliegt. Dabei sollte bei Rechtshändern der linke Arm gestreckt bleiben. Während des Schwungs müssen wir dann auf eine korrekte 90-Grad-Rotation des Körpers achten und damit verbunden auf die optimale Gewichtsverlagerung. Für Laien ist das sicher nicht so einfach, wie es aussieht“, lacht Hoffmann, der am Amecker Golfplatz nicht nur die Geschäfte leitet, sondern auch als Golflehrer auf dem Platz steht.

Die Zeiten der richtig teuren Preise sind vorbei

„Eine gewisse grundlegende Ausbildung ist schon wichtig, um die Technik zu lernen. Wer zum ersten Mal auf dem Platz steht und einfach loslegt, wird vermutlich schnell den Spaß an diesem tollen Sport verlieren.“ Schnupperkurse auf dem 6-Loch-Familienplatz in Amecke gibt es für 35 Euro. „Früher war es wirklich so, dass der Golfsport Menschen vorbehalten war, die richtig Geld hatten. Da waren in manchen Clubs gerne mal Aufnahmegebühren im fünfstelligen Bereich fällig. Aber das ist heute anders. Golf lässt sich ab 30 bis 40 Euro im Monat als Hobby betreiben. Wer wirklich engagiert spielt, kommt auch mal auf 100 Euro im Monat. Das ist auch viel Geld, aber weit von dem entfernt, was sich viele vorstellen. Golf ist heute Breitensport“, erklärt Hoffmann und die Zahlen geben ihm Recht, denn jährlich absolvieren circa 1.000 Golfer in Amecke einen Schnupperkurs.

Viele junge Golfer in Amecke

Hoffmann lacht: „Bevor die Frage kommt – nein, es sind nicht alles Rentner. Im Gegenteil:
Wir haben circa 40 Spieler regelmäßig im Jugendtraining, die mit Spaß und Elan dabei sind. Es ist eben ein Sport für alle Altersklassen und das macht ihn ja auch so spannend.“ Theoretisch sei es immerhin möglich, dass vier Generationen einer Familie gemeinsam Golf spielen. „Pro Flight (Spielrunde) können vier Personen zusammen spielen. Es gibt, glaube ich, nicht viele Sportarten, bei denen Urenkel und Urgroßvater gemeinsam auf dem Platz stehen können.“

Aber ist „Sport“ da eigentlich der richtige Begriff? „Absolut!“, bekräftigt Hoffmann. „Und zwar auf eine sehr gesunde Art und Weise. Auf einem 18-Loch-Platz sind Sie gut und gerne acht bis zehn Kilometer zu Fuß unterwegs. Der durchschnittliche Puls liegt dabei circa bei 120, also in einem Bereich, der für die Fettverbrennung relevant und der vor allem sehr gut für das Herz-Kreislauf-System ist. Es ist eine gute Art der Bewegung an der frischen Luft“, erklärt der Profi, der als aktiver Sportler zeitweise zu den besten 50 Spielern in Deutschland gehörte. „Dazu kommen motorische Fähigkeiten, die geschult werden, wie die Augen-Hand-Koordination. Außerdem wird die sogenannte weiße Muskulatur, die für die Schnellkraft verantwortlich ist, gut trainiert.“

Ein sehr erholsames Hobby

Eins ist allerdings klar: Golfspielen ist ein relativ zeitaufwändiges Hobby. Drei Stunden und mehr müssen Spieler für eine ordentliche Runde aufbringen können. „Der Zeitfaktor ist insbesondere für die Altersgruppe der 30-bis-40-Jährigen offenbar ein abschreckender Faktor“, stellt Tim Hoffmann fest, denn diese Gruppe ist am wenigsten auf den Golfplätzen zu treff en. „Das ist eben das Alter, in dem viele wichtige Entwicklungen im Leben anstehen: Hochzeit, Kinder, Eigenheim, Karriere – einige wollen die Zeit für eine Golfrunde dann nicht mehr aufbringen.“ Dabei sieht er gerade für gestresste Menschen viele Vorteile: „Golf ist natürlich auch ein erholsames Hobby. Golfplätze sind ja in der Regel erst mal sehr schöne Anlagen. Dazu kommt die erwähnte gute Bewegung. Außerdem sorgt die Konzentration auf den Schlag dafür, dass sämtlicher Alltagsstress ausgeblendet wird. Und es ist auch ein sehr geselliges Hobby, da Golf in der Regel nicht alleine gespielt wird und man schnell ins Gespräch kommt“, erklärt der 34-jährige PGA Professional und Dipl.-Golfbetriebswirt.

Golf ist auch ein Strategiespiel

Der Spaß beginne schon vor der eigentlichen Runde, erklärt Tim Hoffmann. „Golf ist ein sehr strategisches Spiel. Es macht sehr viel Spaß, sich schon vor der Runde den Platz genau anzuschauen und eine Strategie zu erarbeiten, mit der es gelingen kann, die Hindernisse optimal zu umspielen. Diese Strategie muss während des Spiels dann immer mal wieder nachjustiert werden. Nicht zuletzt deswegen stimmt es eben auch nicht, dass Golfer zwischen den Schlägen nur stumpf hinter ihrem Ball herlaufen. Gerade zwischen den Schlägen ist es nämlich spannend, den nächsten Schlag zu planen“, schwärmt der Vollblut-Golfer und ergänzt: „Wenn ein Schlag so gelingt, wie er geplant war, ist es natürlich ein tolles Gefühl und eine ganz direkte und unmittelbare Bestätigung. Eine Golfrunde bietet also viele Erfolgserlebnisse. Und wenn ein Schlag mal nicht gelingt, dann ist es keine Niederlage, denn schon der nächste Versuch kann den Fehler korrigieren. Golf ist insofern ein wirklich positiver Sport.“

Wer seine Meinung über das Golfen jetzt ein wenig geändert hat, der sollte vielleicht in der Tat mal einen Schläger in die Hand nehmen und Golf testen. „Jeder kann ganz unverbindlich zu uns kommen und es für sich ausprobieren. Viele sind dann überrascht, wie viel Spaß dieser Sport macht. Und wer gerade am Anfang ein bisschen Unterricht nimmt, wird sehr schnell Fortschritte merken und dem Golfen dann meistens über viele Jahre treu bleiben.“

Eine Gelegenheit, Tim Hoffmann und den Golfplatz in Amecke kennen zu lernen, ist auch in diesem Jahr der Familientag der off enen Tür am 06. Mai ab 11:00 Uhr. „Dann gibt es bei uns die Möglichkeit, Golfbälle zu schlagen, den kleinen Ball auf dem Grün einzulochen oder die ersten Gehversuche auf dem Familienplatz zu machen. Aber eigentlich steht unsere Tür ohnehin täglich für alle offen“, freut sich Hoff mann schon jetzt auf viele Interessenten und die neue Saison. So lässt sich ausprobieren, ob Golf nicht wirklich spannender ist, als sein Ruf aus früheren Tagen.

von Patrick Feldmann