Balve, 10. Juni 2017 – „Zwei gleichwertige Umläufe zu liefern ist heute die Herausforderung. Am Wassergraben verlieren die Reiter leicht so ein bisschen die Kontrolle, danach keinen Fehler zu kassieren – das ist Kopfsache.“ So Parcourschef Frank Rothenberger vor der heutigen Finale um die Deutsche Meisterschaft der Springreiterinnen.

Am besten meisterte diese heute ein absoluter Shootingstar der nächsten Generation der Springreiterinnen: 23 Jahre ist sie jung, die neue Deutsche Meisterin. Mit ihrem erst neunjährigen Silverstone blieb sie als einzige Amazone in allen drei Umläufen der Deutschen Meisterschaft der Springreiterinnen fehlerfrei: Laura Klaphake aus Mühlen. Kathrin Müller, die sich mit zwei souveränen Umläufen schon als Deutsche Meisterin empfohlen hatte, machte heute, wie so viele, Fehler. Einfach in einer Topform sind sie und ihre beiden Pferde, die ihr von Paul Schockemöhle zur Verfügung gestellt sind, nächstes Wochenende geht es zu ihrem ersten internationalen 5*-Springen nach Rotterdam. Laura war kurz nach ihrem Sieg noch fassungslos: „Ich kann das noch gar nicht glauben, mit seinen neun Jahren hat er (ihr Pferd Silverstone, Anm. der Redaktion) das so toll gemacht. Der Parcours war anspruchsvoll, aber er war fair gebaut. Silverstone ist sechsjährig zu mir gekommen, er gehört Paul Schockemöhle. Er ist manchmal ein bisschen speziell, ist schon mal ein bisschen überehrgeizig, aber er will immer alles richtig machen.“ Auf die Frage, was der Rat ihres Trainer Franke Sloothaak war, rät sagt Laura: „Ich soll es einfach genießen.“ Das Rezept scheint zu funktionieren, die nötige Coolness hat die sympathische Amazone: „Wenn ich in den Parcours reite, ist für mich alles ok, dann bin ich ruhig.“

Für Disziplintrainer Springen, Heiner Engemann, ist die neue Deutsche Meisterin und die Platzierten die Zukunft des Deutschen Springsports: „Wir haben hier super Sport gesehen auf sehr hohem Niveau, der Parcours heute war schwer, fair gebaut, aber hatte in den Linien ein paar Tücken. Laura hat in den letzten Wochen schon einige gute Runden gedreht und gezeigt, dass sie in Form ist. In zwei Wochen hat sie in Rotterdam ihren ersten Fünfsterne-Nationenpreis.“

Auch die neue und alte Vizemeisterin, Angelique Rüsen aus Marl und ihr Pferd sind ein junges Team in jeglicher Hinsicht. Angelique ist 25, der Württemberger Wallach Carlson ebenfalls erst neunjährig und die beiden kannten sich vor dem Balve Optimum gerade eine Woche: „Ich reite Carlson erst seit einer Woche, hab vielleicht zehnmal drauf gesessen – heute mitgezählt. Am ersten Tag war die Abstimmung noch nicht optimal, heute klappte es deutlich besser.“ Auch Angelique reist bald zu Ihrem ersten Nationenpreis, sie reitet bei Christian Ahlmann, hat also, genau wie Laura Klaphake einen der großen Deutschen Springreiter als Förderer und Trainer an ihrer Seite.

Das war für die Bronzemedaillengewinnerin Holger Hetzel. Vanessa Borgmann und ihr elfjähriger Holsteiner Caspar waren zum ersten Mal bei der Deutschen Meisterschaft in Balve dabei: “Caspar hat in den letzten Wochen schon gezeigt, dass er das auf jeden Fall kann. Aber er ist auf diesem Niveau noch nicht so erfahren. Ich bin hier ohne Druck hingefahren, dachte ich schnuppere mal rein. Für mich war das in Balve die erste Deutsche Meisterschaft bei den Senioren.“ Ihr Ziel ist als nächstes die Rheinische Meisterschaft.

Große Namen konnten die drei erfolgreichen Damen heute hinter sich lassen: Janne Friederike Meier-Zimmermann, Jörne Sprehe, Katrin Eckermann oder mehrfache Deutsche Meisterin Eva Bitter mussten sich heute der nächsten Generation geschlagen geben.

Rüsen, Angelique (GER)
Foto: Stefan Lafrentz