Schule und Nachhilfe – besser digital?

Im Anschluss an die Schulzeit stellt sich für jeden Absolventen die Frage: Was jetzt? Beim Übergang von der Schule ins Berufs- oder Studentenleben spielen neben der Kenntnis der Optionen und Fördermöglichkeiten vor allem die erreichten Zensuren eine wichtige Rolle. Fleiß allein reicht manchmal nicht aus, um gute Noten zu bekommen – und ähnlich wie mancher Schüler braucht auch das deutsche Bildungssystem dringend Nachhilfe.

Nachhilfe von einem Popstar

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung erhält etwa jeder siebte deutsche Schüler Nachhilfeunterricht. 61 % der Nachhilfeschüler nehmen Unterstützung beim Mathelernen in Anspruch, wobei bisher lediglich 4 % dafür auf digitale Angebote zurückgreifen. Ein Umstand, der ob der Popularität des Internets bei der jungen Generation sehr verwundert.

Auf der anderen Seite des Erdballs, in Südkorea, ist Nachhilfe hingegen längst im digitalen Zeitalter angekommen und zu einem Milliardenmarkt geworden. Dort stehen Schüler unter einem wesentlich höheren Leistungsdruck, gute Noten entscheiden über das soziale Ansehen und die Zukunftschancen. Auch deshalb bekommen etwa zwei Drittel der koreanischen Schüler Nachhilfeunterricht – und zwar in Online-Kursen. Videoplattformen für Nachhilfe lösen in dem asiatischen Land nach und nach traditionelle Angebote ab, denn sie sind wesentlich preiswerter. Die Nachhilfelehrer verdienen mit ihren Videokursen teils Millionen und sind echte Stars.

Die Zukunft ist digital

So etwas erscheint hierzulande schon fast skurril, allerdings belegt Südkorea im PISA-Vergleich stets einen Spitzenplatz. Das Internet verstärkt für Schüler als Lernplattform nutzbar zu machen, ist auch ein Ziel des „DigitalPakt#D“. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka lancierte Bildungsoffensive, die Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur der Schulen vorsieht. Breitbandanbindungen und WLAN an allen Schulen, Laptops bzw. Tablets für jeden Schüler sowie entsprechende Fortbildungsmaßnahmen für die Lehrer stehen dabei auf dem Programm. Ein Schritt, der längst überfällig ist: Die Qualität der technischen Ausstattung deutscher Schulen ist im weltweiten Vergleich bestenfalls mittelmäßig – ein Armutszeugnis für das deutsche Bildungssystem, besonders wenn man sich anschaut, welchen Stellenwert die mittlerweile nicht mehr ganz so „neuen Medien“ in Gesellschaft und Wirtschaft mittlerweile einnehmen. Umso unverständlicher ist es da, dass der Digitalpakt bei Institutionen wie dem Lehrerverband auf Widerstand stößt. Denn nur, wenn die Schüler innerhalb der Schule das Arbeiten mit digitalen Technologien trainieren, werden sie fürs Leben danach gut vorbereitet – und schließlich ist das der Sinn von Schule.


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