Bauüberwacher Bahn – Ein Beruf mit Seltenheitswert

Die Pastoratsbrücke in Hofolpe wurde im November abgerissen. Im Vordergrund Wilfried Knoche bei der Einweisung. Foto: Ralf Litera
Die Pastoratsbrücke in Hofolpe wurde im November abgerissen. Im Vordergrund Wilfried Knoche bei der Einweisung. Foto: Ralf Litera

Wilfried Knoche aus Dorlar ist seit zehn Jahren selbständig als Bauüberwacher Bahn (BÜB) tätig. Ein Beruf, den kaum einer kennt und den es deutschlandweit nur etwa 3.000 Mal gibt. Die Hälfte der BÜB ist bei der Deutschen Bahn (DB) direkt beschäftigt. Im Interview erklärt er uns seinen Beruf etwas näher.

WOLL: Herr Knoche, was macht ein Bauüberwacher Bahn?
W. Knoche: Wir sorgen für ein gefahrloses Arbeiten an und neben den Gleisen, auch während des Bahnbetriebs. Ich persönlich habe durch einige fachliche Aus- und Weiterbildungen die Erlaubnis, sämtliche Baumaßnahmen im konstruktiven Ingenieurbau und im Bereich Gleis- und Weichenbau sowie im Hochbau zu begleiten. Es gibt auch BÜB, die ausschließlich mit Planungsarbeiten beschäftigt sind, also fast mit reiner Bürotätigkeit.

WOLL: Welche Baumaßnahmen sind das genau und was zählt sonst noch zu Ihren Aufgaben?
W. Knoche: Eigentlich alles, was man sich im Bereich Bahnstrecken vorstellen kann, wie etwa der Bau von Brücken und Stützwänden, Gleis- und Weichenneubau, Durchlasserneuerung unter der Bahn, Kabelverlegung, Unterhaltungsarbeiten in Tunneln, Erkundungs- und Planungsarbeiten, Betreuung und Bauüberwachung, aber auch die Sanierung von Bauwerken.

WOLL: Welche Ausbildung muss man für diesen Beruf absolvieren?
W. Knoche: Für die Zulassung zu den BÜB-Schulungen ist das Bauingenieurstudium oder eine gleichwertige Ausbildung Voraussetzung. Hinzu kommen Ausbildungen zur Freigabe von Gleisen, als Anlagenbeauftragter für Arbeiten in der Nähe von Oberleitungen und zur Weicheninspektion. Gern gesehen werden von der DB weitere Zusatzausbildungen, sie sind aber keine Pflicht. Regelmäßige Fortbildungen müssen allerdings erbracht werden, schließlich ist es eine große Verantwortung, die man trägt. Neben der Ausbildung zum BÜB ist auch die persönliche Eignung wichtig: Körperliche Belastbarkeit, Durchsetzungsvermögen, gutes Kommunizieren und Entscheidungsfreudigkeit sehe ich hier ganz oben. Nachts um zwei Uhr muss man selber Entscheidungen treffen können, bei denen es um fünfstellige Beträge geht.

WOLL: Bei solch vielseitigen Aufgaben stellt sich die Frage: Wer sind Ihre Auftraggeber?
W. Knoche: Neben der DB Netz und ihren Tochterfirmen zählen das Land NRW, Kreise, Kommunen, Ingenieurbüros, Industrie, Konzerne, Baufirmen und weitere zu meinen Auftraggebern.

WOLL: Ist man als Bauüberwacher Bahn in unserer Region immer mit Aufträgen ausgelastet?
W. Knoche: Da es ein sehr gefragter, aber seltener Beruf ist, sind immer Aufträge da. Zum Teil arbeite ich bereits seit 15 Jahren für dieselben Kunden und es kommen ständig neue hinzu. Bei anderen ist jedoch der Bedarf durch weitsichtige einmalige Baumaßnahmen zurückgegangen. In der Regel ist es die Weiterempfehlung durch die DB oder Ingenieurbüros, die mir ein Akquirieren erspart. Die Kunden richten sich oft nach meinen freien Kapazitäten zur Durchführung ihrer Maßnahmen, gleichzeitig lege ich aber auch großen Wert auf kundenorientierte Flexibilität. Ich stehe den Kunden nahezu 365 Tage im Jahr Tag und Nacht zur Verfügung.

WOLL: Wie lange ist man mit einem Auftrag beschäftigt?
W. Knoche: Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt Aufträge mit nur einem Tageseinsatz bis hin zu größeren Projekten, die über ein ganzes Jahr und länger laufen. Bei der Grundlagenermittlung für Gleisplanungen bin ich seit 15 Jahren, seit meiner Ausbildung zum BÜB, in nahezu ganz Hessen und Rheinland-Pfalz für circa sechs Wochen im Jahr unterwegs. Zur Zeit laufen etwa 15 Projekte.

WOLL: Was war Ihr letztes großes Projekt?
W. Knoche: Nach einem Gleis- und Weichenumbau im Sommer in der Nähe von Trier jetzt der Abriss der baufälligen Pastoratsbrücke in Hofolpe im November. Die Brücke führt über die B517 und die Eisenbahnstrecke Hagen/Haiger. Ein Tausendtonnenkran musste das seit Jahren gesperrte und rund 380 Tonnen schwere Brückenbauwerk als Ganzes ausheben und ablegen, bevor es nach und nach zerkleinert und abtransportiert wurde. Seit zwei Jahren begleite ich als BÜB die Planung zum Rückbau sowie den Abriss der Brücke.

Wilfried Knoches Beruf ist anspruchsvoll, aber auch abwechslungsreich. Er bedauert, dass es so wenig Nachwuchs in diesem Bereich gibt, und wünscht sich, dass sich mehr junge Leute mit praktischer Berufserfahrung dafür interessieren.

Text: Heike Schulte-Belke