Von Andrea Gödde-Kutrieb

Fotos: Heidi Bücker

Eine Bergwiese mit unzähligen bunten Blüten! Für Viele ist genau das der Inbegriff von Natur. Kein Wunder, denn diese Wiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen überhaupt. Wo viele verschiedene Pflanzen blühen, fühlen sich eben auch viele Insekten wohl.

Im Sauerland findet man solche Lebensräume vor allen Dingen im Raum Winterberg, denn nur ab einer gewissen Höhe, von etwa 600 Metern – stellt sich diese massive Vielfalt von etwa 50 verschiedenen Pflanzenarten ein. Natur pur- im eigentlichen Sinne – sind diese Flächen allerdings nicht ganz, denn sie sind ursprünglich durch landwirtschaftliche Nutzung vor vielen Jahrzenten entstanden und müssen auch weiterhin extensiv bewirtschaftet werden.

Man kann sich denken, dass das heutzutage schwierig geworden ist, denn auch die Landwirte müssen rechnen und sind darauf angewiesen effizient zu arbeiten. Hier ist Hilfe von außen notwendig. Das LIFE-Programm der EU „Winterberger Bergwiesen“, machte es möglich, dass in den Jahren 2011 bis 2016 die Bergwiesen erhalten und wiederhergestellt werden konnten. Durchgeführt von der Biologischen Station des Hochsauerlandkreises wurden Flächen in den Höhenlagen entwaldet, renaturiert und mit der extensiven Bewirtschaftung begonnen. Eine Vertrags-Naturschutzvereinbarung zwischen Landwirten und dem Hochsauerlandkreis folgte.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt hierbei in der späten Mahd. Damit sich die Pflanzen voll entwickeln und genügend Samen bilden können, darf nämlich erst im Hochsommer gemäht werden. Ebenso wird auf jegliche Düngung verzichtet. Um dennoch rentabel arbeiten zu können, erhalten die Landwirte, die sich hier engagieren, für die Ertragsdefizite eine Ausgleichszahlung aus Landesmitteln.

Rudolf Mathweis aus Eslohe bewirtschaftet eines dieser Felder. Er ist Landwirtschaftsmeister und macht hier im späten Juli den ersten Schnitt. Belohnt wird Mathweis mit einem qualtativ hochwertigen Bergwiesenheu für seine Tiere. „Darin sind noch empfindliche Blatt- und Kräuteranteile sowie Klee enthalten“, weiss Mathweis aus Erfahrung. Also leckeres Beifutter für den Winter. Wichtig ist hierbei auch eine gute Trocknung. Dafür gibt es eine althergebrachte Methode, die Rudolf Mathweis ebenfalls beherrscht und hin und wieder anwedet. Wichtig ist ihm, das historischen Wissen in Bezug auf diese Landwirtschaftstechniken erhalten bleibt und weitergegeben wird. Auf Anfrage gibt Rudolf Mathweis sein Wissen gerne auch in Kursen weiter. Zur Trocknung des Heus nutzt er sogenannte Schwedenreuter . Auf diesen aus Holz gefertigten Gestellen, die mit Querlatten oder Draht versehen sind, wird das Heu locker aufgeschichtet und getocknet. Eine andere Alternative sind Dreibockreuter. Auf diesen dreibeinigen Trocknungsgestellen, kann das Heu sogar unbeschadet einen kurzen Regenschauer überstehen.

Den Großteil der Bergwiese mäht der Esloher Landwirt mit dem Balkenmäher. Eine, schon sehr lange eingesetzte, Heuerntemaschine, die das Schnittgut nach dem Scherenschnittprinzip abschneidet. Die steileren Wiesenränder spart er aus, denn die sind für den Balkenmäher zu unwegsam. Hier mäht er abschließend mit der Sense. Ein Gerät, dass den Landwirt auch heute noch voll überzeugt: „Die Sense ist ein sehr altes Ernteinstrument, dass bereits vor Jahrhunderten eingesetzt wurde. Ständig weiterentwickelt und verbessert, ist es auch heute noch gut einzusetzen. Die besten Sensen sind von Hand geschmiedet. Vor allen Dingen in Österreich gibt es noch einige wenige Schmieden, die solche Sensen herstellen“, erklärt Rudolf Mathweis.

Aber hohes Gras mit der Sense schneiden, das klingt sehr anstrengend. „Ganz und gar nicht“, entgegnet der Fachmann. Voraussetzung ist allerdings, dass das Sensenblatt scharf ist. Bevor man also mit dem Schnitt beginnt, muss „gedengelt“ werden. Das heißt, die Schneide des Sensenblattes wird mit kurzen, gezielten Hammerschlägen nach vorne hin ausgedünnt und erhält so die optimale Schärfe. Ein bisschen Erfahrung braucht man dafür schon. Um möglichst leicht zu mähen kommt es nicht nur auf das richtige Dengeln an. Ebenso muss darauf geachtet werden, dass die Sense zur Größe des Benutzers passt. Es gibt mittlerweile Modelle, die verstellbar sind. Sogar für Linkshänder gibt es Sensen. Das Mähen sollte dann leicht von Statten gehen. Mit schwingenden Drehbewegungen, etwa in einem Radius von 180 Grad, führt man die Sense, in leicht gebückter Haltung, durch das Schnittgut. Ab und an wird das Gerät, während des Schnittes gegebenenfalls noch mit dem Wetzstein nachgeschärft. Wie so oft gilt auch hier: „Übung macht den Meister“.

So vorbereitet ist das Sensen „eine tolle Sache, bei der man entspannen kann“, weiss Mathweis. Die Handarbeit erinnert ihn ein bisschen an die Romantik der Heuernte in Kindertagen. Gleichwohl möchte er sich nicht in die Nostalgiker-Ecke gedrängt sehen. „Es ist jetzt nicht so, dass ich meine gesamten Wiesen mit der Sense bearbeite. Auf den Hauptfutterflächen setze ich auch, wie jeder andere Landwirt, moderne Landtechnik ein. Alles ist eine Frage des Einsatzortes!“ An Steilstücken, oder auf einer kleineren Fläche im Privatgarten sei die Sense aber das Arbeitsgerät schlechthin. Darüber hinaus mache sie keinen Krach, so wie der Freischneider und sie schone die Kleintiere, die sich im Gras verbergen, so Mathweis.

Wen jetzt die Lust zum Sensen gepackt hat, kann bei Rudolf Mathweis in einem entsprechenden Kurs das Dengeln, Schärfen und Mähen unter fachmännischer Anleitung erlernen und ausprobieren. Kontakt unter 0160 8267698