Meschedes starke Wirtschaft

Foto: S. Droste
Foto: S. Droste

Interview mit dem Vorsitzenden der IMW, Meinolf Ewers

Die Wirtschaft ist ein wichtiger Bestandteil von Meschede und Bestwig. Vom Handwerksbetrieb über den Einzelhandel bis hin zum Weltmarktführer gibt es eine große Bandbreite an Betrieben. In Meschede werden insbesondere die produzierenden Unternehmen durch die Interessensgemeinschaft Mescheder Wirtschaft e.V., kurz IMW, vertreten. Deren Vorsitzender ist Meinolf Ewers, Geschäftsführer der EWERS Karosserie- und Fahrzeugbau GmbH & Co. KG mit über 100 Mitarbeitern. Wir wollten wissen, wie es um die Mescheder Wirtschaft steht.

WOLL: Herr Ewers, wie stark ist die Mescheder Wirtschaft?

Ewers: Die Mescheder Wirtschaft ist besonders durch einen hohen Anteil am produzierenden und verarbeitenden Gewerbe geprägt. Dadurch sind wir sehr stark, was man auch an der niedrigen Arbeitslosenquote sehen kann.

WOLL: Worin begründet sich diese Stärke?

Ewers: Ich glaube dass die Sauerländer eher Tüftler sind. Sie probieren viele Dinge aus und bleiben an den Themen hartnäckig dran. Das führt dazu, dass man die bestmögliche Lösung für seine Kunden findet. Übrigens gilt das nicht nur für die Unternehmer/innen, sondern auch für die Mitarbeiter in den Betrieben. Sie denken mit, arbeiten mit und engagieren sich in besonderer Weise. Wenn wir zum Beispiel irgendwo eine neue Halle bauen wollen, müssen wir erst einen Berg wegbaggern (lacht). Da haben wir Nachteile gegenüber anderen Regionen. Aber mit den Menschen, die hier Leben, da kann man wirklich zusammen etwas bewegen, wenn man miteinander vernünftig umgeht. Von daher ist Meschede für meinen Betrieb ein echter Standortvorteil.

WOLL: Wie kam es zur Gründung der IMW?

Ewers: Die IMW ist ursprünglich ein politisches Kind. Es gab um das Jahr 2000 einen „Arbeitskreis Stadtmarketing“. Alle relevanten Gruppen aus der Kultur, dem Bildungssektor, dem Sport wie auch aus der Wirtschaft waren in diesem Kreis versammelt und haben ein Leitbild für die nächsten Jahre für Meschede erarbeitet. Ein Punkt dabei war, dass die Stadt besser mit der produzierenden Wirtschaft zusammen arbeiten wollte, dafür aber keinen richtigen Ansprechpartner hatte. Es gab zwar damals schon die starke Säule der Werbegemeinschaft „Meschede aktiv“, der Zusammenschluss Mescheder Kaufleute, die gemeinsame Aktionen wie Innenstadtfest mit verkaufsoffenem Sonntag oder die Weihnachtsbeleuchtung organisierte. . Es fehlte aber eine Vertretung der Industrie und der verarbeitenden Betriebe. Das führte zur Gründung der IMW als eine der fünf Säulen vom heutigen Stadtmarketing Meschede.

WOLL: Welche Aufgaben hat die IMW heute?

