Bei einer Fachtagung des Regionalforstamtes Soest-Sauerland wurden heute in der Waldwirtschaft im Bilsteintal die Ergebnisse einer langfristigen Simulationsrechnung zur Klimaschutzleistung des seit 15 Jahren nach PEFC zertifizierten Forstbetriebes der Stadt Warstein im Beisein von Bürgermeister Dr. Schöne vorgestellt. Anhand der Daten von zwei Forsteinrichtungen (Betriebsplanungen zur Gewährleistung der Nachhaltigkeit), den Holzeinschlagsmengen der letzten 15 Jahre, den Bewirtschaftungsgrundsätze für den Stadtwald und Eckdaten zur Holzverwendung wurde mit Hilfe eines speziell für diese Zwecke entwickelten Softwaretools (BEKLIFUH) die CO2-Speicherleistung berechnet.
„Dabei hat sich ergeben, dass der Sektor Forst und Holz im Stadtgebiet Warstein die CO2-Emissionen, die wir als Bürgerinnen und Bürger der Stadt Warstein produzieren, zu rund einem Drittel wieder neutralisiert“, freut sich Bürgermeister Dr. Schöne über den bedeutenden Beitrag, den die Forst- und Holzwirtschaft zum Klimaschutz leistet.
Bei einer Betrachtung bis zum Jahre 2100 liegt die potentielle Speicherleistung der allein für die Stadtforsten bei 46.000 Tonnen Co2 pro Jahr. Dem stehen jährlich rund 10 Tonne CO2-Emissionen  pro Kopf gegenüber.

„Die Kompensation von einem Drittel ergibt sich daraus, dass es im Stadtgebiet zusätzlich zum kommunalen Wald noch etwa 4.000 ha Privatwald gibt, der natürlich einen ähnlichen Beitrag leistet“, ergänzt Sachgebietsleiter Edgar Rüther, der mit dem Regionalforstamt auch diesen Waldbesitz in weiten Teilen betreut.

Interessant sind auch die Entwicklungen auf der Zeitachse. Sie zeigen, dass die Klimaschutzeffekte gerade in den nächsten Jahrzehnten bis 2050, wo sich die Klimasituation vermutlich noch weiter zuspitzen wird, mit 52.000 Tonnen Co2-Speicherung besonders hoch sind. „Dies erklärt sich aus der Altersstruktur des Stadtwaldes und deckt sich mit den Empfehlungen der jüngsten Forsteinrichtung, die auch die verstärkte Nutzung der ganz alten, von Entwertung bedrohten Buchen- und Fichtenbestände empfiehlt“, so Dr. Berthold Mertens von Wald und Holz NRW, der die Berechnung fachlich betreut hat.
Der Gesamteffekt setzt sich aus den drei Komponenten Waldspeicher, Holzproduktespeicher und Substitutionseffekten zusammen, die Dr. Marcus Knauf von der Firma Knauf Consulting aus Bielefeld erläutert. „So ergibt sich der größte Nutzen gerade nicht durch die CO2-Speicherung im Wald, sondern zu über 70 Prozent aus den energetischen und ganz besonders den stofflichen Substitutionseffekten des im Stadtwald geernteten Holzes“, erklärt Dr. Knauf. Er sieht in diesem Zusammenhang ein besonders großes Potential im Bereich des Holzbaus.

„Die Pflege und Nutzung Ihrer Wälder bringt Ihnen also nicht nur jedes Jahr gutes Geld in die Stadtkasse. Sie leistet zusätzlich einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz“, resümiert Volker Holtkämper von Wald und Holz, der sich maßgeblich um die Entwicklung des Berechnungstools verdient gemacht hat.
Die heute vorgestellten Zahlen werden laut Bürgermeister Dr. Schöne selbstverständlich Eingang in den kommunalen Klimaschutzplan finden. Insofern galt sein besonderer Dank heute den Experten von Wald und Holz und Dr. Knauf für Ihre Berechnungen, aber auch den städtischen Forstkollegen für ihr Engagement.
Als weitere Beitrag zum Klimaschutz rund um den nachwachsenden Rohstoff Holz nannte Bürgermeister Dr. Schönes darüber hinaus den Betrieb von zwei Nahwärmeheizungen auf Holzbasis, wodurch seit Jahren jährlich rund 185.000 Liter Heizöl und damit zusätzlich etwa 500 Tonnen CO2 eingespart werden.

Hintergrund:
Zur Sache:
Co2 verhindert die Abstrahlung von Wärme ins Weltall und trägt damit zur spürbaren Klimaerwärmung bei.
Durch die Photosynthese produzieren die Waldbäume aus CO2 (Kohlendioxid) und H2O (Wasser) unter Nutzung des Sonnenlichtes Glukose als Grundbaustoff der Biomasse Holz.
Das im Holz gespeicherte CO2 wird je nach Verwendung des Holzes unterschiedlich lange gebunden, ehe es durch Zersetzung wieder frei wird. Holz, dass energetisch verwendet wird, setzt das gespeicherte CO2 relativ rasch wieder frei. Stofflich verwendetes Holz dagegen kann Co2 über viele Jahrzehnte bis zu Jahrhunderten speichern. Aus diesem Grunde ist eine möglichst lange Phase der mehrfachen stofflichen Nutzung vor einer finalen Verbrennung (Kaskadennutzung) anzustreben.

PEFC ist ein Nachhaltigkeits-Zertifikat, bei dem die Einhaltung vielfältiger Kriterien einer umfassend nachhaltigen Forstwirtschaft regelmäßig auditiert und überprüft wird.

Mehr zu diesem Thema und über „Das wahre Leben der Bäume“ steht in dem neuen Buch von Torben Halbe. Erschienen im Sauerländer WOLL-Verlag.

Das Projekt BEKLIFUH wurde aus Mitteln des Waldklimafonds finanziert. Beteiligt waren die Universität Hamburg, INTEND Kassel, Knauf Consulting Bielefeld, der Deutsche Städte- und Gemeindebund sowie Wald und Holt NRW.

Zu den Personen:
Dr. Marcus Knauf ist geschäftsführender Gesellschafter der Knauf Consultung GBR, Bielefeld. Er hat maßgeblich an der Modellentwicklung mitgearbeitet.

Volker Holtkämper ist Fachbereichsleiter bei Wald und Holz NRW und Initiator des BEKLIFUH-Projektes.

Dr. Berthold Mertens ist Mitarbeiter der Schwerpunktaufgabe Waldplanung, Waldbewertung, Waldinventuren beim Lehr- und Versuchsforstamt Arnsberger Wald von Wald und Holz NRW. Er hat die Modellrechnungen im Wesentlichen umgesetzt.

Edgar Rüther leitet das Regionalforstamt Soest-Sauerland mit Sitz in Rüthen und ist als Dienstleister Leiter des Sachgebietes Forst der Stadt Warstein.