Der „Franzosenfriedhof“ – Eine Gedenkstätte in Meschede

Foto: S.Droste
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Die Tage vom 20. bis 22. März 1945 gehören wohl zu den schwärzesten in der Geschichte des Sauerlandes. An diesen drei Tagen, an denen sich schon das Ende des 2. Weltkriegs und damit die Niederlage der nationalsozialistischen Machthaber abzeichnete, kam es zu Massakern an sowjetischen Zwangsarbeitern im Langenbachtal bei Warstein (57 Tote), im Körtlinghauser Wald bei Suttrop (71 Tote) und auf der Flur „Im Kramwinkel“ bei Eversberg (80 Tote). Insgesamt starben 208 Menschen an diesen drei Tagen.

An die Gräueltaten wird auch auf dem Waldfriedhof Fulmecke in Meschede mit einem dreisprachigen Gedenkstein erinnert. Die deutsche Inschrift lautet: „Hier ruhen russische Bürger bestialisch ermordet in faschistischer Gefangenschaft. Ewiger Ruhm den Gefallenen des großen Vaterländischen Krieges 1941 bis 1945.“ Die anderen Inschriften sind in Englisch und Russisch verfasst. Dieser Stein ist viel zu wenig für Nadja Thelen-Khoder. Das Ziel der Kölnerin mit Wurzeln in Warstein ist es, für jeden der 208 Männer, Frauen und Kinder, die in Meschede begraben sind, eine persönliche Grabinschrift zu erhalten: „Es geht mir darum, diesen Menschen ihre Würde wiederzugeben.“

Foto: S. Droste
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Die Recherchearbeit gestaltet sich jedoch als äußerst aufwendig, denn die Identität der Toten ist vielfach nicht klar. Beispielsweise wurde 1947 zwischen Eversberg und Meschede ein Massengrab entdeckt und die Leichen dann auf dem Waldfriedhof bestattet. „Wir leben in einer Zeit, in der Geschichte vergessen wird“, beklagt sich Thelen-Khoder. Sie betreibt emsig Erinnerungsarbeit und hat schon zahlreiche Archive und Listen nach den Namen der Zwangsarbeiter in Sauerländer Betrieben durchforstet. Sie möchte, dass vor Ort wenigstens eine Inschrift an die Opfer erinnert. Ihre Mutter hatte Nadja Thelen-Koder wenige Monate vor ihrem Tod erzählt, dass die Warsteiner Bevölkerung nach Kriegsende – auf Geheiß einer amerikanischen Anordnung – an den Leichen im Langenbachtal habe vorbeigehen müssen. Eine Tatsache, die Thelen-Khoders Mutter lange Jahre beschäftigte, die sie ihrer Tochter aber erst spät erzählte. „Langenbachtal heißt also ein besonderes Erbe meiner Mutter“, formuliert es die Kölnerin, die sich nun in die historische Arbeit im Zusammenhang mit den Massakern stürzt. Regelmäßig ist die 56-Jährige beispielsweise zu Gast im Archiv des International Tracing Service (ITS) in Bad Arolsen, dem Zentrum für Dokumentation und Forschung über die nationalsozialistische Verfolgung.

Andere Institutionen nehmen sich ebenfalls der Aufarbeitung der Geschehnisse im Frühjahr 1945 an. Die Erinnerungsstätte auf dem sogenannten „Franzosenfriedhof“ in der Fulmecke, die selbst vielen Meschedern nicht unbedingt vertraut ist, wurde beispielsweise im November 2017 vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zum Denkmal des Monats ernannt. Den Namen bekam der Friedhof im 1. Weltkrieg. 1914 wurde in Meschede ein Kriegsgefangenenlager errichtet. Bis zu 15.000 Gefangene waren dort untergebracht. Für die in Gefangenschaft gestorbenen Menschen wurde in der Umgebung des Lagers der Friedhof angelegt. Allerdings wurden die französischen, belgischen und italienischen Toten in den Jahren 1926 und 1927 wieder in ihre Heimatländer überführt. Aus der Zeit des Ersten Weltkrieges verblieben wohl nur die russischen und polnischen Toten auf dem Friedhof. Auch hier gilt es, die Namen der Toten und das Gedenken zu ehren. Die Stadt Meschede kooperiert mit den Historikern des LWL und führt Gespräche mit weiteren kompetenten Institutionen wie dem Volksbund und den Fachbehörden.

Es geht um „ein würdevolles und historisch angemessenes Gedenken an die dort bestatteten Menschen“.

Hier wünscht sich Thelen-Khoder eine Aufarbeitung von einer breiteren Basis, um die Geschichte im Bewusstsein zu erhalten: „Schulen aus Meschede oder Warstein könnten hier sehr gut Projektarbeit in den Archiven leisten. Bei NS-Verbrechen denken heute viele nur an Orte wie Auschwitz oder Majdanek. Die Orte der Konzentrationslager sind heute im Ausland und weit weg. Es passierten auch im Sauerland schlimme Dinge.“ Beispielsweise war das an den drei Tagen im März 1945 mit so genannten Endphaseverbrechen in Form der Ermordung von Zwangsarbeitern.

Weiterführende Informationen unter:

https://www.schiebener.net/wordpress/franzosenfriedhof/
https://hpgrumpe.de/ns_verbrechen_an_zwangsarbeitern_suttrop,_warstein,_meschede/index.html

Text: Philip Stallmeister

Dieser und weitere Berichte im aktuellen WOLL-Magazin für Meschede-Bestwig-Olsberg. Jetzt am Kiosk!