3. International Network Meeting in Brilon – Integration von Immigranten in ländlichen Regionen

Foto: sn
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85 Teilnehmer aus Finnland, Schweden, Österreich und Deutschland trafen sich in der vergangenen Woche zum 3. International Network Meeting im Hotel am Kurpark in Brilon. Die Konferenz stand unter dem Thema „Immigrant Integration to Rural Areas“ – Integration von Immigranten in ländlichen Regionen. Organisiert wurde die Veranstaltung von Hannah Kath, Christoph Hammerschmidt (LEADER Region Hochsauerland e.V.) und Stefan Pletzinger (LEADER Region „4 mitten im Sauerland“ e.V.)

Der erste Programmpunkt „Living in Between“ führte in die Veranstaltung ein. Living in Between. Das ist ein Ausdruck, der wohl in vielerlei Hinsicht auf die Geflüchteten zutrifft. Sie leben zwischen zwei Welten, zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen, zwischen Angst und Sicherheit, zwischen der Schuld, dass sie ihre Heimat verlassen haben und der Hoffnung, auf ein neues Zuhause.

Heimat ist ein Begriff, der einem im Sauerland häufig begegnet. Heimat meint dabei mehr als nur Zuhause. Er meint die Kultur, die Landschaft, der Ort eben, an dem man aufgewachsen ist und mit dem man sich von daher auf besondere Weise verbunden fühlt. Die Geflüchteten haben diesen ihnen vertrauten Ort verlassen müssen, um zu überleben.

Ein Film zeigt Bilder aus Syrien vor und nach dem Krieg und fordert den Zuschauer am Ende auf: Bete für Syrien. Aus Syrien kommt auch Aeham Ahmad. Der palästinensisch-syrische Musiker und Autor kommt aus Jamurk, einer Stadt nahe Damaskus. Ahmad erlangte durch seine Auftritte in den Straßen Jamurks internationale Bekanntheit als „Pianist in den Trümmern“. Als der IS das Flüchtlingslager in Jamurk einnahm und Ahmads Klavier zerstörte, beschloss er, dass es sicherer für seine Familie und ihn wäre, zu fliehen. Und so kam er über Izmir, Lesbos und die Balkanroute nach Deutschland.

Inzwischen lebt er in Olpe. 2015 erhielt er den erstmals verliehenen Internationalen Beethovenpreis für Menschenrechte, Frieden, Freiheit, Armutsbekämpfung und Inklusion. In einem Buch hat er seine Erlebnisse verarbeitet. „Und die Vögel werden singen – Ich, der Pianist in den Trümmern“ wurde in 8 Sprachen übersetzt. Und auch in Brilon erzählt er seine Geschichte: „Wir müssen gute Geschichten über Geflüchtete erzählen, damit nicht nur die schlechten zu hören sind.“

Für Ahmad ist es die Musik, die ihm hilft, das Erlebte zu verarbeiten. Viele andere Geflüchtete haben so etwas nicht. Sie kämpfen mit psychischen Problemen, sind traumatisiert von den Erlebnissen aus dem Krieg.

Hier kümmert sich Shirko Moustafa, er arbeitet für Das Dach e.V., eine Organisation, die sich um traumatisierte Menschen kümmert. Besonders bei Geflüchteten stellt sich das als Herausforderung heraus, da das Thema aufgrund der Kultur ein schwieriges ist. Dabei ist es so wichtig, dass allen geholfen wird, damit sie sich neue Strukturen aufbauen, Stabilität finden und ihr Selbstvertrauen wiedergewinnen können.

Diese und andere Projekte wurden an 2 Tagen in Brilon vorgestellt und Erfahrungen ausgetauscht. In Diskussionsrunden, Workshops und Exkursionen wurde die Thematik behandelt. Es ging darum voneinander zu lernen und neue Ideen zu sammeln, um eine optimale Integration der Geflüchteten in ländlichen Räumen langfristig zu ermöglichen.