Wie ein Auswanderer-Sohn aus dem Sauerland Boeing gründete

Bockwurst, Pumpernickel und Warsteiner – das Sauerland ist reich an historischen Bauwerken, Kunst und Kulinarik. Bei einem Rundgang durch den Hagener Stadtteil Hohenlimburg mit seinen gepflasterten Straßen und den alten Häusern stoßen Besucher auf den Namen Böing. Mit diesem Namen können nur wenige etwas anfange, obwohl er gar nicht so unbekannt ist. Der ist in einem Relief verewigt und bezieht sich auf Herrn Wilhelm Böing, Bergbau-Ingenieur, Auswanderer und Vater eines berühmten Sohnes.

1868 packte der damals 22-jährige Wilhelm Böing getrieben von Aussichtslosigkeit seine Sachen und verließ das Sauerland in Richtung USA.

1881 durchbrach Babygeschrei die Stille im Hause von Wilhelm Böing. Der ersehnte Nachwuchs hatte das Licht der Welt erblickt. Sohn William Eduard Böing genoss dank des Wohlstandes seines Vaters eine solide Schulausbildung und ein Studium an der Eliteuniversität Yale, das er jedoch nie abschloss. Zunächst wandelte der Sohn auf den Spuren seines Vaters und verdiente sein Geld in der holzverarbeiteten Industrie. Dort sammelte er wichtige Kenntnisse für seine spätere Laufbahn als Flugzeugkonstrukteur. 1915 begann er mit dem Bau seines ersten Flugzeugs. Der Erstflug erfolgte ein Jahr später.

William Böing war in den USA geboren und ein echter Amerikaner. Im Alter von 13 Jahren verstarb sein Vater. Nach einem Aufenthalt in einem Schweizer Internat kehrte er 1900 in die USA zurück und änderte seinen Namen von Böing in Boeing. William besuchte einmal die Heimat seines Vaters, konnte mangels emotionaler Nähe jedoch keine großen Gefühle für (Hohen)Limburg und das Sauerland entdecken. Ein weiteres Hindernis war die Sprache, denn Williams deutsche Sprachkenntnisse waren äußerst bescheiden. In den USA jedoch wurde William Boeing Gründer eines der größten Unternehmen, der heutigen The Boeing Company mit Sitz in Seattle.

Bis ins Jahr 1916 reihte sich der Name Böing ohne jede größere Bedeutung in Reih und Glied mit jenen auf den endlos langen Listen der amerikanischen Einwanderungsbehörde. 1916 aber jedoch war das Jahr, in dem sich das ändern sollte und der Name des Auswanderers aus dem Sauerland über Nacht Bekanntheit erlangen sollte: er gründete die Firma Pacific Aero Products Company, die er 1917 in Boeing Airplane Company umbenannte.

Was wäre, wenn Wilhelm Böing nicht in die USA ausgewandert und in Limburg, dem heutigen Hagener Stadtteil Hohenlimburg, geblieben wäre. Wären dann die Böing-Werke im Sauerland und wäre dann der größte Flugzeughersteller der Welt in Deutschland? Aber was wäre dann aus Airbus geworden? Solche Gedankenspiele können einem in Hohenlimburg schon mal zu Gehör kommen. Wie auch immer, in Hagen ist man jedenfalls stolz auf den Auswanderer und seinen Sohn. Neben dem Relief an dem ehemaligen Wohnhaus Wilhelm Böings wurde in Hagen eine Straße nach William Boeing benannt. Und jedes Jahr fliegen Sauerländer mit Boeing-Maschinen verschiedenener Fluggesellschaften rund um die Welt. Manchmal auch mit dem Esta nach Detroit, wo für die Böings alles begann.

Dass es ausgerechnet die Bomber B-17 von Boeing waren, die im zweiten Weltkrieg Hagen und andere Städte im Sauerland und im Ruhrgebiet schwer zusetzten, sieht man den Böings nach. Immerhin war William Boeing 1934 gezwungen, seine Unternehmen zu verkaufen, womit auch sein Einfluss auf Planung und Entwicklung endeten. William Boeing zog sich aus dem Flugzeuggeschäft zurück und widmete sich bis 1954 wieder dem Geschäft der Holzverarbeitung. Bis zu seinem Tod im Jahr 1956 war er oft Gast bei Flugzeugtaufen und anderen offiziellen Anlässen.

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