Zuhörer Feuer und Flamme: Großartiges Konzert von Westfalen Winds

Foto: Tim Hakvoort
Foto: Tim Hakvoort

Brennende Begeisterung der Zuhörer schlug der westfälischen Bläserphilharmonie „Westfalen Winds“ am Ende des Konzerts am vergangenen Sonntag, den 08.04.2018, entgegen. In der Stadthalle Meinerzhagen entfachte das sinfonische Blasorchester ein musikalisches Feuerfest mit leidenschaftlicher Virtuosität und farbenreicher Klangpracht.

Obgleich es die ersten sommerlichen Tage des Jahres waren, war die Stadthalle Meinerzhagen gut gefüllt und das raffinierte Konzertprogramm unter dem Thema „Ursprünge“ wurde mit Spannung erwartet. Mit Gustav Holsts „First Suite in E-flat for Military Band, op. 28-1“ begrüßte „Westfalen Winds“ unter der renommierten Leitung von Ulrich Schmidt die Zuhörer. Das 80-köpfige Auswahlorchester, das im Sauerland 1996 gegründet wurde, wusste bereits zu Beginn zu begeistern. Tänzerisch verspielt und technisch äußerst akkurat wurde die schmale Gradwanderung zwischen dem von Holst zugrunde gelegten Volkslied und dem prachtvollen Konzertmarsch interpretiert.

Nach herzlichen Grußworten vom stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Meinerzhagen, Herr Rüsche, folgte ein Klangerlebnis der besonderen Art mit Ida Gotkovskys „Poème du feu“ (z. dt. „Feuergedicht“). Das imposante Werk in zwei Sätzen beschreibt zwei rituelle Feuerstellen eines keltischen Frühjahrsrituals. Im ersten Satz wurden die mächtigen Feuerbrünste entfacht und die pure Macht der Flammen mit monumentalem Orchesterklang präsentiert. Im zweiten Satz wurde durch lyrische Melodiebögen und sanfte Klänge ein Ruhepol geschaffen, der die rituellen Fürbitten beschrieb, bis beide auflodernden Ritualfeuer am Ende nochmal klanggewaltig erstrahlten.

Vor der Pause führte „Westfalen Winds“ die Zuhörer noch in die britische Grafschaft Lincolnshire zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Percy Grainger schuf mit „Lincolnshire Posy“ ein bemerkenswerte Suite für sinfonisches Blasorchester, in dem er in der englischen Grafschaft alte Volkslieder aufnahm und diese im jeweiligen Stil des Sängers orchestrierte­– mal trunken vor Freude, mal bäuerlich rustikal oder mit militärischem Pathos. Mit Bravour wurden die verschiedenen Stile und Eigenarten in typisch englischer Mundart interpretiert, sodass es leicht fiel, sich in das britische Fin de Siècle einzufühlen. Das Publikum dankte es dem Orchester mit langem Applaus zur Pause.

Im zweiten Konzertteil schloss sich thematisch der Kreis, als „Westfalen Winds“ den „Einen Ring“ in die Feuer des Schicksalsberges hinabwarf. Johan de Meijs erste Sinfonie „Der Herr der Ringe“ beschreibt in fünf Sätzen Charaktere und Orte auf dem mitreißenden Abenteuer der Gefährten durch Mittelerde.

Das westfälische Orchester inszenierte dabei sowohl Gandalfs strahlendes Thema mit großer Ausdrucksstärke wie auch Gollums schizophrene Niedertracht mit zwei fantastischen Soli von Alt-Saxophon und Posaune. Die mysteriösen und verwunschenen Passagen des Lothlórien-Waldes und die erdrückende Schwärze der tiefen Minen Morias wurden gleichermaßen raffiniert wie klanglich epochal zu Gehör gebracht.

Im letzten Satz „Hobbits“ schloss sich auch musikalisch der Kreis zu den vorangegangen Werke des Nachmittags. Überschwänglich übertrug das Orchester die verspielten Weisen und die freudige Ausgelassenheit der Halblinge auf die begeisterten Zuhörer, sodass erst nach langanhaltendem Applaus und einer weiteren Zugabe das Orchester entlassen wurde.

Als nächstes wird die westfälische Bläserphilharmonie im Herbst 2018 auftreten. Zu zwei Konzerten wird „Westfalen Winds“ den international hochrenommierten Trompetensolisten Reinhold Friedrich als Gast begrüßen.

Weitere Informationen über www.westfalen-winds.de und www.facebook.com/westfalenwinds

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