Bericht von iny Brouwers im WOLL-Magazin Schmallenberg/Eslohe – Winter 2016

Die Niederländerin Jessica Gerritsen und ihr deutscher Mann Ralf Blümer hatten ein spannendes Jahr: Sie haben in der niederländischen Gemeinde Bronckhorst geheiratet. Die Familie hat Zuwachs bekommen: die Zwillinge Matti (Junge) und Malu (Mädchen). Und die beiden Geschäftsführer des Bergdorfs Liebesgrün sind zufrieden, dass sich das sich das Feriendorf mit den Berghütten bei Schmallenberg so positiv entwickelt. Dabei haben Jessica und Ralf während ihrer Arbeit in den letzten Jahren ihren eigenen Rhythmus gefunden. Sie waren sehr präsent in der Handweiser Hütte, dem Restaurant vom Bergdorf Liebesgrün. Weil beide ihre Familien nicht unmittelbar vor Ort haben, ist jetzt immer einer bei den Kindern. Das heißt, einer hat Kinderdienst und einer hat Geschäftsdienst, sozusagen.

Bergdorf Liebesgrün in Schmallenberg
Bergdorf Liebesgrün in Schmallenberg

Ganz strukturiert

Jessica: „Weil wir beide die Geschäftsführer sind, können wir Kinder und Arbeit gut kombinieren und organisieren. Wir machen wirklich einen Dienstplan und da steht drin: Samstagmorgen: Ralf Babydienst, Samstagmittag: Jessica Babydienst, und so weiter. Einer ist immer auf der Arbeit und der andere ist dann verantwortlich für die Kinder.“ Auf die Frage, ob die beiden immer schon so strukturiert waren, antwortet Jessica: „Ja, Ralf war es auch vorher – und ich bin es, glaube ich, geworden, er hat mich das gelehrt. Ich war immer etwas chaotischer unterwegs und habe alles auf den letzten Drücker gemacht. Aber Ralf hat mich ein bisschen umorganisiert und umstrukturiert; ich habe viel von ihm gelernt.“ Ralf ist angetan: „Ich habe von ihr gelernt, manche Dinge nicht so eng zu sehen. Es gibt Sachen, bei denen ich heute auch ein bisschen gelassener bin. Das habe ich, um das Lob zurückzugeben, von Jessica.“

Jessica und Ralf erinnern sich, wie die Zwillinge aus dem Krankenhaus nach Hause kamen. „Wir waren dann zum ersten Mal mit diesen kleinen Geschöpfen allein zu Hause. Das waren solche Momente, wo man in sich geht. Das war besonders. Man war ein Stück weit vorbereitet, aber wir mussten auch eine Menge lernen in den ersten Wochen. Wir hatten vorher nie ein Baby festgehalten. Das war die Hürde, vor der wir am meisten Angst hatten. Sie beginnen zu krabbeln, bewegen sich durch die Gegend. Wir müssen schon das Kindergitter aufbauen. Die Zwillinge machen uns mehr und mehr Spaß.“

Handweiser Hütte umgebaut

Auch im Bergdorf Liebesgrün ist die letzte Zeit viel passiert. Das Bergdorf wird im Dezember 2016 fünf Jahre alt. Im Herbst und Winter 2015/16 wurde das Restaurant, die Handweiser Hütte, umgebaut. Ein lang gehegter Wunsch von Jessica und Ralf. Ralf: „Die Gäste sind ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Es war uns wichtig, dass der Charakter auch nach dem Umbau erhalten bleibt. Die Hütte war sehr düster und dunkel. Wir haben eine ganze Wand herausgeholt, so dass viel mehr Licht hereinkommt. Auch die Materialien haben wir ein bisschen ehrlicher, auch regionaler umgesetzt, mit mehr Holz zum Beispiel. Es gibt viele Details, die Martin Schürmann von der Firma Raumzenit aus Schmallenberg hier eingebracht hat.“

Jessica und Ralf erinnern sich noch gut daran, wie vor fünf Jahren das Bergdorf Liebesgrün gebaut wurde. „Wir hatten damals immer ein gutes Gefühl, dass es gelingen wird. Das hat sich durchaus bestätigt nach diesen fünf Jahren. Wir haben mittlerweile viele Gäste, die wiederkommen, haben generell eine gute Auslastung, fast wetterunabhängig, was sehr beruhigend ist. Liebesgrün ist nicht gedacht als Freizeitpark, es gibt hier direkt relativ wenig Angebot. Dafür hält die Region ein großes Angebot für verschiedene Zielgruppen parat. Wir selber umsorgen die Gäste wie in einer Familie. Sie bekommen ihr Frühstück und die Betten gemacht und es wird schon viel Serviceaufwand betrieben. Wir kochen abends Menüs, als würde man – ich nenne es mal so – gute Freunde einladen. Das tut anscheinend gut“, sagt Ralf.

Ob es im Liebesgrün bei den heutigen zehn Berghütten bleibt, darüber sind sich Jessica und Ralf einig: „Im Gegensatz zu der Situation vor Eröffnung der Berghütten kennen wir die Nachfragesituation und die Zielgruppe viel besser. Darum möchten wir mittelfristig gerne weitere Berghütten hinzubauen. Das wird sehr behutsam gemacht, sehr, sehr vorsichtig, so dass das Bestehende auch seine Qualität behält. Die Hütten, die jetzt in Planung sind, richten sich dann eher an zwei oder drei Personen. Im nächsten Schritt werden die Hütten etwas kleiner, aber sie bekommen mehr Akzente im Bereich Komfort und Wellness“, so Jessica Gerritsen. Ralf Blümer stimmt zu.

Überrascht waren die beiden, als sie in diesem Jahr mit dem HSK-Wirtschaftspreis geehrt wurden. Landrat Dr. Karl Schneider würdigte in seiner Laudatio die Verdienste von Jessica und Ralf: „Sie stehen für den innovativen Schwung junger und mutiger Unternehmer, die mit frischen Unternehmerkonzepten und Kreativleistungen nachhaltig eine ganze Branche im Hochsauerlandkreis bereichern, zukunftsgerichtet beeinflussen und weiterentwickeln. Gerade heute ist die Dynamik junger Unternehmen wichtiger denn je.“