Die analogen Fotografien des Fotografen Manfred Haupthoff sind so etwas wie Ankerpunkte im immer zahlreicher, immer schneller und perfekter werdenden Strom der digitalen Fotografien. Überwiegend aufgenommen ohne Objektiv, also mit keiner korrigierenden und lichtverstärkenden Linse, beinhaltet die Fotografie mit der Camera obscura ein bewusstes „Zurück zu den Ursprüngen und Anfängen“. Einzig mit einer kleinen Lochöffnung, bildet sich die Außenwelt und Innenwelt auf dem fotografischen Filmmaterial ab. Schon das erste bekannte Foto auf der Welt überhaupt, wurde 1826 mit einer solchen Kamera, der Camera obscura naturalis, aufgenommen. Wohin geht nun der fotografische Weg der Zukunft? Keiner wird es vorhersagen können. Immer schneller, immer perfekter, immer höher auflösend….das kann es wohl nicht sein. Und endet wohl irgendwann in der unendlich großen Langeweile eines „Allesschongesehen“. Schon seit etlichen Jahren befindet sich die Fotografie daher in einem großen Dilemma. Die Fotografie wird zur Massenware, austauschbar und ausgereizt. Dies übrigens besonders schnell in den letzten Jahren. Und umgekehrt proportional zum Aufstieg der jetzigen, digitalen Möglichkeiten mit Smartphone & Co. Eine Zeitung drückte das drastisch mal so aus:

„ Die Fotografie gräbt sich ihr eigenes Massengrab. Jeden Moment kommen Millionen Fotos dazu und es entsteht so etwas wie ein „Weißes Rauschen“ in der Fotografie. Alles wird beliebig. Und kein Ende abzusehen. So weit die etwas vage und unbestimmte Vorhersage. Natürlich hat auch diese Fotografie ihre ureigenste Berechtigung und Bestimmung. Wem es gefällt und wer es zufrieden ist. Quo vadis?

Der Einsatz einer rückständigen, fotografischen Technik mittels der Camera obscura ist allerdings sehr speziell anders. Bedingt durch die kleine Lochöffnung dauert es eine längere, wenn nicht sehr lange Zeit, bis das fotografische Material ausreichend belichtet ist. Alles temporäre und zufällige bildet sich daher nicht ab. Menschen werden, in der Regel, unsichtbar. Sind aber doch im Bild irgendwie vorhanden. Die Camera obscura verlangt nach einer intuitiven Bedienung. Das Bild entsteht dabei zuerst im Kopf des Fotografen. In dieser Ausstellung sind Camera obscura Bilder des Fotografen Manfred Haupthoff aus den Jahren 2005 bis 2017 zu sehen. Im Erdgeschoss größerformatige, zumeist farbige Fotografien. Im Obergeschoss meistenteils schwarzweiße Exponate. Mit wenigen Ausnahmen Resultate einer Fotografie ohne Linse und mit einem minimalen Einsatz von Technik. Wer sich auf diese Fotografie einlässt und die Aufnahmen intensiv betrachtet, wird feststellen, das ein Foto nicht immer farbrichtig oder absolut scharf sein muß, um beim Betrachter etwas Berührendes auszulösen. Bilder der Camera obscura sind Seelenbilder, vielleicht mitunter auch Traumbilder. Teils konkreter, teils unkonkret in Verbindung mit einer experimentellen Ausrichtung. Zeit, Licht und Raum verschmelzen hier zu einer Fotografie der „besonderen“ ART. Besonders am Herzen liegen Manfred Haupthoff dabei die Exponate in SW. Entwickelt und vergrößert in der eigenen „Dunklen Kammer“, beinhaltet diese Fotografie auch ein wenig „Magie“. Zu sehen, wie sich das Silberbild in der Schale entwickelt, ja fast „erscheint“, hat wirklich etwas magisches. Alles muß zwingend langsam geschehen. Von der fotografischen Aufnahme, über die Entwicklung mit chemischen Substanzen, bis hin zur Vergrößerung des Bildes. Überall ist „Entschleunigung“ und natürlich auch Geduld angesagt. Vor allem geht es dabei um Reduktion, um das Wesentliche des Bildes. Das berührende und besondere Element einer Fotografie herauszuarbeiten, ist dabei das eigentliche Ziel des Fotografen. Das „Noema“ der Fotografie – So ist es gewesen- ist hier nachrangig und geht, wie oben erwähnt, wohl in die falsche Richtung. Die Camera obscura bildet das fotografische Bild subjektiv ab. Das ist eigentlich auch folgerichtig bei einer Fotografie ohne Objektiv. Die Erfahrung des Fotografen, sein Wissen über die Eigenheiten der linsenfreien Fotografie, sowie die Verfolgung einer Intention, bzw. einer genauen fotografischen Idee ist Voraussetzung. Das Zusammenspiel all dieser Komponenten ermöglicht es dem Camera obscura Fotografen Bilder zu erstellen, die über das Abbilden der oberflächlichen, fotografischen Wirklichkeit hinausgehen und somit eine künstlerische Erhöhung darstellen. Das gelingt allerdings nicht immer. Und wenn doch, dann mit zum Teil, selbst für den Fotografen, überraschenden Ergebnissen.

So ist und bleibt es spannend. Es verbleibt uns also wohl nur der technische Rückschritt in der Fotografie, als einziges Mittel der Wahl. Ein Mittel, um wieder zu versuchen Bilder zu erschaffen, die uns berühren, die Fragen stellen und uns vielleicht auch Antworten geben. So könnte es jedenfalls sein.