Schnattergänse schnattern seit 40 Jahren

Der Kegelklub schiebt immer noch eine flotte Kugel

WOLL Sauerland Schnattergänse schnattern seit 40 Jahren
Die Schnattergänse haben immer viel zu erzählen, aber auch eine flotte Kugel wird geschoben. Unser Bild zeigt den Kegelclub im Jubliläumsjahr 2015.

Schnattergänse: So heißt der Kegelclub, der im September 2015 sein 40-jähriges Bestehen feiern konnte. Er besteht aus acht Kegelschwestern, die sich alle 14 Tage für drei Stunden zum Kegeln in Heggen treffen. „Drei Stunden müssen es schon sein, sonst sind wir mit dem Reden nicht fertig“, erzählen die fidelen Kegeldamen dem WOLL-Magazin. Die Kegelschwestern kommen übrigens aus Attendorn, Ennest, Heggen und Elspe.

Der Ursprung der Kegelgemeinschaft stammt von September 1975. Gerade volljährig geworden, hatten sie sich dazu entschlossen. Alle waren entweder Arbeitskolleginnen, verwandtschaftlich verbunden oder kannten sich von der Schule, als vor 40 Jahren alles begann und der Kegelclub gegründet  wurde. Von der ersten Stunde an dabei sind Christiane Schweitzer, die von Anfang an nicht nur Kegelmutter, sondern auch Kassiererin und Schriftführerin ist, und Ulrike Weber. Ein Jahr später kamen Beatrix Groß und Monika Werthenbach hinzu. Im Laufe der Jahre gab es auch mal eine „Durststrecke“ und der Kegelclub war auf vier Keglerinnen dezimiert. Dann haben die Schnattergänse überlegt, ob sie die Männer dazu nehmen, aber das hat nicht geklappt. Später kamen noch Cornelia Riekes (1979), Türkan Kozinoglu (1984), Sigrid Hoberg (1988) und im August 2002 „Nesthäkchen“ Birgit Zacker hinzu.

Die Schnattergänse kegeln alle 14 Tage, haben im Laufe der 40 Jahre mehrmals die Kegelbahn gewechselt und sind nun wieder in Heggen angekommen. Aber beim Kegeln blieb es nicht. So organisiert man jedes Jahr das Gänseessen im November, die Mutter-tagswanderung oder aber die Familienwanderung mit Kindern und Schwiegerkindern. Auch das Weihnachtskegeln mit Wichteln und Schrottwichteln gehört dazu. Beim Schrottwichteln bringen die Kegelschwestern in Zeitungspapier eingepackte alte Sachen, sie sagen Plunder, mit, der dann die Besitzerin wechselt. Auch das Ostereierkegeln ist bei den sportlichen Frauen sehr beliebt. Wer beim jeweiligen Kegelspiel gewinnt, bekommt ein gefärbtes Osterei und ein Schnäpschen. Des Weiteren gehört das Pokalkegeln zum Jahresablauf. Sigrid Hoberg, die Beste, konnte die begehrte Trophäe bereits vier Mal gewinnen, einmal ging diese an Beatrix Groß und einmal an Cornelia Riekes.

Drittes Wochenende im September jährlich verplant

Die jährliche Kegeltour ist seit 1977 fester Bestandteil im Jahreskalender. Dafür hat man sich das dritte Wochenende im September ausgesucht. Wenn eine Kegelschwester schwanger war, musste sie zu Hause bleiben. Das war so. Da gab es kein Pardon. Die erste Tour ging in die Weinstadt Rüdesheim am Rhein. Alle fünf Jahre wird eine Flugreise gestartet. So erzählen die Schnattergänse, dass sie schon in der Türkei waren und der Ritt auf einem Esel noch heute bei ihnen lebhaft in Erinnerung ist. Bei der türkischen Massage Hamam ließen sie ihre Seele baumeln und entspannten so richtig. Tunesien gehörte auch zu den Ausflugszielen. Hier unternahm man eine Wüstentour mit Kamelen. Die Jubiläumstour ging für die Kegelschwestern in diesem Jahr zur griechischen Insel Kos.
Vor 27 Jahren beschlossen die Schnattergänse, sich sozial zu engagieren. Sie traten dem Verein „Rette ein Kinderleben“ bei, der seinen Sitz in Limburg an der Lahn hat. Dessen Gründer Margot und Theo Menzner aus Limburg begannen 1983 damit, Slumkindern in Nordostbrasilien zu helfen. Viele Hundert Menschen haben durch die Übernahme von Patenschaften und Spenden schon mehr als 10.000 Kinder aus größter Not gerettet und vielen Kindern das Überleben gesichert; so kann man es auf der Homepage des humanitären Vereins nachlesen.

Monatlich wird ein Obolus für ein Patenkind entrichtet und diesem zur Verfügung gestellt. Mittlerweile wird bereits das dritte Patenkind unterstützt. Das erste war Alexandro, der jetzt erwachsen ist. Er ist verheiratet und hat eine dreijährige Tochter. Allerdings arbeitet er nicht, da er gesundheitliche Probleme hat; er leidet unter Epilepsie. Die Schnattergänse haben die Spende für ihren ersten Schützlings nicht ganz eingestellt und unterstützen ihn zu Weihnachten und zu Ostern jeweils mit einem kleinen Betrag.
Heute erfährt der Patensohn Emanuel die monatliche Unterstützung der Kegelschwestern. Emanuel ist mit seiner Mutter im Heim. Aus Briefen erfährt die Kegelgemeinschaft, was mit dem gespendeten Geld angeschafft wurde und wie es dem Patenkind geht. Der Brief wird ins Deutsche übersetzt und gelangt im Original und in der Übersetzung zu den Schnattergänsen.

In Gedichtform fasst Kegelmutter Christiane Schweitzer den jährlichen Ablauf zusammen. Nach vier Jahrzehnten besteht dieses Gedicht aus mittlerweile 130 Strophen. Zum Schluss sei noch erwähnt, dass die lustigen Keglerinnen das Schnattergänselied ihr Eigen nennen und mit Freude singen.

Hier eine Strophe als Kostprobe: „Sind wir wieder einmal voll, trotzdem kegeln wir ganz toll, Schnattergänse, das sind wir, trinken gern Wein, trinken gern Bier.“

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