Schmallenberg wird ”unterwandert“ – Über das „seltene“ Vorkommen von Maulwürfen

Kerstin Thielemeier
Kerstin Thielemeier

Dass Schmallenberg ein Herz für Tiere hat, ist weithin bekannt. Immer wieder berichten die Medien von großen und kleinen Lebewesen, die hier gesichtet werden, ausgewildert wurden oder gar seit jeher heimisch sind. Steht ein Wisent mitten auf der Straße und versperrt den Autofahrern den Weg, steigt man aus und fotografiert. Warum? Weil man es so selten sieht! Rehe und Hirsche, die bei entsprechender Witterung nur wenige Meter von einem entfernt genüsslich das Gras rupfen, lassen einem den Atem stocken. Warum? Weil man sie so selten sieht! Und dann kommt er … Man sieht ihn selbst eigentlich nie. Abgesehen davon sieht er uns übrigens auch nicht. Und obwohl man ihn nicht sieht, weiß man genau, dass er da ist. Da sein muss. Denn er hinterlässt eine verräterische Spur. Die Rede ist vom – vom Aussterben bedrohten – Maulwurf. Er steht unter Artenschutz. Und das bereits seit 1988. Warum? Weil man ihn so selten sieht! Ist es nicht wunderbar, dass dieser schon tot geglaubte Wühler sich derart erholen konnte, dass wir ihn nicht nur auf öffentlichem Grund, sondern auch im privaten Grün finden? Ihn? Natürlich nicht „ihn“, den Maulwurf, sondern „ihn“, den kleinen braunen Hügel. Ganze Landschaften werden neu in Szene gesetzt. Stadtplaner, Garten- und Landschaftsbauer integrieren die Hügellandschaften ins Große und Ganze. Private Hobbygärtner sind über alle Maßen entzückt, dieses possierliche Tierchen im eigenen Garten beherbergen zu dürfen. Adieu Tristesse auf englischem Rasen, Bonjour Ackerbau und Viehzucht! Ist denn in diesem Kontext nur ein toter Maulwurf ein guter Maulwurf? Um Gottes Willen, das darf man über die so seltenen, gesetzlich geschützten Säuger doch nicht sagen! Man könnte eher ein touristisches Highlight daraus machen. Radwanderwege entlang der Maulwurftrassen bewerben oder zusätzliche freie Flächen schaffen, damit der arme Kerl und seine Sippe über genügend Wohnraum verfügen können. Denn weniger werden es bestimmt nicht. Gebuddelt wird ja schließlich ordentlich, immer und überall. Und man bedenke, dass sich der umtriebige Maulwurf, den Gesetzen der Natur folgend, Ende Februar in der Paarungszeit befindet. Na Halleluja, dann stellt das Schmallenberger Sauerland künftig jede noch so gigantische Kanalisation in den Schatten! Da bekommt die Bezeichnung Canale Grande eine ganz neue Bedeutung. Aber: Halt! Stopp! Es muss bedacht werden, dass das Wirken der Maulwürfe wichtige positive Auswirkungen auf „ihren“ Lebensraum hat. Somit sollten wir ihnen ihre letzten noch verbliebenen Lebensräume zugestehen. Vieles regelt die Natur von ganz alleine. Schließlich hat der Maulwurf auch natürliche Feinde. Wer sich also über die unzähligen Hügel auf seinem Grund und Boden ärgert, könnte ein Rudel Wildschweine in den Garten lassen: Die erledigen das Problem in einer Nacht. Ebenso liegen Marder, Wiesel und diverse Greifvögel gerne auf der Lauer. Aber scheinbar sind die allzu oft allesamt satt. Denkbar wäre demnach, dass die Stadt Schmallenberg ein kommunales Maulwurf-Komitee ins Leben ruft und sich entsprechend kümmern könnte. Zum Beispiel umsiedeln oder unterirdische Gehege anlegen. Spätestens, wenn kein Golfplatz und kein Fußballfeld mehr bespielbar ist, wird es eng. Auch da könnten Lösungen gefunden werden. Kooperationen mit der Telekom zum Beispiel. Man könnte die kleinen, blinden Buddler mit Glasfaserkabeln verbinden und schwupps ist im ganzen Land schnelles Internet verfügbar. Ja, so schnell kann keiner gucken, wie die tierischen Kollegen das in den Griff bekämen.

Fakt ist, keiner würde diesen seltenen Tieren mit einer Selbstschussanlage oder einer explosiven Chemikalie an den Kragen wollen. Man würde sprichwörtlich „die Büchse der Pandora öffnen“. Diese Redewendung drückt aus, dass man Schlimmes bewirkt, indem man die „Büchse“ allen Unheils öffnet. So sollten wir es auch in diesem Fall bei dem Mythos belassen, dass Schmallenberg von Maulwürfen unterwandert wird. Und vielleicht ist der nächste Maulwurfshügel kein Ärgernis mehr, sondern eine Erinnerung an den Artenschutz und die Regeln der Natur. Oder wie war das noch mit den Wildschweinen im Garten?

Text: Kerstin Thielemeier

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