Wenn am Sonntag, 27. August, die besten Fahrer der deutschen Rad-Bundesliga vom Arnsberger Bürgermeister Hans-Josef Vogel und von Landrat Dr. Karl Schneider auf die ersten Meter der „1. Sauerlandrundfahrt durch Südwestfalen“ entlassen werden, warten zwischen Neheim und dem Zielort Winterberg 140 Kilometer an sportlicher Herausforderung auf das Starterfeld. Das Sauerland bietet nicht nur einen landschaftlich wunderschönen Rahmen, seine naturgegebene Topographie bringt es mit sich, dass sich herausfordernde Anstiege und spektakuläre Abfahrten abwechseln und den sportlichen Wert dieser Rundfahrt schon bei ihrer Premiere unterstreichen. Auf den folgenden Seiten können Sie sich gedanklich mit den Pedalen-Cracks auf die Rundfahrt begeben und sich dabei genau jene Blicke auf die reizvollen Orte entlang der Strecke und ihre Besonderheiten eröffnen, die den Fahrern während des sportlichen Kräftemessens verwehrt bleiben. Starten wir also mit dem Fallen der Flagge in Neheim, der Heimat des ausrichtenden RC Victoria …

Das Fallen der Startflagge und erste Herausforderungen:

Die Sauerlandrundfahrt im Arnsberger Land

Der mehr als 23.000 Einwohner zählende Arnsberger Stadtteil Neheim am Zusammenfluss von Möhne und Ruhr liegt nordwestlich des Naturparks Arnsberger Wald. Zwischen Gransauplatz und Engelbertplatz erstreckt sich der großzügig angelegte Shopping-Center unter freiem Himmel. Attraktive Einkaufsmöglichkeiten und nette, zum Verweilen einladende Straßenlokale machen die Neheimer Innenstadt zu einem beliebten Anziehungspunkt für die ganze Region. Historisch Interessierte lockt vor allem der um 1680 erbaute Fresekenhof an, der im Mittelalter als sogenanntes „Burgmannshaus“ diente und das Stadttor zur Ruhrbrücke sicherte. Im Zentrum bestimmt die Pfarrkirche St. Johannes Baptist die Szenerie, im Volksmund auch gerne „Sauerländer Dom“ genannt. Auf dem Marktplatz im Schatten des Doms lädt mittwochs und samstags die lebhafte Atmosphäre und Vielfalt des Wochenmarkts zum Einkauf ein.

Gransauplatz in Neheim mit der Christuskirche. Foto: Julian Stratenschulte

Zum Startzeitpunkt der Sauerlandrundfahrt herrscht hier aber ein geschäftiges Treiben ganz anderer Natur! Einmal losgelassen strebt das Feld der Radsportler unwiderstehlich in Richtung der ersten Herausforderungen der Strecke. Schnell erreicht man nach dem Start in Neheim nun Hüsten. Der knapp 11.000 Einwohner beheimatende Stadtteil wird bereits in einer der ältesten deutschen Urkunden aus dem Jahre 802 als eine der zwölf Stammpfarreien des Sauerlandes erwähnt. Bis 1974 bestand Neheim-Hüsten als unabhängige Stadt, seit 1983 sind Neheim und Hüsten eigenständige Stadtteile Arnsbergs. Knapp zwei Kilometer von Hüsten entfernt stößt man auf das eindrucksvolle neugotische Schloss Herdringen aus dem 19. Jahrhundert, einst Kulisse legendärer Edgar-Wallace-Verfilmungen und heutzutage eindrucksvolle Bühne für Live-Konzerte. Weit über die Grenzen des Sauerlands hinaus bekannt ist die auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurückblickende Hüstener Kirmes, die Jahr für Jahr mehr als 100.000 Gäste in die Stadt zieht. Entspannung pur lässt sich im Freizeitbad NASS genießen, das neben erfrischendem Wasserspaß eine entspannende Saunawelt und den schönen Solepark bietet.