Ewers: Die Aufgaben haben sich seitdem nicht geändert. Wir wollten ein anderes Miteinander hier in Meschede ermöglichen. Früher hat die Wirtschaft zum Teil auf die Stadtverwaltung geschimpft, dass sie nur wenig Verständnis für die Probleme der Unternehmen aufbringt und z.B. in der Anwendung des Baurechts sehr starr vorgeht. Uns geht es heute darum, nicht gegen-, sondern miteinander zu arbeiten und jeweils ein Ohr für die andere Seite zu haben. Ein Beispiel: Letztes Jahr gab es von der Stadt die Absicht, die Gewerbesteuern zu erhöhen. Hier hat sich die IMW erfolgreich dafür eingesetzt, dass, um den Standort hier nicht zu gefährden, die Gewerbesteuer eben nicht erhöht wird.
Weiterhin stärken wir die Vernetzung der Firmen untereinander. So haben wir etwa den Jahresempfang mit ins Leben gerufen, damit sich die relevanten Personen, übrigens nicht nur aus der Wirtschaft, auch persönlich in lockerer Atmosphäre kennenlernen können.
Außerdem wurde eine unserer Forderungen, eine Art „One Stop Agency“, etwa für Bauvorhaben oder Erweiterungen, umgesetzt. Das Stadtmarketing nimmt auch engagiert die Aufgaben der Wirtschaftsförderung wahr. Potenzielle Investoren können dort – bei lediglich einem Ansprechpartner – z.B. eine kostenlose Bauvoranfrage stellen um zu erfahren, ob das Vorhaben überhaupt an dem vorgesehen Standort baurechtlich durchgeführt werden kann. Im weiteren Verlauf werden Sie durch unsere Wirtschaftsförderin Christina Wolff tatkräftig unterstützt.
Vor gut zehn Jahren haben wir festgestellt, dass auf die Wirtschaft eine weitere Aufgabe zukommt: der Fachkräftemangel. Hier waren wir die Ersten in der gesamten Region, die eine BerufsInformationsBörse organisiert haben, auf der sich die heimischen Firmen mit einer Art Messestand den jungen Menschen präsentieren und ihre Ausbildungsberufe vorstellen. Heute ist die Mescheder BIB eine der größten Veranstaltungen dieser Art – und sehr erfolgreich für alle Beteiligten.
Und auch bei der großen Aufgabe, die Flüchtlinge vor Ort zu integrieren, arbeiten wir als Mescheder Wirtschaft im entsprechenden Arbeitskreis mit.

WOLL: Was bietet die IMW für Startups und Neugründungen?

Ewers: Ansprechpartner für Startups ist zunächst die Wirtschaftsförderung. Die Wirtschaftsförderung wiederum kann bei Bedarf sehr gut auf das Netzwerk der IMW zurück greifen. Im politischen Raum wird gerade über neue Projekte nachgedacht, wie man diesen Prozess weiter fördern kann. Ich persönlich bin aber der Meinung, dass so schnell aus Meschede kein Silicon Valley werden wird. Deshalb setzte ich mich dafür ein, das hier schon Vorhandene möglichst zu stärken.

WOLL: Welches sind die größten Herausforderungen für die Mescheder Wirtschaft?

Ewers: Eine wichtige Herausforderung ist die Digitalisierung und der Ausbau der Breitbandanschlüsse. Hauptthema für die nächste Zeit ist aber sicherlich der Fachkräftemangel, bedingt durch die demografische Entwicklung, die Landflucht der jüngeren Generation sowie der immer mehr um sich greifenden schulischen und akademischen Ausbildungen, die die handwerklichen Ausbildungen verdrängen. Wir brauchen nicht nur Menschen, die die Dinge am Schreibtisch verwalten, sondern wir brauchen auch Menschen, die die Dinge kreativ an der Werkbank erschaffen. Daran werden wir arbeiten, wie wir es etwa mit der BIB seit zehn Jahren machen. Zusätzlich müssen wir Menschen, die bisher nicht für eine Ausbildung im Fokus standen, stärker ansprechen. Ich denke da wieder an die Flüchtlinge, die den Willen haben und in der Lage sind, sich hier zu integrieren und eine handwerkliche Ausbildung zu machen. Und auch Menschen mit Brüchen im Lebenslauf können gegebenenfalls für die Betriebe interessant werden.

WOLL: Die IMW hat derzeit über 90 Mitglieder. Wann knacken Sie die 100er-Marke?

Ewers: Ziel ist es, dass wir das nächstes Jahr schaffen werden. Schaun mer mal! (lacht)

WOLL: Bitte zum Abschluss eine Ergänzung: Mein Herz schlägt für das Sauerland, weil…

Ewers: Weil Sie mit diesem Menschenschlag, der hier wohnt, Dinge bewegen können!

WOLL: Herr Ewers, herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

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Text: Dirk Bannenberg