Der Jakobusweg ist einer der berühmtesten und meist genutzten Pilgerwege überhaupt. Im neunten Jahrhundert wurden, der Legende zufolge, die Gebeine des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens bestattet. Nach und nach entstanden die ersten Pilgerrouten zur Grabstelle. Im frühen Mittelalter hatte sich bereits ein breites Wegenetz in ganz Europa gebildet. Hierüber erfolgte ein reicher Ideen- und Kulturaustausch, der den Kontinent und die Bevölkerung in nachhaltiger Weise prägte. Darum erklärte der Europarat den Weg von den Pyrenäen nach Santiago de Compostela, den Camino Francés, 1987 zur ersten Europäischen Kulturstraße und rief dazu auf, weitere historische Altstraßen, auf denen im Mittelalter nachweislich auch Pilger unterwegs waren, zu revitalisieren, zu sichern und zu pflegen. Seitdem ist eine Vielzahl von Initiativen entstanden, die den regionalen Verlauf von Jakobuswegen erforschen und ausweisen. So ist man heute in Europa in der glücklichen Lage, den Jakobusweg direkt vor der Haustüre beginnen zu können.

Auch im Sauerland existieren zwei revitalisierte historische Pilgerwege, nämlich die Heidenstraße von Korbach bis Köln und der Zubringer zur Heidenstraße von Paderborn über Obermarsberg nach Elspe. Dies ist in erster Linie einem Ehepaar aus Bestwig zu verdanken – den Schmoranzers. Annemarie Schmoranzer forscht seit 1985 zu diesem Thema, als sie im Zusammenhang mit einer Firmarbeit in der Gemeinde Remblinghausen auf Pilgerspuren stieß. Sie erinnert sich: „Mir war klar, dass unsere stattliche Kirche nicht ohne Grund den Namen des Apostels Jakobus trägt, da musste mehr dahinter stecken!“ Ab diesem Zeitpunkt war sie mit dem „Jakobusvirus“ infiziert. „Dieser Virus ist ansteckend, aber nicht gesundheitsschädlich“, schmunzelt sie. Angesteckt hat sie zunächst mal ihren Mann, Herbert Schmoranzer. Die beiden ergänzen sich auch bei der Arbeit. Er versteht Latein, sie hat noch die altdeutsche Schrift zu lesen gelernt. So gerüstet, haben sie in der Vergangenheit etliche Archive besucht, Schriften und Aufzeichnungen studiert sowie fachkundige Leute befragt. Und das alles zu einer Zeit, in der Google, Wikipedia und Co noch nicht existierten. „Es ging eben auch ohne die elektronischen Medien“, sagt Annemarie Schmoranzer und erinnert sich gern an die vielen schönen und interessanten Begegnungen mit Menschen, die sie zum Thema befragten. Mittlerweile sind aus ihrer Recherchearbeit Pilgerbücher entstanden und publiziert worden. Unterstützt wurden die Schmoranzers vom Freundeskreis der Jakobuspilger Hermandad Santiago in Paderborn, dem Sauerländer Heimatbund und vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Schließlich geht es allen Genannten darum, dass die historischen Pilgerrouten nicht in Vergessenheit geraten.

Aber nicht nur theoretisch sind die Schmoranzers in Sachen Pilgerwege unterwegs, sondern auch sehr praktisch. Ist die historische Route erforscht und festgelegt, kontaktieren sie kundige Personen vor Ort und markieren dann im Auftrag des SGV die Pilgerwege mit der Jakobusmuschel. So zuletzt auch in Eslohe. Bei der mühevollen Markierungsarbeit hat Norbert Sapp aus Isingheim die beiden tatkräftig unterstützt. Von Herhagen über Reiste, Beisinghausen, Bremke, Bremscheid, Isingheim, Obermarpe, Obervalbert, Altenvalbert bis Elspe half er mit, den Weg zu kennzeichnen.

Ein besonderer Ort zum Nachspüren ist die kleine Jakobuskapelle in Bremscheid, die der Familie Bürger gehört. Hier wurde bereits 2012 der erste Pilgerstein zwischen Paderborn und Elspe aufgestellt und feierlich eingeweiht. Auf der Bronzetafel kann man den Streckenverlauf des Heer- oder Römerweges und der Heidenstraße nachvollziehen. Diese beiden überregionalen, historischen Pilgertrassen treffen sich in Elspe und laufen gemeinsam bis zur Förder Linde. Gern begrüßt Josef Bürger Pilger, die in der Kapelle innehalten, an ihr rasten und sich hier den Stempel für ihren Pilgerpass geben lassen.

Bei den Markierungsarbeiten wurde übrigens auch Norbert Sapp vom Jakobus-Virus infiziert. Er ist noch nicht „offiziell“ den Jakobusweg gepilgert, hat sich aber schon mal einen Pilgerpass besorgt. Wie der erste Stempel darin aussieht, weiß er auch schon: „Den ersten Stempel werde ich mir bei Josef Bürger in Bremscheid holen!“

 

Text und Fotos: Andrea Gödde-Kutrieb

Fotos:

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