Der Mercedes unter den Weihnachtsbäumen

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Foto: Heidi Bücker
Foto: Heidi Bücker

Die Nobilistanne als Liebhaberbaum im Sauerland

Die Nobilistanne, auch Edel- oder Silbertanne genannt, ist in den westlichen Gebirgen Nordamerikas beheimatet und kann bis zu 80 Meter hoch und 800 Jahre alt werden. Das Holz des Baumes zählt zu den hochwertigsten aller nordamerikanischen Tannenarten. Bei uns im Sauerland ist die Nobilis wegen ihrer Haltbarkeit und Nadelfestigkeit als Weihnachtsbaum und Schnittgrün beliebt. Außerdem versprüht sie einen angenehmen Duft.

Foto: Heidi Bücker
Foto: Heidi Bücker

Waldbauer Gerhard Voss aus Westfeld ist begeisterter Befürworter dieser Edeltanne und hat sie bereits vor 35 Jahren im Sauerland angepflanzt. Anfangs wuchsen die Tannen nur sehr schwach und Gerhard Voss erinnert sich noch gut an die Bemerkung eines damaligen Berufskollegen, der meinte: „Wie kannst du dir als Waldbauer nur so einen Mist ins Sauerland holen?“ Doch Waldbauer Voss war von seiner Sache überzeugt. Darauf gebracht hatte ihn der damalige Förster Egon Deppe. Dieser empfahl ihm, die Nobilisbäume auf einem Buchenabtrieb anzupflanzen. „Laut Förster Deppe war dies der einzige Nadelbaum, der die starke Luftverschmutzung im Kohlenpott gut vertragen hat“, erzählt Gerhard Voss. Seither beschäftigt er sich mit dem Thema und weiß einiges über die Lebensart dieser Bäume. „Das Klima rund um den Kahlen Asten ist ähnlich dem in Kanada“, berichtet er. „Die Niederschläge, die Temperatur, der pH-Wert des Bodens und die Lage (ab 600 m ü.NN) im Astengebiet ist mit dem Anbaugebiet in Kanada vergleichbar, nur dass dort als Jahresniederschlag Schnee fällt und bei uns der Nebel das Klima feucht hält.“ Schmunzelnd ergänzt er: „Der Bestand war nach Jahren mit Himbeeren und Brombeeren zugewachsen. Ein vorbeiziehender Wanderschäfer aus Niedersfeld ließ seine 300 Schafe über Nacht im Gatter weiden und am nächsten Morgen waren die Baumreihen wieder gut zu erkennen. Den Schäfer sah ich nicht mehr, denn er war bereits in den frühen Morgenstunden weitergezogen. Zurückgelassen hatte er eine leere Flasche Wacholder, die ich ihm zum Dank am Abend vorher geschenkt hatte. Der Schäfer machte seinem Spitznamen alle Ehre, denn er war auch unter dem Namen ‚Wacholderdrossel’ bekannt.“
Seither entwickelte sich der Bestand sehr gut und hat über Jahre viel Schnittgrün geliefert. „In der Standfestigkeit und dem Zuwachs ist die Nobilis (Pfahlwurzler) der Fichte (Flachwurzler) überlegen“, meint Gerhard Voss, „nur gegen stauende Nässe ist der Baum empfindlich.“ Sein ganzer Stolz ist eine große Nobilistanne, die am Rande des Pflanzgatters steht. Trotz Anwuchsschwierigkeiten hat sie heute, nach nur 28 Jahren, einen stattlichen Umfang. Und frei nach Max Bewer zitiert Waldbauer Gerhard Voss seinen Lieblingsspruch:

„Pflanz einen Baum,
und kannst du auch nicht ahnen,
wer einst in seinem Schatten tanzt,
bedenke, Mensch, es haben deine Ahnen,
eh‘ sie dich kannten, auch für dich gepflanzt!“

Text: Heidi Bücker

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