„Musik ist so vielgestaltig“

Foto: Klaus-Peter Kappest
Foto: Klaus-Peter Kappest

von Ursula Wiethoff-Hüning

40 Jahre Wormbacher Sommerkonzerte

Rückblickend gesehen war es eine geniale und auch einzigartige Idee, in der besonders schönen, romanischen Kirche „St. Peter und Paul“ in Schmallenberg-Wormbach eine Konzertreihe zu begründen. Als der Schmallenberger Organist und Musiklehrer Ulrich Schauerte 1977 das erste Mal an einem Sonntagabend hier musizierte, hoffte er zunächst einmal auf ein paar Zuhörer, um überhaupt ein Publikum zu haben. Seitdem erfreuen sich hunderte Zuhörer an zehn Sonntagen in jedem Sommer an stimmungsvollen Konzerten in Wormbach, und das nun seit 40 Jahren!

WOLL: Wie entstand die Idee, jährlich in der Wormbacher Kirche eine Konzertreihe durchzuführen?
Ulrich Schauerte: Als ich nach meinem Studium als Organist an der Abteikirche in Marienstatt war, musizierte ich gerne mit einem befreundeten Cellisten in der seltenen Besetzung mit Cello und Orgel. Auf der Suche nach Originalliteratur für diese Besetzung begegneten uns C. Höllers „Improvisationen über Schönster Herr Jesus“, ein tief ergreifendes Werk oder auch Stücke des Komponisten H. Schroeder. Beide Komponisten waren wichtige Wegbereiter der Kirchenmusik im 20. Jahrhundert. Nachdem wir das Konzert in Marienstatt erfolgreich gespielt hatten, kam uns die Idee, es kurzfristig in Wormbach zu wiederholen. Also standen wir an einem Sonntagabend im Jahre 1977 auf der Orgelbühne der Kirche und warteten zunächst einmal gespannt auf Zuhörer. Wir hatten uns überlegt zu musizieren, wenn mehr als 20 Zuhörer kämen. Es kamen 23 – und wir haben gespielt! Das war für das Sauerland damals ein avantgardistisches Programm, aber es kam gut an. Von Sonntag zu Sonntag haben wir dann in Wormbach ein Konzert angeboten. Das war der Start in die Konzertreihe. Die Idee, im Sommer zu spielen, war mir in Urlauben begegnet: Touristen fühlen sich angezogen von solchen Konzerten, haben die Zeit und können sich darauf einlassen.

WOLL: Wie gestalteten sich die ersten Jahre der Wormbacher Sommerkonzerte?
Ulrich Schauerte: In den ersten beiden Jahren war der Kammerchor noch nicht dabei. Die Besetzungen wechselten: Flöte und Orgel, Kammermusik mit hiesigen Musikern, aber auch mit Musikkollegen von mir aus Frankfurt oder Musikern aus Köln. Der Durchbruch kam mit der dritten Reihe. Das Konzept trug sich, und so ist es geblieben, bis zum heutigen Tag! Unsere Zuhörer kommen aus der ganzen Region und darüber hinaus, darunter auch viele Urlauber.

WOLL: Gibt es ein besonderes Konzept in Bezug auf die musikalische Besetzung der Konzerte?
Ulrich Schauerte: Bis heute beruht die Konzertreihe auf ausschließlich privater Initiative und wir bringen uns stark als Familie in die Konzerte ein. Das ist der musikalische Kerngedanke. Darüber hinaus nehmen wir den Chor mit in die Konzerte, Orgelschüler von mir, Freunde und Bekannte, zum Beispiel von meiner Tochter Anna, die in Weimar Musik studiert hat. In jedem Jahr organisieren wir auch ein Konzert mit einer interessanten Gruppe von außerhalb. Beispielsweise hatten wir schon einmal die Besetzung Theorbe (Lauteninstrument) und Flöte oder ein Mittelalterensemble aus Leipzig.

WOLL: Und die Programmgestaltung?
Ulrich Schauerte: Zunächst einmal haben die Konzerte, die wir gestalten, einen geistlichen Hintergrund. Die Programmgestaltung richtet sich natürlich auch nach dem Ort, an dem man aufführt. Auf der Wormbacher Orgel kann man in erster Linie Barockmusik spielen, Literatur aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Darüber hinaus machen wir alles, von Hildegard von Bingen (12. Jahrhundert) bis zu Karl Heinz Stockhausen (gestorben 2007) – das Publikum nimmt auch die moderne Musik sehr gut auf. Oft gucke ich auch nach äußeren Anlässen. In diesem Jahr haben wir, dem Lutherjahr entsprechend, sämtliche von Luther stammenden Lieder, insgesamt 35, in die Konzertreihe eingebaut: Choräle, Motetten, Instrumentalstücke, Orgelwerke. Das war schon eine besondere Aufgabe. Im nächsten Jahr hat der französische Komponist Charles Gounod seinen 200. Geburtstag. Dann wird also der katholische Gounod Gehör finden. Ich mag den Wechsel – Musik ist so vielgestaltig!

WOLL: Wie sieht der Weg in die Zukunft aus?
Ulrich Schauerte: Die Wormbacher Sommerkonzerte gestalte ich seit 40 Jahren, und das ist hier in Südwestfalen völlig singulär. Eventuell kann meine Tochter Anna, die nach ihrem Musikstudium auch wegen der Wormbacher Konzertreihe nach Schmallenberg zurückgekehrt ist, das Konzertprojekt übernehmen. Sicherlich würde es organisatorisch und inhaltlich dann Änderungen geben. Während ich sehr von der kirchenmusikalischen Seite komme, ist Anna eher von der pianistischen, kammermusikalischen Seite geprägt. Aber da hätte ich volles Vertrauen, dass es sich weiter gut entwickeln würde. Ansonsten geht es zunächst einmal nach dem bewährten Muster weiter: Von den zehn Konzerten sind in der Regel vier Chorkonzerte mit dem Kammerchor Schmallenberg – die Eckkonzerte mit Chor und Orchester, ein Konzert mit Chor und Orgel und ein A-Cappella-Konzert. Dann kommen zwei Orgelkonzerte, denn diese alte Orgel in Wormbach mit Pfeifen aus der Zeit von vor 1500 verdient es ja, gehört zu werden! Weiterhin gibt es immer ein Konzert mit Sopran und Orgel, ein kammermusikalisches Programm und zwei Konzerte bleiben offen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass sich unser Konzept noch lange trägt, Anerkennung und Unterstützung in der Region erfährt und wir weiter das treue Publikum der Wormbacher Sommerkonzerte mit unserer Musik erreichen können.

WOLL: Herr Schauerte, herzlichen Dank für dieses informative
Gespräch und viel Freude sowie gutes Gelingen bei
den zukünftigen Wormbacher Sommerkonzerten!