Biggesee neu entdecken

Niedrigwasser bietet auch Chancen für Tourismus

WOLL Sauerland Biggedamm
So gut gefüllt wird sich die Biggetalsperre in den nächsten Wochen nicht mehr präsentieren.

Die Sanierung des Biggedamms soll rund acht Millionen Euro kosten und wird gravierende Auswirkungen auf die Campingplätze, Strandbäder, Tourismusbetriebe und Wassersportvereine am See haben. Denn für die Arbeiten am 52 Meter hohen Hauptdamm – parallel dazu wird auch die Dichtung des Damms am Vorbecken Kessenhammer erneuert – muss der Wasserspiegel der fünftgrößten deutschen Talsperre ab dem Frühjahr um viele Meter abgelassen werden und soll am Ende 15 Meter unter Vollstau liegen.

So einen niedrigen Wasserstand hat es zuletzt im Herbst 2003 gegeben, nach einem extrem trockenen Frühjahr und Sommer. Damals legte das Niedrigwasser einige versunkene Schätze – Brücken, Straßen usw. – wieder frei. „Viele Touristen nutzten die Gelegenheit, diesen einzigartigen Anblick der Biggetalsperre zu bestaunen“, erinnert sich Nicole Schmelzer von der Personenschifffahrt Biggesee und hofft in diesem Jahr auf einen ähnlichen Effekt.

Trotz der Bauarbeiten am Biggedamm soll der Betrieb des Ausfluglokals „Leuchtturm“ weitergehen. Das Restaurant auf der Dammkrone wird dann wohl nicht mehr direkt von der bei den Touristen so beliebten Kleinbahn „Biggolino“ angefahren werden können. Der „Biggolino“ soll auf einem Wendeplatz in Höhe des Überlaufs halten. Von dort geht es für die Gäste über einen neuen Fußweg zum „Leuchtturm“, der seine Terrasse verlagert.

Für die Ausflugsschiffe wird gegenüber, in der Waldenburger Bucht, eine provisorische Anlegestelle eingerichtet. Auch die Anlegestelle Stade in Richtung Olpe kann wohl bei Niedrigwasser nicht mehr angesteuert werden.

Die Segelclubs am Biggesee sehen die Absenkung des Wasserspiegels sportlich-gelassen. Zwar schließt Lud-ger Schneider vom Yacht- und Ruderclub Attendorn (YRCA) nicht aus, dass „der eine oder andere Segler sein Boot im Sommer am Ijssel-meer oder an der Ostsee festmacht“. Technische Probleme für seinen Verein sieht der 1. Vorsitzende aber nicht. Die Slipanlage, mit der die Boote ins Wasser und wieder heraus gebracht werden, reiche für das angekündigte Niedrigwasser aus.
Und im Gegensatz zum Jahr 2003 wisse man frühzeitig, was auf einen zukomme. Bei einem Treffen der Club-Vorsitzenden vom Biggesee im YRCA-Vereinsheim, so Ludger Schneider, wurden die Verantwortlichen vom Ruhrverband umfassend informiert.

Angi Mathea, Pressewartin des Yacht-Clubs Lister (YCL), hofft für sich persönlich, „den See neu entdecken zu können“ und „Sachen zu sehen, die man bei 15 Meter mehr Wasser nicht zu sehen bekommt“. Zudem könnten die YCL-Sportler endlich unter der Eisenbahnbrücke hindurchsegeln.

Was für den Yacht-Club Lister gilt, betrifft auch alle Segelclubs am Biggesee: Alle Regatten werden nach Möglichkeit auf den Anfang der Saison im Mai/Juni gelegt. Die Boote sollen so früh wie möglich ins Wasser gelassen und so spät wie möglich wieder aus dem Wasser geholt werden.

„Mast- und Schotbruch, und immer eine Handvoll Wasser unter dem Kiel“, wünscht Ludger Schneider vom YRCA allen Seglern für das Jahr 2015. Und das sollte auch beim um 15 Meter niedrigeren Wasserspiegel drin sein. Wenn alles klappt, soll der Wiedereinstau im Herbst beginnen.

Text und Foto: Martin Droste

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