Die Liebe Christi drängt uns

Foto: Klaus-Peter Kappest
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Fürchte dich nicht, ich bin mit dir. (Jes 41,10)

Das ist das Motto von Schwester Juliana Marinescu. Die 1962 geborene Ordensschwester ist Dipl. Ingenieurin, Dipl. Betriebswirtin und Religionslehrerin. Seit 1990 gehört sie der Ordensgemeinschaft der Borromäerinnen an. Das Mutterhaus des Ordens ist das Kloster in Schmallenberg-Grafschaft, welches auf eine lange und spannende Geschichte zurückblicken kann. Schon 1072 wurde es von benediktinischen Mönchen gegründet und ist seitdem eine wichtige Institution des Sauerlandes. 1951 wurde das Kloster Grafschaft zum Generalmutterhaus der Barmherzigen Schwestern erklärt. Heute unterhalten die Borromäerinnen in Schmallenberg-Grafschaft drei Einrichtungen: Fachkrankenhaus Grafschaft, barrierefreie Wohnungen im Haus „St. Elisabeth“ und das Gästehaus Kloster Grafschaft.

Die Ordensregeln der Schwestern besagen, dass sie ihre Kräfte selbstlos dem gemeinnützigen, kirchlichen Dienst zur Verfügung stellen. Dies tun sie nicht nur in Deutschland, sondern auch in Ägypten, Israel und Rumänien. Hier widmet sich der Orden hauptsächlich der Jugendarbeit, als Träger von Kindergärten und Schulen, und ist dazu auch in der Pflege alter und kranker Menschen tätig. Von 2005 bis 2017 war Schwester Juliana Oberin des Konvents in Gioseni, einem kleinen Ort im Nordosten Rumäniens. Seit 2005 ist sie außerdem Mitglied des Ordensrates und seit Juli dieses Jahres Generaloberin.
Im Rahmen der diesjährigen Mitgliederversammlung des Freundeskreises der Borromäerinnen Kloster Grafschaft e.V. am 14. November konnte WOLL mit der neuen Generaloberin des Ordens der Borromäerinnen sprechen.

Foto: Klaus-Peter Kappest
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WOLL: Schwester Juliana, als Generaloberin der Kongregation der Borromäerinnen sind Sie auch verantwortlich für die Einrichtungen des Ordens hier in Grafschaft. Wie gut kennen Sie nicht nur das Fachkrankenhaus und die anderen Einrichtungen, wie gut kennen Sie auch das Sauerland und den Ort Schmallenberg-Grafschaft?
Schwester Juliana: In meinen 27 Jahren in der Kongregation der Borromäerinnen habe ich mehrere Male das Mutterhaus besucht. Das Sauerland und auch speziell der Ort Schmallenberg-Grafschaft gefallen mir sehr: Die Landschaft, die Architektur der Gebäude, die Ordnung der Häuser und Höfe und auch der Friedhöfe beeindrucken mich immer wieder. In nächster Zeit will ich mehr über die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten dieser Region erfahren. Das interessiert mich sehr.

WOLL: Vor welchen großen Herausforderungen steht der Orden? Was sehen Sie als dessen wichtigste Aufgaben an?
Schwester Juliana: Unser Charisma ist die Einheit zwischen dem kontemplativen Gebet und der beständigen Barmherzigkeit. Unsere Aufgaben sind es, ein Leben des Gebetes zu führen und unseren Dienst an den uns anvertrauten Menschen mit Verantwortung zu verwirklichen.

WOLL: Wie sieht die Arbeit einer Ordensschwester und besonders einer Oberin aus? Würden Sie uns einmal einen normalen Tagesablauf schildern?
Schwester Juliana: Die Schwestern, die im regulären Dienst stehen, zum Beispiel in der Kranken- und Altenpflege, im Kindergarten, in der Schule oder bei der Erziehung, haben ihre Dienstzeiten wie die weltlichen Mitarbeiter auch. Als Ordensleute setzen wir täglich Zeit ein für gemeinsames und persönliches Gebet, um Gott zu ehren und um Gottes Segen
für die Welt zu erbitten.

Die Schwestern in Rumänien sind jeden Morgen um sechs Uhr zwei Kilometer zu Fuß zur Heiligen Messe unterwegs, bevor sie zur Arbeit gehen – in den Kindergarten, die Schule oder ins Tageszentrum.

WOLL: Tätige Nächstenliebe ist das Motto des Ordens. Dabei erstreckt sich Ihr Wirken auf alle Menschen, ohne Unterschied der Rasse, Klasse und Religion. Wo spürt man dies in der täglichen Arbeit?
Schwester Juliana: Wir wollen im täglichen Umgang allen Menschen mit Respekt und Freundlichkeit begegnen.

Gerade in Ägypten, das ja hauptsächlich muslimisch geprägt ist, sind es eben auch viele Andersgläubige, derer sich die Barmherzigen Schwestern annehmen, sowohl in den Krankenstationen als auch in den Kindergärten und Schulen. Es spielt keine Rolle, wer welcher Religion angehört. Alle werden gleich behandelt. Zu Toleranz und Offenheit zu erziehen, das ist das Ziel der Ordensschwestern. Eine Ausbildung in einer Schule der Barmherzigen Schwestern bekommen zu haben, ist für viele eine Chance.

WOLL: Die Schwestern arbeiten in Alten- und Krankenpflegeeinrichtungen, Erholungsstätten und Bildungseinrichtungen.
Was machen Ordensschwestern dabei anders und besser als andere Organisationen?
Schwester Juliana: Wir bilden uns nicht ein, dass wir besser sind als andere Organisationen, wir sind bemüht, unseren Auftrag gut zu erfüllen. Die Schwestern haben eine Berufsausbildung und machen regelmäßig Weiterbildungen. In unseren Einrichtungen arbeiten sie im Team mit den weltlichen Mitarbeitern.

Sich um hilfsbedürftige Menschen zu kümmern, ihnen Bildung, Lebensmittel oder Kleidung und damit ein besseres Leben zu ermöglichen, ist ein Akt der Nächstenliebe und die oberste Priorität, die die Barmherzigen Schwestern antreibt.

WOLL: Welche musikalischen Vorlieben haben Sie? Mögen Sie Blasmusik, zum Beispiel Musik des Heeresmusikkorps Kassel, das im Februar ein Benefizkonzert hier in Schmallenberg gibt?
Schwester Juliana: Ich liebe klassische Musik, aber auch die deutschen Adventslieder und die rumänischen Weihnachtslieder. Und ja, die Blasmusik gefällt mir gut und ich erwarte mit großem Interesse das Benefizkonzert in Schmallenberg.

WOLL: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Ihre Arbeit.

Nach vielen Jahren in Rumänien ist Schwester Juliana im Sauerland angekommen und widmet sich nun von hier aus ihren Aufgaben. Der Mensch steht dabei immer im Mittelpunkt. Ganz egal, woher er kommt und woran er glaubt.

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