Zukunft des Landgestüts Dillenburg

Old-fashioned und modern wie nie zugleich – eben ein Evergreen

Landgestüt Dillenburg

Landgestüt Dillenburg/Sauerland. „Seit Jahrtausenden sind Pferde im höchsten Maße an der Entwicklung des Menschen und dem kulturellen und wirtschaftlichen Fortschritt beteiligt. Schon deshalb gilt es, dieses Erbe zu bewahren. Unsere kulturhistorische Gestütanlage ist stadtbildprägend und bewahrt eine jahrhundertelange Tradition und den Flair einer vergangenen Zeit.“

Dieses Zitat stammt nicht etwa aus einem Pferdefachmagazin, sondern ist nachzulesen auf der Internetseite des Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) und ist Teil der Beschreibung des Landgestütes Dillenburg. Das LLH seinerseits gehört wiederum zum Umweltministerium des Landes Hessen, dessen oberste Verantwortliche, Ministerin Hinz (Grüne), Anfang Juli 2017 vor die Kameras trat, um die Schließung des Landgestütes in naher Zukunft „aus Gründen des Tierwohls“ (und nicht etwa aus finanziellen Erwägungen heraus) unter Berufung auf ein Gerichtsurteil in Düsseldorf, zu verkünden.

Pressekonferenz Landgestüt Dillenburg

Gutachter auf Landgestüt Dillenburg

Das wollte und konnte man in Dillenburg keinesfalls auf sich beruhen lassen und beauftragte seitens des Fördervereins des Landgestüts und der Stadt gleich zwei namhafte Gutachter, um sich mit dieser These zu beschäftigen. Was Dr. Christiane Müller und Eckhard Hilker (Sachverständige aus Sh & NRW) nach Ortsterminen und intensiver Sichtung von (Bewegungs-)Plänen und unzähligen weiteren Papieren per PowerPoint und mit Zollstock zu präsentieren hatten, wurde dann auch von unzähligen Pressevertretern von dpa bis RTL/SAT1 in einer sehr gut besuchten Pressekonferenz* Anfang August gebannt verfolgt. Sie kamen unabhängig voneinander zu einem für Pferdefreunde und Kulturbewusste gleichermaßen beruhigenden und wegweisendem „Urteil“:

  • Bereits aktuell entsprechen Unterbringung und Bewegungsangebot der Rösser im Landgestüt und der angeschlossenen (fn=5 Sterne) Landes Reit- und Fahrschule den diesbezüglichen Leitlinien!
  • Man könnte selbstverständlich schon weiter sein auf dem Weg zu noch mehr Tierwohl, im Rahmen der Vorbildfunktion der Landeseinrichtung, diesbezügliche Pläne liegen jedoch auf Eis.
  • Das innerstädtische kulturhistorische „Sahnestück“ hat eine beachtliche Zukunftsperspektive! Wenn alle möglichen Bewegungskapazitäten auf und um das Landgestüt realisiert werden und weiter so vorbildlich gemanagt werden wie bisher, ist draußen sogar „Platz“ für fast 200 Pferde – anstatt der aktuell 41.

Landgestüt Dillenburg

Damit dürfte nicht nur der gute Ruf der „Dillenburger“ wieder hergestellt sein, es wird vor allem eines deutlich: das Landgestüt ist ein historisches lebendiges Unikat mit aktuell zu Recht ungebrochener Beliebtheit – eben auch ein nicht zu unterschätzender Tourismus-und somit auch Wirtschaftsfaktor – am anderen Ende des Rothaarsteigs.

Um die von der Ministerin angemahnte Vorbildfunktion zu erreichen, könnte/sollte allerdings weiteres Geld in die Hand genommen werden. Das ist aber ganz im Sinne der Stadt, des Umlandes und aller, die um die Bedeutung von LANDgestüten wissen. Der hessische SPD-Chef Schäfer-Gümbel bringt es in einem Presseinterview dazu dann auch auf den Punkt: „Ich kenne keine kulturelle Einrichtung in Hessen, die nicht subventioniert wird. Bei dem 142 Jahre alten Gestüt handele es sich schließlich um hessisches Kulturgut…“ Und da braucht man nichts ergänzen, woll?

*Im YouTube Channel der Stadt können Interessierte die ganze PK mitverfolgen, außerdem findet sich auf der Startseite von Dillenburg.de auch je ein Link zu den Gutachten Hilker und Müller  –   Und dann gibt’s da ja noch die Petitionsunterzeichnungsmöglichkeit bei change.org.

 

Gastbeitrag
Text und Fotos: Ulrike Gast