Schluss mit der Angst

Dr. Notker Wolf heute zu Gast beim Volksbank-Forum in der Stadthalle Schmallenberg

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Gast und Redner beim heutigen Volksbank-Forum um 19:00 Uhr in der Stadthalle Schmallenberg ist der ehemalige Abtprimas der Benediktiner Dr. Notker Wolf. Im Interview mit WOLL erläutert er vorab seine Sichtweise zum Thema Angst, aber auch zum Thema Kirche und Ökomene und zum Sauerland.

WOLL: Warum meinen Sie, dass Deutschland eine Angstgesellschaft geworden sei?

Dr. Notker Wolf: Wir Deutsche hatten es uns bequem im Wohlstand eingerichtet und waren zu einer Wellness-Gesellschaft geworden. Jetzt, da die zahlreichen Flüchtlinge gekommen sind, wurden wir verschreckt, wenngleich wiederum Milliarden zusätzlich in die öffentlichen Kassen geflossen sind. Es ist die Angst vor dem anderen, vor dem Ungewohnten, vor der Herausforderung durch den Islam. Angst jetzt auch um die Sicherheit, vor dem Kontrollverlust. Dabei sind es nicht nur die Flüchtlinge, wie wir vor kurzem beim G20-Gipfel in Hamburg erlebt haben. Unsere Gesellschaft braucht eine Weiterentwicklung, das bedeutet Veränderungen, und davor haben viele naturgemäß Angst.

WOLL: Die Benediktiner, deren Abtprimas Sie viele Jahre waren, haben auch im Sauerland ihre Spuren hinterlassen (Kloster Grafschaft) bzw. wirken gerade heute von der Abtei Königsmünster in Meschede aus eindrucksvoll in unserer Region. Wie gut kennen Sie persönlich das Sauerland?

Dr. Notker Wolf: In meiner Schülerzeit bin ich ein paarmal mit Tante und Onkel aus Iserlohn durch das Sauerland gefahren und habe mich über die Wiesen und Wälder gefreut, die grünen Täler und die Wasserläufe. Damals, vermutlich 1957, bin ich schon nach Königsmünster gekommen. Abt Harduin Bießle hat sich in einer unvergessenen Stunde meiner angenommen.

WOLL: Was ist Ihnen dann an den Menschen, die Sie getroffen haben, besonders aufgefallen?

Dr. Notker Wolf: Die Freundlichkeit, Ausgeglichenheit, ihre Bodenständigkeit, sie lieben ihr Land. Sie machen nicht zu viele Worte, zeigen aber immer Herzlichkeit.

WOLL: Auch in den Dörfern des Sauerlandes werden die Kirchen immer leerer, die Verbindung zur Kirche geht bei immer mehr Menschen verloren. Was kann die Kirche und hier speziell die katholische Kirche tun, um diesen Prozess aufzuhalten?

Dr. Notker Wolf: Ich bin nicht begeistert von der Zusammenlegung der Pfarreien. Wir brauchen die Kirche vor Ort. Dann muss man eben andere Strukturen finden. Das Evangelium ist nicht für die Theologen geschrieben, sondern als Frohe Botschaft für die Menschen. Deshalb ist der enge Kontakt von Seelsorgern – nicht nur Priestern – mit den Gläubigen und Fernstehenden so wichtig.

WOLL: in diesem Jahr feiern wir 500 Jahre Reformation. Wird es nicht langsam Zeit die beiden großen Kirchen wieder zusammenzuführen?

Dr. Notker Wolf: Es wäre höchste Zeit. Aber wir müssen neue Modelle der Einheit suchen. Die beiden Kirchen haben sich ja über Jahrhunderte auseinander entwickelt, auch kulturell. Wir brauchen mehr Zusammenarbeit, wie sich das bei der Aufnahme von Flüchtlingen bewahrheitet hat. Wir müssen nach vorne blicken, nicht zurück, und jede Rechthaberei verabschieden. Dann werden wir die Unterschiede als Bereicherung wahrnehmen und von einander lernen.

WOLL: Vielen Dank für das Gespräch. Wir freuen uns auf einen spannenden Vortrag am 12. Oktober in Schmallenberg.

Karten für die Veranstaltung gibt es noch in begrenzter Zahl an der Abendkasse.

Dr. phil. Notker Wolf OSB wurde 1940 in Bad Grönenbach im Allgäu geboren. Im Jahre 1961 legte er das Abitur am Rhabanus-Maurus-Gymnasium St. Ottilien ab und trat in das dortige Benediktinerkloster ein. Nach den ersten Gelübden im Jahre 1962 studierte er Philosophie, Theologie und Naturwissenschaften in Rom und München. 1968 wurde er zum Priester geweiht. Ab 1971 dozierte er über Naturphilosophie und Wissenschaftstheorie an der Benediktinerhochschule S. Anselmo in Rom. 1977 wurde er zum Erzabt von St. Ottilien und Präses der Missionsbenediktiner gewählt. 2000 wählten ihn die Äbte des weltweiten Benediktinerordens zum Abtprimas mit Sitz auf dem Aventin in Rom. 2008 und 2012 wurde er für jeweils vier Jahre wieder gewählt.

Zahlreiche Dienstreisen führten ihn auf alle Kontinente. Er ist bekannt als Bestsellerautor (u. a. „Worauf warten wir?“, „Die Kunst, Menschen zu führen“, „Aus heiterem Himmel“, „Regeln zum Leben“, „Im Zeichen des Großen Drachen“, „Die sieben Säulen des Glücks“, „Wohin pilgern wir?“, „Gönn dir Zeit, es ist dein Leben“). Sein aktuellstes Buch: „Schluss mit der Angst. Deutschland schafft sich nicht ab.“ Als Musiker hat er mehrere CDs mit klassischer Flötenmusik eingespielt („Weiherserenade I-V, „Notker Wolf plays Bach“). Dr. Notker Wolf ist Träger verschiedener Auszeichnungen. Seine Hobbys sind Flöte- und E-Gitarre-Spielen sowie Sprachen.

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