Schmallenberg.Normalerweise gehen Hana, Habiba, Marvel und Shaden in Alexandria zur Schule. Gereist sind sie bisher kaum. Jetzt erhielten die 15 und 16-jährigen Mädchen die Möglichkeit, ein vierwöchiges Praktikum im Schmallenberger Sauerland zu absolvieren. Ihre Arbeitgeber sind das Unternehmen Falke, das Sozialwerk St. Georg, die Stadtsparkasse Schmallenberg und die Stadtverwaltung Schmallenberg.

Sprachprobleme während ihres Aufenthaltes gibt es keine, erzählen die vier Ägypterinnen stolz. Kein Wunder, denn die Schülerinnen besuchen eine deutsche Schule in ihrer Heimatstadt Alexandria. Seit dem Kindergarten lernen sie dort Deutsch und die meisten Fächer werden bis zum Abitur ebenfalls in deutscher Sprache unterrichtet. Die Kongregation der Borromäerinnen Kloster Grafschaft ist Träger der Deutsch-ägyptischen Begegnungsschule in Alexandria, die bereits 1884 gegründet worden ist. Insgesamt 780 Mädchen verschiedener Konfessionen besuchen derzeit die Schule, die zu einer der besten in der Stadt zählt und 2009 als „Exzellente Deutsche Auslandsschule“ durch das Bundesverwaltungsamt zertifiziert wurde. Schwester Borromäa erzählt: „Dort wird nicht zwischen Christen und Muslimen unterschieden, zwischen Arm und Reich oder zwischen verschiedenen Kulturen – hier werden Grenzen überwunden.“

Der Freundeskreis der Borromäerinnen Kloster Grafschaft e.V. engagiert sich u.a. für notleidende Menschen in Alexandria. Neben der Alten- und Krankenpflege, Armenversorgung und der Unterstützung von Schulen, stärken sie auch die Völkerverständigung zwischen Ägypten und Deutschland. Auch bei der Suche nach Praktikumsplätzen hat der Freundeskreis tatkräftig mitgeholfen. Schwester Borromäa lobt vor allem die uneigennützige Arbeit von Schwester Claudia vor Ort, die beispielsweise dabei hilft, dass einmal im Monat eine Tüte mit Grundnahrungsmitteln an bedürftige Familien herausgegeben wird.

Die Schülerinnen aus Alexandria müssen in ihren Ferien Praktika absolvieren. Die Möglichkeit, diese Zeit im Ausland zu verbringen haben nicht alle. Hana, Marvel, Shaden und Habiba sind dankbar über die Chance, schließlich gehört das Erleben anderer Kulturen zu den wichtigsten Erfahrungen in einem jungen Leben. Ziel der Praktika in Schmallenberg ist es, die kulturelle und soziale Arbeitswelt in Deutschland kennenzulernen sowie die Selbstständigkeit der jungen Mädchen zu fördern. „Deswegen wohnen die Mädchen auch alleine in einer Ferienwohnung in Schmallenberg“, erzählt Heinz-Dieter Neumann, Vorsitzender des Freundeskreises.

Vorurteile gegenüber Deutschland und den Deutschen hatten die vier Praktikantinnen kaum. „Wir dachten immer, die Deutschen wären sehr streng, weil unsere Lehrer streng sind“, erzählt Marvel. „Aber das stimmt gar nicht, in Schmallenberg sind alle nett!“ Ihre Lehrer haben sie dazu motiviert, die deutsche Sprache lieben zu lernen, deswegen möchte sie später auch etwas mit Sprachen machen. Ihr Praktikum im Schmallenberger Rathaus findet sie deshalb sehr interessant, denn beim Übersetzen und Dolmetschen kann sie ihrer Leidenschaft nachgehen.

Habiba hat bereits fünf Jahre in Deutschland gelebt, einen großen Unterschied zu dem Leben im Sauerland sieht sie bei ihrem ehemaligen Wohnort Bad Kreuznach nicht. Das einzige was sie an Schmallenberg bemängelt: „Hier fahren zu wenig Busse, vor allem abends.“ Das Praktikum bei dem Sozialwerk St. Georg gefällt der jungen Schülerinnen sehr gut, denn sie engagiert sich gerne sozial und kann viel lernen.

Ein Auslandspraktikum besteht nicht nur aus Arbeit, sondern auch aus schönen Erlebnissen und neuen Eindrücken. Auf das Schützenfest in Schmallenberg freuen sich die Gäste aus Ägypten deshalb schon riesig. Neben einem Ausflug nach Frankfurt, wollen die vier Mädchen auch das Zuckerfest in einer größeren Stadt erleben.

Hana, Habiba, Marvel und Shaden wollen auf jeden Fall nach Deutschland zurückkommen. Die Mädchen werden voraussichtlich in zwei Jahren die Fachhochschulreife an der Deutschen Schule in Alexandria erwerben. Ihr Ziel ist es, in Deutschland zu studieren, denn die Zukunftschancen seien hier besser, als in ihrem Heimatland. Das Praktikum im Sauerland sehen sie als tolle Erfahrung und werden ihren Mitschülerinnen in Ägypten davon erzählen. Bald wollen sich die vier Mädchen gegenseitig in ihren Praktikumsbetrieben besuchen, um sich austauschen zu können.

Die vier Mädchen sowie die Schmallenberger Unternehmen und der Freundeskreis sind der Meinung: „Das muss auf jeden Fall wiederholt werden.“

Text und Fotos: Stephy Kesting

 

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