Jubiläums-Matinee in der Stadthalle Olpe: 175 Jahre Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden

Einen denkwürdigen Tag beging die Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden am Samstag, 12. November 2016, denn genau an diesem Datum vor 175 Jahren wurde die „Spar-Kasse zu Olpe“ offiziell aus der Taufe gehoben. Rund 280 Vertreter aus Politik und Wirtschaft, von Institutionen, Kooperations- und Verbundpartnern sowie Mitarbeiter der Sparkasse waren aus diesem Grund zu einer Jubiläums-Matinee in die Stadthalle Olpe eingeladen.

Die heutige Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden gehört damit zu den ältesten Sparkassen in Deutschland und war das erste Institut im Kreis Olpe. Die Gründungsväter wollten seinerzeit den Menschen „in einer Zeit tiefgreifender Umwälzungen im politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben“ eine Möglichkeit geben, Vermögen bilden und sich mit Krediten versorgen zu können. Die Zeiten haben sich geändert, jedoch ist die Aufgabenstellung bis heute grundsätzlich die gleiche geblieben. Die Herausforderungen sind nicht geringer geworden und die Zukunftsorientierung für die Sparkasse wichtiger denn je.

Sparkasse Jubiläums-Matinee
Der Präsident des Sparkassen-Verbands Westfalen-Lippe Dr. Rolf Gerlach (rechts) übermittelte die Glückwünsche der gesamten Sparkassen-Finanzgruppe zum 175-jährigen Jubiläum der Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden und stand Anne Willmes (links) Rede und Antwort zur Zukunftsorientierung der Sparkassen.

Das war auch Tenor des Vortrags von Dr. Rolf Gerlach, Präsident des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, der die betriebswirtschaftliche Entwicklung der Jubiläums-Sparkasse nicht nur als leistungsfähiges Kreditinstitut und mit einer guten Sozial-Bilanz für die Menschen vor Ort untermauerte. „Dieses Institut ist ein Erfolgsmodell für alle Zeiten. Es bringt Innovation und Tradition stets maßvoll in Einklang, um bestmöglich seiner Region zu dienen“, war ein deutliches Lob in Richtung Sparkassenvorstand. Weiterhin appellierte Dr. Rolf Gerlach an die Veränderungsbereitschaft der Sparkassen in Westfalen-Lippe die seiner Einschätzung nach, „spitze in Europa sind und zu den wichtigsten Lebensadern einer Region gehören. Sie sind es, die Unternehmen mit finanziellen Mitteln zu Wachstum verhelfen, das zu neuen Arbeitsplätzen führt.“ In einem kurzen Rückblick auf die vergangenen 15 Jahre führte der Sparkassenpräsident aus, dass die Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden mit ihrem Wachstum sogar deutlich über dem Durchschnitt liege.

Im weiteren Verlauf der Jubiläums-Matinee stand der Fachvortrag von Prof. Dr. Richard Andreas Werner. Der Titel „Lokale Kreditinstitute: Gefährdet die EZB das deutsche Erfolgsmodell?“ deutete schon darauf hin, dass der Professor of International Banking der University of Southampton Business School (England) ein vehementer Verfechter u. a. der Sparkassen-Idee ist. Das „Geschäftsmodell Sparkasse“ hat sich seiner Meinung nach über Jahrzehnte bewährt und wird von ihm als Stabilitätsanker im Finanzsektor gesehen. Keiner verstehe es besser und sei näher an den Menschen, als lokal tätige Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die die Bedürfnisse der Menschen vor Ort erkennen und einen wichtigen Beitrag für eine gesunde Infrastruktur in der Region leisten, schon allein durch die Steuerzahlungen. Vorhandenes Kapital verbleibt in der Region und kann in Form von Krediten an kleine und mittlere Unternehmen wieder investiert werden. Dadurch entstehen Arbeitsplätze und wirtschaftliche Stabilität in einer Region.

Sparkasse Jubiläums-Matinee
Prof. Dr. Richard Andreas Werner hielt den Vortrag: „Lokale Kreditinstitute: Gefährdet die EZB das deutsche Erfolgsmodell?“

Wenn man es nicht habe, würde man es besonders vermissen, erklärte Prof. Dr. Richard Andreas Werner, der in England alles versucht, die Vorzüge des deutschen dreigliedrigen Bankensystems mit lokal tätigen Kreditinstituten zu propagieren. Er hat hierzu eigens ein Unternehmen gegründet. In England ist es vielen Menschen nicht möglich, Zugang zu einem Girokonto zu bekommen. Sie erhalten schlechte oder überteuerte Finanzdienstleistungen, da der Wettbewerb durch eine Konzentration weniger Großbanken fehlt. Nur wohlhabende Kunden erhalten Beratung, denn die Banken übernehmen dort nicht das unrentable Beratungsgeschäft für Kleinkunden. Gleiches gilt für kleine bis mittlere Unternehmen, die von der Kreditvergabe nahezu ausgeschlossen sind. Für die Großbanken sei es rentabler, Großkredite auszugeben, denn es gehe um Profitmaximierung. Die Gefahr sind Finanzblasen, die zu Bankenkrisen und Rezession führen.

