Ein Erlebnis mit dem Kirchen-Latein

Josef Hormes war langjähriger Küster im Sauerländer Dom

Die Alteingesessenen können sich noch gut an ihn erinnern: Josef Hormes von der Kampstraße 4 war in Attendorn als langjähriger Küster der Pfarrkirche St. Johannes Baptist, auch Sauerländer Dom genannt, bekannt und geschätzt. Seinen kirchlichen Dienst versah er vom 1. August 1945 bis zum 31. Dezember 1981. In dieser Zeit hat er einiges erlebt. Später hat er das eine oder andere auch zu Papier gebracht. Denn Hormes Jupp, so nannten ihn die Hansestädter, war ein „Meister der Schreibmaschine“. Und so steht der Nachwelt eine Anzahl von Schrift-stücken zur Verfügung, die der mittlerweile verstorbene ehemalige Kirchenküster besonders in den Jahren von 2000 bis 2005 aufsetzte. Einer seiner Beweggründe, warum er in dieser Zeit so viel zu Papier brachte, war, dass er geistig fit bleiben wollte. Das gelang ihm schließlich auch.

So überschrieb er die Geschichte „Meine Kriegsjahre und meine Gefangenschaft“ mit dem Hinweis, dass er sein Erinnerungs-vermögen und seine Schreib-maschine in Bewegung halten möchte und setzte dann sechs Seiten über das Erlebte auf. Das war im Dezember 2003, da war Josef Hormes bereits im betagten Alter. Und nach seinem umfassenden Bericht kam noch der Hinweis: „Bei der Beurteilung dieser Zeilen seid mir ob meines Alters (87) mit der Grammatik, dem Stil und den Tippfehlern etwas gnädig.“ Seine gesamten Aufzeichnungen hat er dem Verein für Orts- und Heimatkunde Attendorn zu Lebzeiten bereits übergeben. Sicherlich ein „kleiner Schatz“, denn es geht um Attendorn ab den 1920er-Jahren. Eine Geschichte hat das Woll-Magazin herausgegriffen, denn sie jährt sich in Kürze zum 70sten Mal. Josef Hormes versah diese mit der Überschrift „Erlebnis mit dem Kirchen-Latein im Jahre 1946“ und „tippte“ die Geschichte im Juli des Jahres 2000 auf seiner Schreibmaschine.

„Celebret“

„Am 15. August 1946, dem Feste Mariä Aufnahme in den Himmel, kam morgens während meiner Dienstzeit als Küster der Pfarrkirche ein belgischer Offizier der damaligen Besatzungsmacht in die Sakristei. Eine Verständigung zwischen uns war wegen der Sprachschwierigkeiten nicht möglich. Schließlich entdeckte ich an seiner Uniform ein kleines Kreuzchen. So kam ich seinem Anliegen wohl etwas näher. „Celebret“ (Ausweis des Priesters) war mein erstes Wort an ihn. Nun ging es weiter von mir: „Celebrieren ?“ Jetzt folgte von ihm nur ein Kopfnicken.

Ich legte ihm die Paramente bereit und half ihm beim Ankleiden. Mit dem „Adju torium nostrum in nomine Domini“ und meiner Antwort: „Qui fecit caelum et terram“ gingen wir zum Altar. Nun begann mit dem Staffelgebet die heilige Messe in lateinischer Sprache. Wir verstanden uns jetzt tadellos. Nach dem Schlussevangelium – wie es damals noch üblich war – kam mein „Deo gratias“. Nach dem Gang in die Sakristei war wieder totale Stille. Mit einem „gratias“ verabschiedete sich der belgische Militärpfarrer von mir. Das war für mich ein unvergessliches Erlebnis mit dem Kirchen-Latein.“
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