Wie im „Wohnzimmer“ fühlte sich Dirk Zandecki in der Finnentroper Buchhandlung am Rathaus, in der er am vergangenen Donnerstagabend (9. November) aus seinem Krimi-Debüt im WOLL-Verlag las. Das lag nicht nur am urig-gemütlichen Sofa, sondern auch an der Wohlfühlatmosphäre, die Inhaberin Uta Deitenberg und ihr ebenso fachkundiges wie freundliches Team zwischen Neuvorstellungen, Bestsellern, Klassikern und Consorten aufkommen lassen. Mit Glockenschlag 19:00 Uhr waren auch die letzten der 25 vorgesehenen Plätze besetzt und damit nicht nur ein schönes Publikum für eine Literaturlesung zusammengekommen, sondern auch ein toller Erlös für UNICEF, denn es war ein Herzenswunsch des Autors, dass die Eintrittsgelder einem guten Zweck zugute kommen würden.

So war also die Bühne bereitet für eine unterhaltsame literarische Lesung. Bei der allein sollte es aber nicht bleiben, denn Dirk Zandecki hatte seinen Lektor aus dem WOLL-Verlag, Jens Feldmann, mit ins Boot oder besser gesagt mit aufs Sofa geholt. Es galt, dem Publikum nicht allein Passagen aus seinem fertigen Roman zu präsentieren, sondern auch interessante Einblicke in den Prozess, der aus einem Manuskript das letztlich veröffentlichte Buch werden lässt. Im Fokus stand aber natürlich der eigentliche Hauptdarsteller, der Roman selbst. Nachdem das Publikum mit dem Privatermittler Paul Masters Dirk Zandeckis neuen Krimihelden kennengelernt hatte, samt einem augenzwinkernden Blick auf die ein oder andere Eigenart des Lüdenscheider Detektivs, führte die literarische Reise in die Wälder rund um den Kahlen Asten und unter Unheil verheißende Sturmwolken. Erinnerungen an ganz persönliche Erlebnisse rund um die historische Orkannacht „Kyrill“ vor 10 Jahren stimmten das Publikum auf die bedrohliche Atmosphäre ein, die „Ausgelöscht“ prägt. Manch ein Gast wusste von seiner ganz eigenen Geschichte jener Nacht im Januar 2007 zu erzählen. Damit war die Stimmung vorgegeben für Mord, Totschlag, Lügen, Geheimnisse, Argwohn, Angst und Überlebenskampf. Die von Dirk Zandecki ausgewählten und vorgetragenen Szenen ließen erahnen, wie die in der einsamen SGV-Hütte von der Außenwelt abgeschnittenen Figuren zwischen Sturmgefahr und Mörderhand um ihr Leben fürchten und kämpfen. Dass es eine ganz besondere Herausforderung ist, nicht allein eine Handlung und die Charaktere der auftretenden Figuren nachvollziehbar zu entwickeln, sondern im Erzählerischen auch Atmosphäre entstehen zu lassen und sie ins Erleben der Leser zu überführen, wurde deutlich, als sich im Gespräch zwischen Autor und Lektor für die Zuhörerschaft manch neuer Blickwinkel auf das Zustandekommen einer Romanveröffentlichung auftat. Der Abstimmung auf eine gemeinsame Wellenlänge erwies sich als wichtiger Grundstein für die intensive Zusammenarbeit, um aus dem Manuskript eine druckfertige Datei werden zu lassen. Zandecki und Feldmann wussten von regem Mailverkehr und Telefonaten zu berichten, ehe beide Seiten grünes Licht für ein Kapitel oder eine Passage gaben. Interessierte Fragen aus dem Publikum waren Beleg genug, dass das Abweichen von den Gepflogenheiten einer reinen Autorenlesung eine gute Entscheidung war.

So verging die Zeit wie im Fluge und Dirk Zandecki servierte schlussendlich sein letztes Appetithäppchen des Abends: Eine Szene, in der nicht nur Paul Masters am Rande der totalen Erschöpfung präsentiert wird. Eine Szene der Flucht, aber auch eine, die alle Beteiligten überstehen und überleben werden? Diese Frage blieb selbstverständlich unbeantwortet, erweist sich angesichts des Romangeschehens aber als mehr als berechtigt. Hier fallen Masken, führen Spuren in die Irre, geschieht Unerwartetes, verbirgt sich des Rätsels Lösung lange Zeit im Chaos aus Orkanschäden und der allgegenwärtigen Gefahr durch einen zu allem bereiten Mörder.

Ungewöhnlich für Zandecki, dessen bisherige Krimis stets das Augenzwinkernde zugelassen haben, wie eine treue Leserin in den Reihen der Gäste bemerkte. „Ich habe mich als Autor unbedingt mal an einem klassischen, harten Krimi versuchen wollen!“, antwortete ihr der Autor. ‚Versuch gelungen!‘ bescheinigen die vielen an diesem Abend verkauften Exemplare von „Ausgelöscht“! Dirk Zandecki signierte, schrieb Widmungen und konnte zusammen mit Uta Deitenbergs Team und den Gästen auf tolle, kurzweilige und interessante anderthalb Stunden zurückblicken. Wer noch auf der Suche nach spannender Lektüre für die langen, dunklen Winterabende auf dem Sofa im heimischen Wohnzimmer ist, dem sei „Ausgelöscht“ empfohlen, erhältlich im Buchhandel oder im WOLL Onlineshop!

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