Bankkaufmann oder Pastor – wenn es nach William Dannes Mutter gegangen wäre, hätte der gebürtige Höveler heute einen ganz bodenständigen Beruf. Doch mit so einem für sauerländische Verhältnisse doch eher ungewöhnlichen Vornamen kann man wohl nicht anders, als Schauspieler zu werden – oder Theaterautor. Oder beides. So wie William Danne eben. Aber: Nein, er ist nicht nach William Shakespeare benannt worden! Woher kommt der Name dann? „Prinz William (von England) war damals gerade erst geboren worden“, sagt der 33-Jährige, der die Frage vermutlich nicht zum ersten Mal hört. Doch er nimmt’s mit Humor – getreu seinem Motto: Kein Shakespeare, aber William! Für das Gespräch mit WOLL hat sich Danne an seinem einzigen freien Tag Zeit genommen. Aktuell steht er von Dienstag bis Sonntag jeden Abend am Schmidt Theater in Hamburg auf der Bühne und spielt die männliche Hauptrolle im Schlagermusical „Cindy Reller“.
Als Edelbert von Grootfru junior darf Danne in der schrägen Version des Märchens „Aschenputtel“ nicht nur schauspielern, sondern auch singen und tanzen. Ein Traumjob für den Wahl-Hamburger, der an der renommierten Joop van den Ende Academy eine dreijährige Ausbildung zum Musicaldarsteller absolviert hat. Das Schmidt Theater war anschließend einer seiner ersten Arbeitgeber. Nachdem er zwischenzeitlich „mal etwas anderes sehen wollte“ und an Theatern in Berlin, Kiel, München, Rostock sowie Stuttgart spielte, ist er Anfang 2016 an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. Und ist jetzt bereits im fünften Stück am Haus zu sehen. „Es macht mir sehr viel Spaß. Ich fühl mich wohl hier“, sagt Danne über seinen Job.

Schauspieler, Regisseur und Autor William Danne. Foto: Henrik Pfeifer

Eine Hommage an die Heimat

Das Auf-der-Bühne-Stehen allein reicht dem Künstler längst nicht mehr, seit ein paar Jahren ist er auch als Autor aktiv und schreibt Musicals, Boulevardkomödien und Schlagerrevuen. Im März feiert sein jüngstes Werk „Käthe holt die Kuh vom Eis“ Premiere – ein Stück, das Danne besonders am Herzen liegt. Denn es spielt nicht nur in seiner Heimat, sondern wird dort – im Sauerland-Theater – auch uraufgeführt. Eine aufregende Angelegenheit für den Autor, der außerdem als Regisseur fungiert und die Hauptrolle (Käthe) übernehmen wird. Obwohl er schon etliche Male vor Hunderten von Menschen auf der Bühne stand, hat er großen Respekt vor der Rückkehr in die Heimat. „Das Lampenfieber ist definitiv größer“, sagt Danne, der sich darauf freut, viele bekannte Gesichter im Publikum zu sehen. Dass er „Käthe holt die Kuh vom Eis“ in Arnsberg zeigen darf, mache ihn sehr stolz – vor allem, weil die Lokalkomödie eine Hommage an „die robusten Frauen des Sauerlandes“ ist. „Die manchmal direkten und resoluten, aber meistens herzlich und selbstironischen Sauerländerinnen“, sagt der Schauspieler, der enge Verbindungen zu Familie und Freunden in der Heimat hat.
Vom Hühnerstall in die Höhle

Im März feiert Dannes jüngstes Werk „Käthe holt die Kuh vom Eis“ in Arnsberg Premiere. Karten sind erhältlich im Stadtbüro Arnsberg, T. 02932 2011143, oder unter www.reservix.de. Eine Weitere Aufführung findet eine Woche später in Schmallenberg-Wormbach statt. Foto: Christian Preuß-König

Schon als Grundschüler entdeckte Danne seine Leidenschaft für die Bühne. Zu Hause im Hühnerstall inszenierte er Sketchabende und zeigte kleine Shows. Eines der ersten Stücke, die er mithilfe von Verwandten, Nachbarn und Freunden auf die Beine stellte, war seine eigene Version des TV-Hits „Kein Pardon“ mit Hape Kerkeling. Wenn er heute über diese skurrilen Anfänge erzählt, muss er unwillkürlich lachen. „Das war schon eine lustige Sache. Das halbe Dorf stand auf der Bühne, die andere Hälfte saß im Publikum“, erinnert sich Danne, der auch mit seinen Eltern „kein Pardon“ kannte. Der Vater musste die Figur Uschi Blum geben, die Mutter wurde kurzerhand zur Krankenschwester. Später wurde die Balver Höhle zu Dannes zweitem Zuhause. Zwölf Jahre lang gehörte er dem Ensemble an – und lernte vor und hinter den Kulissen alles Wichtige übers Theaterleben. Damals stand für ihn schnell fest: Er will professioneller Schauspieler werden – und nichts anderes! Anfangs konnten sich Dannes Eltern, die eine Geflügelzucht betreiben, nicht für den Berufswunsch ihres Sohnes erwärmen – doch schließlich erlaubten sie ihm, mit 19 Jahren nach Hamburg zu gehen. Heute sind sie stolz auf ihr jüngstes Kind.
Auch 2017 wird der Schauspieler voraussichtlich weiterhin am Schmidt Theater engagiert sein und allabendlich die Kiez-Besucher unterhalten. An neuen Stücken arbeitet er ebenfalls schon. „Ich habe noch viele Ideen in meinem Kopf“, sagt er. Und falls doch mal alle Stricke reißen sollten, hat Dannes Vater einen Plan B, denn der sagt: „Wenn das alles nix wird, dann übernimm‘se den Hoff und wir bauen’en Stall zum Theater um!“

Von Theresa Maas

Erschienen in der WOLL-Ausgabe Arnsberg/Sundern Winter 2016

Das Buch „Käthe holt die Kuh vom Eis“ von William Danne gibt es in vielen Sauerländer Buchhandlungen und im WOLL-Onlineshop.

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