In Ferdinand von Schirachs Theaterstück entscheidet das Publikum über „schuldig“ oder „nicht schuldig“. Der Fernsehfilm in der letzten Woche hat die Menschen in Deutschland bewegt, verunsichert, emotional berührt – wurde in der Öffentlichkeit und in den Medien heftig diskutiert.
terror_schriftzug_gio-loeweDas Theaterstück in einer Inszenierung von Thomas Goritzki wird am 16.01.2017 im Theater der Stadt Lennestadt | PZ Meggen vom Euro-Studio Landgraf aufgeführt.
Major Lars Koch, Kampfjetpilot der Bundeswehr, steht vor Gericht. Angeklagt ist er des 164-fachen Mordes.
Am 26. Mai 2013 erhält Koch den Befehl, einen vollbesetzten, von Terroristen gekaperten Airbus vom Kurs abzudrängen, was ohne Erfolg bleibt. Ziel der Terroristen ist es, den Airbus in die ausverkaufte Münchner Allianz-Arena stürzen zu lassen, in der 70.000 Zuschauer dem Länderspiel Deutschland-England entgegenfiebern. Lars Koch entscheidet sich eigenmächtig, das Passagierflugzeug abzuschießen, um die Fußball-Fans zu retten. Alle 164 Airbus-Insassen sterben. Ist Koch schuldig, weil er 164 Menschen zum Objekt gemacht hat und damit deren Rechte und Menschenwürde verletzte?
Darüber muss auch das Publikum nach bestem Wissen und Gewissen, wie es im deutschen Richtergesetz heißt, urteilen. Jeder ZUSCHAUER erhält einen Stimmzettel, den er in einer Pause ausgefüllt zurückgeben muss. Danach entscheidet sich, wie das Theaterstück weitergeht:
Plädiert der überwiegende Teil des Publikums für SCHULDIG, wird die Schuldig-Variante gespielt, hält die Mehrheit Lars Koch für UNSCHULDIG, kommt diese Begründung des Richterspruchs zur Aufführung.
Im Gegensatz zum Fernsehfilm kann der Zuschauer in der Pause sein persönliches Urteil fällen u.U. im Gespräch mit anderen Gästen. Das Geschehen ist ganz nah am Zuschauer.
Ferdinand von Schirach gelingt es, die Zuschauer durch seinen suggestiven Gerichts-Thriller gleichzeitig zu emotionalisieren und zum Nachdenken darüber zu verführen, wie sie in einem ähnlichen moralischen Dilemma entschieden hätten.
Kartenvorverkauf in der Geschäftsstelle der Kulturgemeinde Hundem-Lenne e.V. im Rathaus Lennestadt, Tel. 02723/608403, per E-Mail k.seidenstuecker@lennestadt.de oder am Veranstaltungstag an der Theaterkasse.

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