„Schmucke Fachwerkhäuser mit Blumengärten, saftig grüne Wiesen, auf denen rotbunte Kühe weiden, und goldbraun schimmernde Kornfelder. Mittendrin, die dunklen Schieferdächer überragend, die Dorfkirche; ihr mächtiger Turm ist rund und nicht wie sonst in dieser Landschaft üblich, viereckig – und so erinnert er fast an einen Leuchtturm. Holthausen und Huxel – 2 km von Bad Fredeburg entfernt – im Hochsauerland, abseits der Durchgangsstraßen in stillen Winkeln gelegen, bieten noch ein Stückchen heile Welt”.
So beginnt WDR-Redakteur Frank Schürmann seinen Bericht im Westfalenspiegel „Zwei Schieferdörfer und ihr Museum”. Dem ist nicht viel hinzuzufügen!

Das schmucke Golddorf Holthausen kann in diesem Jahr seinen 725. Geburtstag feiern. Die erste urkundliche Erwähnung von Holthausen findet sich auf einem Dokument des Klosters Grafschaft. Darauf wird am 12. März 1292 erstmals als einer von mehreren Zeugen ein Johann von Holthusen erwähnt.
Der Ortsname Holthausen ist mit „bei den Häusern am Wald“ bzw. „bei den Häusern im Gehölz“ zu umschreiben. Holthausen ist keine seltene Ortsbezeichnung. In Niedersachsen gibt es zwei Orte mit diesem Namen und in Nordrhein-Westfalen sogar 17 ! Immer, wenn die bislang bebauten Gebiete nicht mehr ausreichenden Lebensraum boten, wurden neue waldreiche Gebiete erschlossen, man zog „in’t Holt“, also ins Holz und nannte die Ansiedlung Holthausen.

Der Zufall spielte eine entscheidende Rolle, dass Bauarbeiter bei der Anlage eines tiefen Kellers in Holthausen auf ein Schiefervorkommen stießen. Hier kommt der Schiefer in Form eines senkrecht stehenden Flözes vor. Als die Eisenbahnlinie einen kostengünstigen Transport des Schiefers ins Ruhrgebiet ermöglichte, konnten immer mehr Männer durch Schwerstarbeit in den Schiefergruben ein einträgliches Auskommen finden. Vorher war der Schiefer vorwiegend ein „Arme-Leute-Baumaterial“ und Generationen von Schulkindern waren Schiefertafeln vertraut.

Aufgrund der geografischen Lage und der klimatischen Verhältnisse lieferte die Hauptbeschäftigung der Bewohner, die Landwirtschaft, nur relativ bescheidene Erträge, die allein kaum reichten, eine Familie zu ernähren. Deshalb gingen sie noch zusätzlichen Beschäftigungen nach. Wer weder in den Schiefergruben von Fredeburg, dem Sorpetal oder in den Erzgruben in Meggen arbeitete, verdiente sein Geld als Waldarbeiter oder „Kiepenkerl“, ging also auf den Wanderhandel.

Als einer der ältesten Vereine des Dorfes gilt der Wasserbeschaffungsverein, der als Interessenwasserleitung Holthausen im Jahr 1896 gegründet wurde. 1968 wurde Holthausen an die Kanalisation angeschlossen. Das war, im Vergleich zum Sorpetal, das erst im Jahr 2001 an die Kanalisation angeschlossen wurde, sehr früh.
Im Jahr 1903 begann in der Stadt Schmallenberg die öffentliche Stromversorgung. Von 1913 – 1915 wurde das Leitungsnetz des Fredeburgers Elektrizitätswerkes erweitert. Jetzt wurden neben Wormach, Obringhausen und Ebbinghof auch Holthausen und Huxel von Fredeburg mit Strom versorgt.

Bei der Aktion „Unser Dorf soll schöner werden“ wurde Holthausen dreimal Kreissieger, 1977 erhielt das Dorf die Silberplakette im Landeswettbewerb und den Sonderpreis des Sauerländer Heimatbundes für hervorragende Pflege des heimatlichen Brauchtums. Am 7. August 1979 gewann Holthausen schließlich beim Bundeswettbewerb die ersehnte Goldmedaille, um die sich 33 Orte beworben hatten. Fleiß, Eigeninitiative und vehementer Gemeinschaftssinn führten also auch hier zur angestrebten Anerkennung.

Nach langer Vorbereitung und gegen nicht wenige Gegner, die das Vorhaben rundherum ablehnten, konnte schließlich am 10. September 1977 tatsächlich das Schieferbergbau- und Heimatmuseum feierlich eröffnet werden. Die „Holthauser Museumswochen“, eine Mischung aus Kultur-, Geschichts- und Traditionspflege, wurden zu einem Begriff. 2008 begannen die Arbeiten zu einer neuerlichen Erweiterung des Museums: Das Museum mit seiner Südwestfälischen Galerie ist derzeit das einzige Museum, das sich speziell mit der Kunst des Sauerlandes befasst.

Auch heute noch zeichnet sich Holthausen mit einem funktionierenden Vereinswesen aus, wo sich viele Bürger für den Ort in den verschiedensten Bereichen engagieren. Nach dem ersten erfolgreichen gemeinsamen Dorffest im letzten Jahr, haben die Vereinsvertreter beschlossen, den 725sten Geburtstag mit einem großen Dorffest zu feiern. Die Feier beginnt am Samstag, 4. November 2017, um 14 Uhr mit einer plattdeutschen Messe. Das Festhochamt wird der gebürtige Holthauser Pastor Alfons Lingemann zelebrieren und der MGV Holthausen-Huxel musikalisch gestalten.

Danach werden die Kinder des Städt. Kindergartens Holthausen auftreten, bevor die Begrüßung und einige Grußworte folgen. Nach einem musikalischen „Willkommen“ durch den MGV beginnt das gemeinsame Kaffeetrinken. Neben leckeren Kuchen wird das Landcafe Birkenhof besondere Spezialitäten am Kaffeefahrrad anbieten.

Mitglieder der KJG Holthausen-Huxel kümmern sich zudem im Speiseraum um die kleinen Festbesucher. Es gibt lustige Spiele, Schminkaktionen und vieles mehr.

Ab 17 Uhr freuen wir uns auf die Tom-Astor-Musikschule, bei welcher auch einige junge Holthauser MusikerInnen ihr Können beweisen werden. So werden die 12jährige Marlena Kociolek sowie Sina Keite den Song „80 Millionen“ von Max Giesinger mit einem eigenen Text präsentieren.

Gegen 19 Uhr werden die Original Rahrbachtaler des Musikvereins Rahrbach mit zackigen Märschen und flotten Polken für Unterhaltung sorgen und das gemeinsame Abendessen umrahmen. Unser Dorfwirt „Landhotel Vollmer-König“ bietet Speisen für Klein und Groß an. Zu späterer Stunde können sich die Nachtschwärmer noch mit Currywurst im Becher stärken.

Ab 22 Uhr heißt es dann „Oldies but Goldies“. Zwei Bands der Tom-Astor-Musikschule werden die guten alten Zeiten musikalisch zurückholen. Bei den Bands „Snow White And The Jingles“ sowie „Rainbow“ ist mit Helmut Kociolek unser amtierende Schützenkaiser an der Bassgitarre aktiv.

Mit diesem umfangreichen kulturellen Programm soll das Dorfjubiläum gebührend gefeiert werden. Neben allen Holthauser und Huxeler Bürgern sind auch alle gebürtigen Holthauser sowie Gäste aus aller Welt herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Text: Bernhard Lingemann, Fotos: Klaus-Peter Kappest

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