Erfrischung und Entspannung sind für das Feld der Radsportler an diesem Punkt noch in weiter Ferne! Am Horizont zeichnet sich nun vielmehr die erste ernsthafte Hürde ab, die es zu überwinden gilt: Der Arnsberger Schlossberg ist die perfekte Szenerie für die erste Bergwertung der Rundfahrt.

Abendansicht des Sauerländer Doms zu Neheim. Foto: Julian Stratenschulte

Arnsberg und seine Stadtteile liegen eingebettet in eine schöne und waldreiche Landschaft inmitten des Seendreiecks Möhne-, Sorpe- und Hennesee. Der 1961 gegründete Naturpark Arnsberger Wald erstreckt sich auf eindrucksvollen 482 Quadratkilometern Fläche. Das ist nicht nur Natur pur, sondern auch ein Paradies für Zweiradfans: Der reizvolle RuhrtalRadweg, der MöhnetalRadweg, der unweit von Arnsberg verlaufende SauerlandRading, eine Vielzahl an MTB- und E-Bike-Routen, Rennradtouren oder das Knotenpunktsystem für individuelle Ausflüge locken Jahr für Jahr mehr Radfahrer an. Nicht zuletzt zählt auch die Stadt Arnsberg selbst zu den fahrradfreundlichen Städten in NRW und lässt sich bequem per Rad erkunden. Weit sportlicher hingegen wird sich das Geschehen am Renntag darstellen, wenn es in die Arnsberger Altstadt geht.

Das historische Arnsberg ist geschichtsträchtig und sein gut erhaltener und sehenswerter Stadtkern liegt schon von weitem sichtbar auf einem Bergrücken in einer Ruhrschleife: dem Schlossberg. Romantisch verwinkelte Gassen, das spätmittelalterliche Femegericht „Oberfreistuhl“, gepflegte Fachwerkhäuser, Adelshöfe, die Schlossruine oder auch das auf das Jahr 1170 datierte Kloster Wedinghausen sind teil des vielbesuchten mittelalterlichen Zentrums. Arnsberg glänzt durch ein überregional beachtetes Kulturangebot, das in der vielfältigen Gastronomieszene eine ideale Ergänzung findet und die Stadt zum Treffpunkt für Gäste von nah und fern macht. Darüber hinaus bietet Arnsberg eine ganze Reihe architektonischer und geschichtlich bedeutsamer Schmankerl, wie z.B. den „Alten Markt“ am historischen Rathaus von 1710. Der Glockenturm mit seiner markanten barocken Haube als Wahrzeichen der Stadt sowie der aus dem Jahre 1779 stammende Maximilianbrunnen ziehen zahllose Besucher in die „gute Stube“ Arnsbergs. Ein „Schlossberg“ ohne namensgebendes Schloss wäre ein Unding: In Arnsberg ist dort die Ruine des während des Siebenjährigen Krieges im Jahre 1762 zerstörten Renaissance-Schlosses zu besichtigen. Unweit der Ruine findet sich ein Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert, in dem sich seit 2008 eine begehbare „Camera Obscura“ befindet: Vier Blickachsen auf Arnsberg werden eingefangen, ins Innere des Turms gespiegelt und mit sphärischen Klängen zu einer eindrucksvollen, interaktiven Multivisionsschau aufbereitet. Eine einzigartige Mischung aus Kunst, Event, kultureller Bildung und innovativer Technik.

Der Arnsberger Lichtturm. Foto: Jochem Ottersbach

Für die Radsportler sind in Arnsberg jedoch nur zwei „Achsen“ von Bedeutung: jene, die auf den Schlossberg führt und wichtige Wertungspunkte verspricht, und schließlich jene, die aus der Stadt heraus in Richtung Oeventrop weist. Manchem ist der über 6000 Einwohner starke Ort durch das Metal-Festival „WinterNachtsTraum“ (WNT) oder das Flugplatzfest ein Begriff. Von etwas mehr als 200 Metern geht es von hier auf knapp 7 Kilometer Strecke auf den über 420 Meter hohen Lattenberg hinauf. In den schattigen Weiten des Arnsberger Waldes steuert das Feld nun im Warsteiner Land auf die nächste Herausforderung der Sauerlandrundfahrt zu: den Kampf mit der „Hirschberger Wand“.