Abgefüllt am 9. November 1989, dem Tag des DDR-Mauerfalls – diese Steinie-Flasche dokumentiert einen bedeutenden Meilenstein deutscher Geschichte! Jetzt kehrte die noch original verschlossene Mehrwegflasche nach Grevenstein zurück. „Das ist eine wirkliche Rarität, die wir für unser zeitgeschichtliches Archiv ergattert haben“, sagt Veltins-Marketingdirektor Herbert Sollich.

Mitarbeiter verfolgten Nachrichten in der Spätschicht am Radio

Tatsächlich ist für viele ältere Veltins-Mitarbeiter jener 9. November 1989 unvergessen. Mauerteile wurden eingerissen, Menschen fielen sich in die Arme – wenige Monate später war die DDR Geschichte. Die Grevensteiner saßen abends gebannt vor den Fernsehgeräten, Mitarbeiter in der Abfüllung hörten in der zu Ende gehenden Spät- und nachfolgenden Nachtschicht die immer neuen Meldungen am Radio. „Dass man während der Abfüllung eine der Halbliter-Steinie-Flaschen mit dem Jahrhundert-Datum als historische Erinnerung besser zurückbehalten hätte, daran dachte angesichts der sich überschlagenden Nachrichten damals natürlich keiner“, so Veltins-Marketingdirektor Herbert Sollich. Anders reagierte offenbar ein Veltins-Markenfreund, der die Flasche bis heute aufbewahrte und dank der Online-Plattform Ebay wieder zugänglich machte. „Für ein paar Euro gelangte die Flasche so wieder zurück an ihren Ursprungsort“, erzählt Herbert Sollich. „Und tatsächlich erreichte das Exemplar die Brauerei im polierten und unversehrten Zustand, dazu noch mit Original-Abfüllung – für uns eine blaue Mauritius!“ Anders als heute waren Flaschen damals noch mit Abfülldatum gekennzeichnet, das heute dominante Mindesthaltbarkeitsdatum war am unteren Etikettenrand eingesägt.

Mitarbeiterzahl wuchs nach der Wiedervereinigung von 257 auf 635

Tatsächlich bedeutete die Grenzöffnung und die im Jahr darauf folgende Wiedervereinigung auch für die Brauerei C. & A. Veltins eine wichtige Weichenstellung in der unternehmerischen Entwicklung. Der Ausstoß sollte von nun an kontinuierlich wachsen – von 1,81 Mio. hl in 1989 auf 2,78 im zurückliegenden Geschäftsjahr 2015. Und auch als Arbeitgeber konnte sich die Privatbrauerei in dieser Zeit einen guten Namen machen: Von damals 257 Mitarbeitern wuchs die Belegschaft auf 635 Beschäftigte an. Dank Wiedervereinigung konnten die neuen Bundesländer erhebliches Absatzpotenzial beisteuern – und das sowohl im Handel als auch in der Gastronomie.