Allen Besuchern war anschließend klar, dass die Niedrigzinsstrategie der EZB (Europäische Zentralbank) aktuell das größte Gefährdungspotential für die Stabilität und die Rentabilität der lokalen Kreditinstitute darstellt. Die Mehrkosten für ein flächendeckendes Geschäftsstellennetz und die hohen Kosten für eine Beratung von Mensch zu Mensch vor Ort können betriebswirtschaftlich durch Zinserträge nicht mehr aufgefangen werden. Dieses führe unweigerlich zu Konzentrationen, um eine Kosteneffizienz zu erreichen. Prof. Dr. Richard Andreas Werner warnte davor, dass die EZB durch die drastische Erhöhung des regulatorischen Aufwands und die Nullzinspolitik kleine und mittlere Institute derart in die Enge treibe, dass die Grundlage des deutschen wirtschaftlichen Erfolges der letzten 200 Jahre dadurch zerstört werden könne. Seine Empfehlung an die EU-Politik ist, in die Geldschöpfung für das Volk in Form von Förderungen der Geburtenraten zu investieren. 95% des Wirtschaftswachstums gehe auf menschliche Erfindungen zurück. Menschen sind damit das produktivste Investment.

Den Rahmen der Jubiläums-Matinee bildete die sympathische und kurzweilige Moderation von Anne Willmes (WDR Siegen), die selbst gebürtig aus Schreibershof bestens mit den lokalen Bedingungen vertraut war. In den Interviews mit Sparkassenvorstand Dieter Kohlmeier sowie Wilhelm Rücker erfuhr sie, dass bei allem Stolz auf die langjährige Tradition der Sparkasse, die mehrere Währungsreformen, Finanzkrisen und sogar zwei Weltkriege überstanden habe, die Zukunftsorientierung ganz klar im Vordergrund stehe. Die aktuelle Niedrigzinsphase mache es allen Banken und lokalen Kreditinstituten nicht leicht, eine positive Ertragslage mit überschaubaren Risiken zu erzielen. Dennoch sei die Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden durch ihre Verwurzelung in der Region gut aufgestellt, die Bevölkerung mit allen modernen Finanzdienstleistungen zu versorgen. Letztlich trage insbesondere das Vertrauen, das Privat- und Firmenkunden ihren Beratern entgegenbringen, als wichtigste Basis zum guten Ansehen und zum wirtschaftlichen Erfolg der Sparkasse bei. Sparkassendirektor Dieter Kohlmeier bedankte sich ebenso bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die über die Jahrzehnte hinweg, mit ihrer Loyalität und Kompetenz der wichtigste Erfolgsfaktor der Sparkasse waren und sind.

Desgleichen bat Anne Willmes die Bürgermeister Peter Weber, zugleich Vorsitzender des Verwaltungsrats der Sparkasse, Ulrich Berghof und Bernd Clemens um ihre Sichtweise zur Bedeutung eines Kreditinstituts vor Ort für die Entwicklung der Städte Olpe und Drolshagen sowie der Gemeinde Wenden. Den musikalischen Rahmen gestalteten Bernward Koch, Musiker und Komponist aus Wenden, am Flügel, der Olper Kemper Werks-Chor unter Leitung von Hubertus Schönauer sowie die Rockband TIL aus Wenden, die unlängst den Nachwuchsband-Wettbewerbspreis „Toys2Masters“ als Newcomer-Band gewonnen hat. Auch diese musikalische Kombination zeigte, dass die Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden Traditionen pflegt, aber gleichzeitig zukunftsgerichtet nach vorne blickt.
Im Foyer der Stadthalle konnten Exponate aus 175 Jahren Sparkassen-Geschichte bewundert werden, die der Förderverein Stadtmuseum e. V. unter Federführung von Gretel Kemper zusammen getragen hatte. Der informative Vormittag in der Stadthalle Olpe klang mit einem gemeinsamen Mittagsimbiss aus.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here