Alle Neune für Oberveischede

"Wir für uns": Ein Volltreffer für ein familiäres Dorf

WOLL Sauerland Kegelklub
Toni Remberg und Meinolf Kühr

Als Kegelklub beweisen sie schon seit Jahren Teamgeist, erleben vieles in Gemeinsamkeit und unterstützen sich auch im Alltag. Ausgerechnet als es „den letzten Fürsten“ aus Oberveischede bei einer Kegeltour besonders gut ging, dachten sie an die Zukunft im demografischen Wandel und entwickelten eine Idee mit hohem sozialem Anspruch. Die gelebte Freundschaft wollten die Kegler im Dorfleben umsetzen.

„Wir für uns“ war damit 2012 geboren – ein Verein, der den Zusammenhalt der Oberveischeder nochmals fördern sollte. Menschen, die Hilfe benötigen, und Menschen, die helfen können, sollten zusammengeführt werden. „Die Organisation war unsere Hauptaufgabe“, blickt Meinolf Kühr, einer der Gründer und heutiger Vorsitzender, auf die Anfänge zurück.
Bundesweit fanden die Oberveischeder Beispiele von „Wir für uns“. Der Initiative in Winterberg statteten sie einen Besuch ab und informierten sich im Detail. Die Struktur war damit schnell geklärt. Generations-, konfessions- und parteiübergreifend ging die Nachbar-schaftshilfe an den Start. Bereits im Gründungsjahr konnte sie auf 30 Mitglieder verweisen, drei Jahre später beteiligen sich 70 Oberveischeder. „Wir für uns“ ist als gemeinnütziger Verein ein Bestandteil des Dorflebens. „Vielleicht haben wir auch einen kleinen Beitrag dazu geleistet, dass Oberveischede Golddorf geworden ist“, ist sich Toni Remberg als Geschäftsführer des Vereins eigentlich sicher.

Oberveischede war einmal ein 400-Seelen-Dorf. Heute wohnen hier etwa 850 Einwohner, viele neue Bürger leben in den Neubaugebieten. „Früher kannten sich alle untereinander, heute gibt es viele neue Gesichter“, sieht Remberg für „Wir für uns“ Handlungsbedarf: „Alt hilft Jung, Jung hilft Alt.“ Nach den anfänglichen Bedenken funktioniert es. Die Aufgaben sind vielseitig: Hilfe beim Arztbesuch, Fahrdienste, Einkäufe oder auch Kinderbetreuung. „Manchmal versuchen wir einfach, eine normale Familie zu ersetzen oder zu ergänzen, was früher in Mehrgenerationenfamilien üblich war“, so Meinolf Kühr. Dabei versteht sich der Vereinsvorstand als zentrale Anlaufstelle.

Meinolf Kühr (60) und Toni Remberg (65) bilden mit Kassierer Siegbert Sangermann (59) den Vorstand, um den sich ein harter Kern gesammelt hat. Helfende Hände zu finden bleibt weiter ein hohes Anliegen. Junge Leute könnten älteren Menschen bei der Einrichtung von Handy oder Computer helfen. Pflegende Angehörige brauchen vielleicht mal Unterstützung, um ein paar Stunden den eigenen Akku aufladen zu können.

Abwechslungen wie der Auftritt der Theatergruppe Helden oder gemeinsame Veranstaltungen wie Wanderungen durch die schöne Umgebung des Sauerlands und das Kartoffelbraten-Fest sollen die Gemeinschaft fördern und Vertrauen untereinander schaffen. Auch die Abholdienste zu Kulturveranstaltungen kommen gut an. Hier blickt der Verein vor allem auf die ältere Generation.

„Doch oft haben wir ein ganz anderes Problem. Leute überwinden nur schwer die Schwelle, Hilfe anzufordern. Sie trauen sich nicht, jemanden zu fragen“, sagt Meinolf Kühr. Daher wurde das Punktesystem integriert. Wer Hilfe anbietet, bekommt Punkte. Diese kann man wieder einsetzen, wenn man selbst Hilfe benötigt. „Das nimmt die Sorge, ein Bittsteller zu sein“, so Kühr weiter. Punkte können auch gegen eine kleine Gebühr gekauft werden, wenn einem Interessenten nicht die Möglichkeit gegeben ist, selbst Engagement einzubringen. Und Punkte können auf Familien-mitglieder übertragen werden.

„Unser Ort ist so gut strukturiert, dass unser Verein derzeit fast nicht nötig wäre. Aber was wird in zehn Jahren sein, wenn wir nicht heute schon die Basis schaffen für eine gute Nachbar-schaftshilfe“, betont Meinolf Kühr. Für „Wir für uns“ steht die gute Vertrauensbasis an erster Stelle. Darum gehen auch Geschichten aus Hilfeleistungen nicht an die Öffentlichkeit.

Wer Mitglied im Verein werden möchte, muss 1 Euro pro Monat bezahlen, Paare zusammen sogar nur 1,50 Euro und eine vierköpfige Familie 24 Euro im Jahr.
Kosten hat der Verein eigentlich kaum. In der Abrechnung 2014 standen 360 Euro zu Buche, die sich aus der Gebühr einer Halfpflichtversicherung, der Einladung zur Mitgliederversammlung und Postgebühren zusammensetzten.

Telefondienst: Di. 9 bis 12 Uhr und Do. 14 bis 17 Uhr
Regina Bäcker, Tel. 02722/8438, Andrea Wrede,Tel. 02722/633581

Text und Foto: Ronald Pfaff

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