Am 19. Juni 1941 rückten in der sauerländischen Kreisstadt Olpe etwa zwanzig Mitglieder
eines Gestapo-Kommandos an, um das Pallottiner-Kloster zu stürmen und dessen Bewohner zu vertreiben. Gegen diesen Raubzug der Nazis demonstrierten an drei aufeinanderfolgenden Tagen hunderte Frauen, Männer und Jugendliche. Sie sangen Kirchenlieder gegen die braunen Feinde von Kreuz und Christentum, läuteten Glocken und beschimpften lautstark die Nazi-Bande. Weil die Gestapo-Beamten Teilnehmer der Proteste verprügelten, bewaffneten sich einige Bauern sogar mit Eichenknüppeln. Der Aufruhr kam spontan. Die Laien am Ort ergriffen Initiative, ohne die kirchliche Obrigkeit vorher um Erlaubnis zu fragen. Die Gestapo lernte daraufhin im südlichen Sauerland das Fürchten.

Die Olper Demonstrationen fanden mehrere Wochen früher statt als die ersten öffentlichen
Einsprüche des münsterischen Bischofs von Galen gegen den Klostersturm. Sie wurden 1941 weit über die Grenzen des Sauerlandes hinaus bekannt und im NS-Machtapparat an höchster Stelle wahrgenommen. Gegen einige Beteiligte ging man mit Gewalt, Repression und Gefängnishaft vor. Am Ende entschieden sich die Staatsbehörden jedoch dazu, die
Strafverfahren gegen Olper „Aufrührer“ nicht weiter zu betreiben. Man wollte die Erinnerung an das Aufbegehren der südsauerländischen Katholiken nicht wieder lebendig werden lassen.

In der Kirchengeschichtsschreibung von oben hat man die Initiativen mutiger Laien oft wenig beachtet. Der Pallottiner-Pater Norbert Hannappel zeigte 1991, wie es anders geht: Er befragte unter Nutzung eines Tonbandgerätes noch lebende Zeitzeugen – gleichsam „in letzter Minute“. So entstand eine einzigartige Sammlung von Berichten zum Olper Klostersturm, ergänzt durch Quellen aus dem Ordensarchiv und die Erinnerungen einer resoluten „Laien-Agentin“ der Pallottiner. Eine soeben erschienene Neuedition des Werkes „Menschen im Widerstand“ erschließt zahlreiche weitere Dokumente, auch zur amtlichen bzw. „parteiamtlichen“ Sicht der Olper Ereignisse von 1941.

Ein Register macht es sauerländischen Lesern leicht, Beteiligte aus der eigenen
Verwandtschaft ausfindig zu machen. – Das Modell von 1941 ist angesichts der lokalen
Umtriebe des rechtsextremistischen „III. Weges“ noch immer aktuell: Olpe setzt sich zur
Wehr – gegen Nazis.

Das neue Buch kann mit Angabe der ISBN-Nummer überall im Handel bestellt werden:
Norbert Hannappel SAC: Der Gestapo-Angriff auf das Pallottinerkloster in Olpe.
19. Juni 1941: Menschen im Widerstand – Zeitzeugenberichte und Dokumente.
Norderstedt: BoD 2017. (Paperback; 380 Seiten; 15,90 Euro; ISBN-13: 978-3-7460-3040-1)
https://www.bod.de/buchshop/der-gestapo-angriff-auf-das-pallottinerkloster-in-olpe-norbert-hannappel-9783746030401

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