„Ökumene heute – vielfältig und doch eins!“

Dritter Themenabend der Veranstaltungsreihe „Reformation und Ökumene in Winterberg und Umgebung“ zum Reformationsjubiläum in Winterberg

Diskussionen in den Tischgruppen im Altcafé in Winterberg.

 

Zweimal hat bereits auf Initiative des ökumenischen Arbeitskreises ein Vortrags- und Diskussionsabend zum Thema „Reformation und Ökumene in Winterberg und Umgebung“ stattgefunden. Vorläufig zum letzten Mal trafen sich etwa 30 Interessierte im Altstadtcafé, um den aktuellen Stand zu diskutieren.

Zu diesem Anlass konnten Pfarrer Norbert Lipinski und Vikar Klaus Engel gewonnen werden, die das Publikum in die Gestaltung des Abends einbezogen: Vier Gruppen wurden gebildet, die sich zu drei Fragestellungen der Ökumene in der heutigen Zeit auch aus persönlichen Erfahrungen heraus äußern sollten: Die Situation vor wenigen Generationen, die Situation heute und die Zukunftsperspektive.

Dabei wurde deutlich, dass noch vor wenigen Jahrzehnten das Verhältnis von Katholiken und Protestanten zueinander von Gegensätzen und mangelndem Verständnis geprägt war: Mit „den anderen“ gab man sich möglichst nicht ab, weitergehende Kontakte, die sich zum Beispiel in Mischehen äußerten, waren weitgehend ein Tabu.

Dass dieser Gegensatz einem Miteinander gewichen ist, zeigte sich in der Diskussion um die zweite Fragestellung. Gemeinsames Kennenlernen und Verständnis für die andere Seite haben dazu geführt, dass ökumenische Veranstaltungen und Gottesdienste heute üblich sind, und auch Lieder über konfessionelle Grenzen „ausgetauscht“ werden. Die gegenseitige Anerkennung der Taufe und vermehrt geschlossene Mischehen wurden als weitere Fortschritte genannt.

Vikar Klaus Engel gab die Impuls zu den Diskussionsrunden.

In der dritten Fragestellung nach den Zukunftsperspektiven schließlich wurde deutlich, dass noch viel zu tun ist, wie man anhand einer bisher nicht realisierten von beiden Konfessionen genutzten Bibelübersetzung und dem Fehlen des gemeinsamen Abendmahls feststellen kann. Andererseits wurde auch darüber diskutiert, ob und wieweit eine Einheit unter allen Umständen überhaupt sinnvoll ist, oder eine Vielfalt in der Einheit eine durchaus ernst zu nehmende Möglichkeit darstellen würde.

Am Ende zeigte sich jedenfalls noch Bedarf an zusätzlichen Veranstaltungen dieser Art, um weitere Fragen zu klären und sich näherzukommen, und die Option, sich über das Lutherjahr hinaus zu treffen, wurde ins Gespräch gebracht. Vorher jedoch soll am 30. Oktober zusammen gefeiert werden.

Dabei hatte der Abend unter keinem guten Stern gestanden: Dunkle Gewitterwolken entluden sich während der Veranstaltung mit Blitz, Donner und Platzregen. Erfreulicherweise übertrug sich die äußere Stimmung aber nicht auf die innere. Hier zeigte sich humorvoll, wie Ökumene „auch“ gelingen kann: Auf die Zukunftsperspektive angesprochen meinte Pfarrer Lipinski, dass alle wieder einen Papst haben, worauf Pfarrer Gleibe mit den Worten „Aber einen evangelischen!“ konterte, was wiederum Pfarrer Lipinski angesichts der weiblichen Mehrheit im Raum mit den Worten „Dann aber eine Frau!“ quittierte.

Text: Dr. Friedrich Opes
Fotos: Kirsten Lange