Von Werner Rabe

In einer Ausstellung an der Bauhaus-Universität in Weimar ist der „Happle-Balken“ ein Kunstobjekt, aus dem modernen Skispringen ist die Erfindung des früheren Weltklasse-Springers und Schanzenbauers Wolfgang Happle (75) nicht mehr weg zu denken.  Vor über 30 Jahren machte den Sauerländer aus Meinerzhagen die Not erfinderisch, als die Mattenschanzen aufkamen, auf denen die Skispringer nicht mehr seitwärts einfahren konnten, weil es anders als bei den normalen Sprungschanzen keine Eisspur gab.
Des Rätsels Lösung war ein Querbalken über den Anlauf, der schon bald auch auf allen Sprungschanzen die herkömmlichen Luken ablöste und von dem sich die „Könige der Lüfte“ auch abstossen und in die Spur stürzen können.
Im modernen Zeitalter des Trendsports mit Gate-Regel, Wind-Faktor und Bonuspunkten kann mit dem  „Happle-Balken“ auch der Anlauf während eines Wertungsdurchganges jederzeit nach oben oder unten verändert werden, ohne dass der Durchgang neu gestartet werden muss. Nicht nur zum Wohl der TV-Anstalten, die so ihre Sendezeiten besser kalkulieren und einhalten können.

Als Richard Freitag dieser Tage als letzter Springer in der Qualifikation zum Auftaktspringen der 66. Vierschanzentournee in Oberstdorf bei starkem Wind auf seinen Sprung warten musste und die von manchen Springern auch „Zitterbalken“ genannte Holzkonstruktion mehrfach verändert wurde, musste der Wahl-Allgäuer aus Sachsen Nerven bewahren. Happle verfolgte diese Szene und  das Skispringen generell nur noch am Bildschirm zuhause an der Bergstrasse. 2012 hat der verdiente Funktionär des Internationalen Skiverbandes sein Amt als Vorsitzender des Subkomitees Sprungschanzen  aufgegeben.
Er hat Spuren hinterlassen in dem Sport. Als Teilnehmer an der Vierschanzentournee,  Nordischen Skiweltmeisterschaften und den auch damals schon spektakulären Skifliegen , als Trainer in der Nordischen Kombination und im Spezialsprunglauf und als Schanzenbauer. „An weit über 100 Projekten in aller Herren Länder habe ich mitgearbeitet und den Radius entworfen. Zuletzt bei den Olympiaschanzen von Sotschi und Pyeongchang“, sagt er nicht ohne Stolz. Und natürlich bei allengroßen und kleinen  deutschen Anlagen von Willingen und Klingenthal über Titisee-Neustadt, Oberstdorf, Ruhpolding  und Garmisch-Partenkirchen.

An Willingen hat Happle „viele besondere Erinnerungen“. Er ist selbst auf der damals noch „großen Mühlenkopfschanze“ gesprungen, hat an fast allen Umbauten aktiv mitgewirkt und war 1995 bei der Weltcup-Premiere mit dem Sieg von Andreas Goldberger als Rennleiter im Einsatz.  Er kann sich auch noch an den Fall Frank Lange erinnern. Der Elfjährige Knirps musste beim Europacup 1979 von ganz oben starten, weil er es noch nicht schaffte, aus einer Luke in die Spur einzufahren.  Jahre später mit dem Happle-Balken hätte er Schwalefelder seinen tollen 12. Platz behaupten, vielleicht sogar verbessern können….

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