Foto: Jürgen Rademacher, Marianne Schneider, Ursel Groß und Peter Liedtke (von links) haben das Kunstwerk „Eine Schürze für Herrn Käthe“ schon in Erndtebrück unter die Lupe genommen, ab Sonntag, 4. März, ist es im Rahmen der Ausstellung „Die weibliche Seite der Reformation“ in der Reister Kulturkirche zu sehen.

Reiste. Die Reformation ist als Hauptwort weiblich, das „die“ macht’s deutlich. Aber beim Reformations-Jubiläum im vergangenen Jahr waren zumeist Männer-Gesichter zu sehen: Luther, Melanchthon, Calvin, Zwingli, um nur ein paar zu nennen. Dabei ist heute klar: „Ohne die Mitwirkung der Frauen hätte die Reformation nicht denselben Einfluss und dieselbe Verbreitung gehabt.“
Dieser Satz steht auf einer der knapp 20 übermannshohen Schautafeln, die ab dem heutigen Sonntag in der ehemals evangelischen und heutigen Kulturkirche Reiste, Am Reinspring 2, zu sehen sind. Die Schautafeln werfen zum einen ihren Blick auf Frauen der Reformation wie Argula vom Grumbach oder auch Katharina von Zell, die Namensgeberin des Evangelischen Gemeindehauses in Schmallenberg. Zum anderen auf historische Entwicklungen in der Welt, bei uns, in Lettland, wo die Frauen-Ordination gerade wieder abgeschafft wurde, oder in den Niederlanden. Da gibt es Einiges zu lesen, worüber sich der Protestant mit seiner Schwäche fürs geschriebene Wort natürlich freut. Aber ergänzt werden die Schautafeln durch Werke, die von zeitgenössischen Künstlerinnen konkret zum Thema „Die Geschichte der weiblichen Reformation“ geschaffen wurden.
Das Ganze war 2017 als Beitrag des Bonner Frauenmuseums zum Reformations-Jubiläum unter der Überschrift „Katharina von Bora. Von der Pfarrfrau zur Bischöfin“ zu sehen. Der Titel ist irreführend, weil Luthers Gemahlin Katharina von Bora zwar Pfarrfrau war und allein durch ihre Arbeit dem Reformator viele wichtige Freiräume geschaffen hat, aber Bischöfin war sie nie. Doch genau dazu macht die bereits am Anfang zitierte Schautafel klar: „Auch wenn sich die Reformatoren eine Ämterbesetzung mit Frauen kaum vorstellen konnten, war dies in ihrer Theologie von vornherein angelegt.“
Nachdem die Ausstellung bereits einen Monat in Erndtebrück zu sehen war, lädt nun die Kulturkirchen-Besitzerin Marianne Schneider mit dem Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein sowie seinen Kirchengemeinden Dorlar und Gleidorf in die Kulturkirche ein. Eröffnet wird die Ausstellung am heutigen Sonntag, 4. März, um 17 Uhr mit einem Begrüßungswort von Marianne Schneider, einer Andacht von Pfarrerin Ursel Groß und einer Einführung von dem ehemaligen Schmallenberger Pfarrer Peter Liedtke als Mitglied des Theologischen Ausschusses im Wittgensteiner Kirchenkreis. Die Ausstellung ist bis Sonntag, 18. März, verlässlich samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet, außerdem sind Besuche nach Vereinbarung mit Marianne Schneider aus Visbeck unter Tel. (02934) 831 möglich.