„Das sind die Leute, die der Sport braucht“, sagte einst Paul Vollmert, zweiter Vorsitzender des RSC Hochsauerland, über ihn. Er gilt nicht nur als Radfahrer-Urgestein, sondern auch als Sauerländer Radsportler der ersten Stunde, als engagierter und sportbegeisterter Fahrradnarr. Die Rede ist von Volkmar Kretschmar, dem Mann, der 1943 in Warendorf/Görlitz geboren wurde, im August 1946 ins Sauerland kam und nicht mehr ging. Oder sollte man eher sagen: „nicht mehr wegfuhr“? Kaum Laufen gelernt, wollte der Neu-Sauerländer direkt aufs Fahrrad. Während Kretschmar morgens die Schulbank in Reiste drückte, verbrachte er die Nachmittage und Wochenenden auf dem Sattel. Es ging überallhin. Über Stock und Stein, durch Felder und Wiesen, über Berge und Täler. Volkmar Kretschmar entdeckte das Sauerland auf zwei Pedalen, im Sattel und mit dem Blick über den Lenker.

Volkmar Kretschmer in jungen Jahren mit seinem ersten Rennrad

1957, mit jugendlichen 14 Jahren, legte „Kretsche“ über das ganze Jahr stolze 6.000 Kilometer zurück. Drei Jahre später sattelte der radbegeisterte Kretschmar auf das seinerzeit angesagte Rennrad der Marke Vaterland um. Anstoß für den Kauf war Vereinskollege Erwin „Tarzan“ Stockhausen vom Radsportclub „Über Berg und Tal Meggen“, der sich kurz zuvor das Vaterland-Rad zugelegt hatte. „Über Berg und Tal Meggen“ war zur damaligen Zeit der einzige Radsportverein im Sauerland. Die nächsten Radsportclubs warteten erst im Siegerland. Dass besagter Erwin Stockhausen sich inzwischen aber schon wieder ein neues Rad für stolze 1000 Mark bei Tour-de-France-Fahrer Erich Bauk in Dortmund gekauft hatte, ärgerte Kretschmar so sehr, dass dieser sich ein Jahr später auch ein solches Top-Rennrad zulegte. Zweiter zu werden oder einfach nur „mitzufahren“ stand schon damals nicht zur Debatte. Es folgte Platz drei für Kretschmar beim Frühjahrsrennen im Zeitfahren auf der 20-Kilometer-Strecke Siegen-Wilhelmshöhe-Siegen. 1965 kam es dann zu einem der größten Erfolge in Volkmar Kretschmars Laufbahn. Beim renommierten Frankfurter Straßenpreis, mit seiner 171 Kilometer langen Strecke entlang dem Henninger Turm, belegte der Reister Rennradfahrer nach einem furiosen Endspurt Platz drei – der erste große Erfolg für die frischgegründete Radsportabteilung des DJK Attendorn. Nicht nur prasselten Lob, Anerkennung und Preise auf den Sauerländer Kretschmar ein, auch wurden die folgenden NRW-Meisterschaften in Attendorn ausgetragen. Ein Meilenstein der Vereinsgeschichte, der noch lange nachwirkte. Zeitzeugen berichten von einem Aufschwung der Begeisterung aller Attendorner Rennradfahrer.

Volkmar Kretschmer: Urgestein des Radsports im Sauerland. An der Wand sind die Erinnerungen der vielen Reisen und Erfolge festgehalten.

Trotzdem Kretschmar in dieser Zeit als Maurer bei den Firmen Falke und Brunert arbeitete, hatte er immer diesen einen Traum: Volkmar Kretschmar wollte Sporterzieher werden. Die Maurerkelle legte er darum beiseite, er schulte im Martinswerk in Dorlar zum Erzieher um und erhielt ab 1989/90 eine Vollzeitstelle als Sport- und Freizeitpädagoge. „Darin bin ich aufgegangen“ – der Radsportfan bereute seine Entscheidung nie. Zehn Jahre lang war er dort tätig, feierte fantastische Erfolge mit den Kindern und Jugendlichen und steckte Mitmenschen, Kollegen und Freunde mit seiner Begeisterung für das Zweirad an. Noch heute hört Volkmar Kretschmar beinahe täglich: „Na, Kretschmar, bist du mit dem Fahrrad da?“ Wenn das Amen in die Kirche gehört, dann gehört Volkmar Kretschmar auf das Fahrrad. Und das auch im hohen Alter. Bei der Eröffnung des SauerlandRadrings 2007 startete Kretschmar um Punkt acht Uhr und legte binnen zwölf Stunden sage und schreibe 285,5 Kilometer zurück – mit 64 Jahren. Inzwischen ist Kretschmar Radtourenwart und Sportwart des RSC Hochsauerland. Die Leidenschaft ist ungebrochen. Volkmar Kretschmar fährt und fährt und fährt.

Als der SauerlandRadring vor 10 Jahren eröffnet wurde startete Volkmar Kretschmer morgens um Acht und legte binnen zwölf Stunden sage und schreibe 285,5 Kilometer zurück – mit 64 Jahren.