Text: Stephy Kesting – Fotos: Klaus-Peter Kappest

Einige Hühner laufen gackernd über den Hof am Passelweg in Wenholthausen. Im Hintergrund hört man das kräftige Rauschen der Wenne. Aus dem alten Fachwerkhäuschen tönen Radiomusik und Stimmengewirr nach draußen. Am Eingang des schmucken Häuschens sieht man ein an die Gemäuer angelehntes Mountainbike, ein klappriger Trecker versperrt den Weg hinein. Beim Betreten fällt der Blick sofort auf zwei Schweine, die in ihrem Stall wild umherlaufen. Aus dem Nebenzimmer ruft eine Stimme: „Einen Moment noch, Herr Kayser kommt gleich!“ – Zeit genug, um das urige Grundstück noch ein bisschen auf eigene Faust zu erkunden. Denn im frisch gekürten Luftkurort Wenholthausen steht eines der ältesten Kulturdenkmäler im gesamten Sauerland: eine alte Kornmühle aus dem Jahr 1368.

Dass hier vor einigen Jahrzehnten noch Korn gemahlen wurde und der Duft von frisch gebackenem Brot in der Luft lag, kann man sich gut vorstellen, denn das stählerne Mühlrad erinnert an vergangene Tage. Gegenüber einem Neubaugebiet gelegen, strahlt die alte Kornmühle einen unverwechselbaren Charme aus, der Tradition und Moderne verbindet.

Und plötzlich ist man Mühlenbesitzer

Dass ihnen einmal eines der ältesten Kulturdenkmäler im gesamten Sauerland gehören sollte, damit hätten die Kaysers niemals gerechnet. Die Familie aus Wenholthausen hat die „Hellermannsche Kornmühle“ überraschend geerbt. Ihr letzter Eigentümer, Engelbert Hellermann, verstarb kinderlos und vermachte die historische Mühle seiner Cousine Ingrid Kayser. Für ihren Mann Dr. Wilhelm Kayser, ehemals Chefarzt in Arnsberg, und ihren Sohn Fabian war schnell klar: Hier schlummert ein wahres Schmuckstück am Seitengraben der Wenne. Schon vor Jahrzehnten hatte das Westfälische Amt für Denkmalpflege in Münster die alte Kornmühle als technisches Kulturdenkmal anerkannt. Inzwischen haben sich die Kaysers an die Restaurierungsarbeiten gemacht, denn es liegt viel Arbeit vor den neuen Mühlenbesitzern. Vor rund 20 Jahren hat Engelbert Hellermann zum letzten Mal den Steingang gedreht.

Ein Puzzle aus tausend Teilen

Dass es harte Arbeit und viel Schweiß erfordert, der 650 Jahre alten Einrichtung ihren einzigartigen Mühlencharakter zurückzugeben, wissen die neuen Eigentümer. Doch Familie Kayser ist nicht auf sich alleine gestellt, denn eine Gruppe von Jugendlichen aus dem Dorf hilft tatkräftig bei den Restaurierungsarbeiten mit. Der im Frühjahr neu gegründete Wenholthausener Mühlenverein e. V. kümmert sich zusätzlich um die organisatorischen Belange. Schritt für Schritt – und mit viel Herzblut – konnte so bereits einiges bewirkt werden. Nach der Auskofferung des Mühlengrabens rauschen heute wieder 300 Liter Wasser pro Sekunde an der Mühle vorbei.

Alte Fotos und Erzählungen von Dorfbewohnern helfen dabei, die ehemalige Kornmühle so originalgetreu wie möglich zu restaurieren. „Es ist wie ein großes Puzzle“, erklärt Fabian. Zunächst stand Familie Kayser vor einem großen Rätsel. Vor dem zugewucherten historischen Gebäude prangte ein Schild mit der Aufschrift „Betreten verboten“. In jeder Ecke türmten sich alte Gerätschaften, das Mühlrad hatte sich seit Jahrzehnten nicht mehr gedreht und der alte Trecker seine besten Jahre hinter sich. „Es sind bereits zwanzig Container mit alten, nicht verwertbaren Sachen abgefahren worden“, erzählt der 31-Jährige.

Damals wie heute: Jugendliche aus dem Dorf helfen mit

Es ist viel Arbeit, die Puzzlestücke zusammenzusetzen und den alten Charme der Kornmühle wieder herzustellen. „Ohne die Hilfe von den Jungs aus dem Dorf, würde ich das gar nicht schaffen“, weist der neue Eigentümer auf die tatkräftige Unterstützung der Wenholthausener Jugendlichen hin. Die Jungs, alle im Alter von 15 bis 23, kommen oft nach der Schule oder der Arbeit zur alten Kornmühle und helfen dem jungen Landwirt bei allen Arbeiten. „Eigentlich habe ich Fabian kennengelernt, weil er den alten Trecker falsch getankt hat. Da hab ich ihm geholfen“, erzählt Christopher Schulte lachend. Der 17-Jährige freut sich, dass er gemeinsam mit seinen Freunden dabei helfen kann, dass in seinem Heimatdorf ein echtes Wahrzeichen entsteht.

Schon früher war die Kornmühle ein Treffpunkt für junge Dorfbewohner. Auf einem alten Foto von 1909 sieht man, wie Jugendliche bei den Mühlenarbeiten helfen. „Viel geändert hat sich also nicht“, freut sich Fabian Kayser. Im Moment kostet es viel Zeit und Geld, die historische Mühle zu renovieren. Für den jungen Mann sind es vor allem die Jugendlichen in Wenholthausen, die ihn täglich motivieren, an der alten Mühle zu werkeln. „Es geht weiter“, fasst Fabian Kayser das Dorfleben in Wenholthausen zusammen. Doch nicht nur für die Dorfbewohner soll das Kulturdenkmal zugänglich sein, auch für Schulen, Kindergärten, Wanderer und Besucher wird die Kornmühle ein weiteres Highlight in dem frisch gekürten Luftkurort sein.

Viele Ideen für die Zukunft der Mühle

Das heutige Mühlengebäude stammt aus dem Jahr 1797. Im Oktober feiert die historische Mühle ihren 220. Jahrestag, für den sich Fabian Kayser und seine Jungs sicherlich etwas Spannendes einfallen lassen.
Viele Ideen für das neue Kulturdenkmal an der Wenne hat der gelernte Heilerziehungspfleger, der sich zurzeit erst einmal auf die an die Mühle angrenzende Landwirtschaft konzentriert, allemal. „Aber über ungelegte Eier spricht man bekanntlich nicht“, schmunzelt der junge Landwirt. Vielleicht können die Wenholthauser ja in ein paar Jahren wieder frisch gebackenes Mühlenbrot zum Frühstück genießen …

 

 

 

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