Blechbläsersound vom Feinsten

Foto: Ursula Wiethoff-Hüning
Foto: Ursula Wiethoff-Hüning

von Ursula Wiethoff-Hüning

Nachdem das European Brass Ensemble das prestigeträchtige Eröffnungskonzert zum Sauerland-Herbst gemeistert hat, spielt es im Musikbildungszentrum Südwestfalen (MBZ) in Bad Fredeburg weiter. Hier produziert das hervorragende, junge Ensemble seine zweite CD, die 2018 bei Genuin erscheinen wird.

Musik aus 13 Nationen

Derzeit setzt sich das European Brass Ensemble aus circa 40 Musikern zusammen, die sich projektweise im Stift Melk in Niederösterreich zum Musizieren treffen. Das Besondere ist, dass die jungen Instrumentalisten im Alter von 18 bis 23 Jahren (darunter drei Frauen) aus 13 verschiedenen Nationen zusammenkommen und sich so ein interessanter (musikalischer) Austausch zwischen den Kulturen ergibt. Thomas Clamor, der das Ensemble 2010 gegründet hat, formuliert es so: „Meine Ziele sind unter anderem, Werke der klassischen Literatur mit komplett neuen Klangdimensionen und Interpretationsmaßstäben zu bereichern und somit auch groß besetzte Blechbläserkammermusik auf höchstem musikalischem Level zur Aufführung bringen zu können; außerdem natürlich ein Kulturaustausch auf internationalem Niveau, der für hochbegabte junge Musiker aller beteiligten Länder unermessliche Erfahrungen mit sich bringen wird. Auch die unzähligen musiksoziologischen Möglichkeiten einer solchen Formation möchte ich geschickt und effektiv nutzen.“ In diesen Tagen nun ist das European Brass Ensemble im MBZ in Fredeburg bei der Arbeit. Die idealen Probenräume, aber auch die schöne Bleibe für die Musiker werden von allen sehr geschätzt. Einer der Posaunisten bezeichnete das Sauerland beim Konzert in Kirchrarbach gar als „zweite Heimat“ des Ensembles, da sich die jungen Leute hier seit 2015 jährlich treffen können.

Klänge voller Dynamik und Energie

Abgesehen von kurzen Pausen arbeiten alle hochkonzentriert an der Umsetzung der CD-Produktion, von 9 bis 22 Uhr. Das ist besonders für die Blechbläser anstrengend, die so viele Stunden am Tag ihr Instrument am Mund halten müssen, aber alle jungen Leute verbindet die ungeheure Freude und Motivation, gute Musik zu schaffen, und das, was sie gemeinsam hervorbringen, ist hervorragende, gestochen scharfe, rhythmisch präzise Musik, es entstehen Klänge mit viel innerer Energie und Dynamik; höchstes Niveau macht sich auch bei der rhythmischen Umsetzung im Schlagwerk bemerkbar. Das Zusammenspiel zwischen Bläsern und Schlagwerkern ist beeindruckend.

Takt für Takt arbeiten sie sich während der Aufnahmen voran, hochkonzentriert, und in den kurzen Spielpausen, die der Absprache zwischen Dirigent und Tonmeister dienen, still und sehr diszipliniert. Clamor arbeitet eng mit seinem langjährigen Tonmeister Holger Busse zusammen. Beide sind in Bad Oeynhausen aufgewachsen, zwei Westfalen, die die gleiche Auffassung von Musik und Werkinterpretation haben. Zudem braucht man bei der gemeinsamen Arbeit viel gegenseitiges Vertrauen.

Foto: Ursula Wiethoff-Hüning
Foto: Ursula Wiethoff-Hüning

Aufnahme im Dienste der Musik

Busse, der als studierter Tonmeister vor circa 20 Jahren in Detmold die eigene Musikproduktionsfirma Genuin gegründet hat, ist mit hochwertiger, mobiler Aufnahmetechnik ins Musikbildungszentrum angereist. Der Konzertsaal hier zeichnet sich durch eine sehr gute Akustik aus, die notwendig ist, um die Musik mit all ihren Nuancen einzufangen. Das Rezept von Genuin: „Alles steht im Dienste der Künstler, im Dienste ihrer Musik. Und jede einzelne Aufnahme wird mit größter Sorgfalt und Liebe produziert.“ Besonders wichtig sind Busse „die ganz besondere Aura, die positive und kreative Atmosphäre während der Produktionen“, damit die Musiker konzentriert ihr Bestes geben können. So steht der Tonmeister aus dem Tontechnikraum immer mit dem Dirigenten und den Musikern in direktem Austausch, über Bildschirm und Mikrofon, auf Deutsch oder Englisch. Es ist faszinierend, mit wie viel Respekt und Schaffenswillen alle miteinander arbeiten, um ein gutes Produkt hervorzubringen. Hierbei wird natürlich auch der einzelne Musiker in Überlegungen zur Artikulation oder musikalischen Gestaltung miteinbezogen; jeder ist gleichermaßen wichtig und geschätzt, auch die ganz jungen Spieler.

Viele Male werden einzelne Stückpassagen wiederholt, bis alle zufrieden sind. Nach der Aufnahme in Fredeburg wird in Leipzig geschnitten und gemischt. In Absprache mit dem Dirigenten erfolgt anschließend der letzte Feinschliff.

Das, was das European Brass Ensemble bei dieser Aufnahme einspielt, sind europäische Werke, wie das bekannte „Te Deum“ von Charpentier oder der Marsch „Crown Imperial“ von William Walton, aber auch Klänge aus Südamerika wie zum Beispiel venezolanische Volkslieder, die extra für das Ensemble geschrieben wurden, sodass es insgesamt eine vielfältige Mischung aus warmen, weichen Blechbläserklängen einerseits und einem vollen und rhythmischen Klangspektrum anderseits sein wird – ein wahrer Ohrenschmaus, Blechbläsersound vom Feinsten.