Erlebnisbericht der Oldtimer-Fahrt um den „Pannenklöpper“

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Eine Autofahrt ist lustig, eine Autofahrt ist schön

WOLL Sauerland Rallye
(v.l.)Alfred und Heidrun Hamers und Dieter Becker

Von: Denise Fischer

Es ist noch früh am Morgen, der Tau glitzert auf den Dächern der Autos, die auf dem Parkplatz von Autohaus Keller stehen. Die Jüngsten unter ihnen haben schon stolze 25 Jahre auf dem Buckel, das Älteste, ein Opel, ist von 1932.

Im Autohaus angekommen gibt es erstmal Frühstück. Bei einer heißen Tasse Kaffee lerne ich Heidrun und Alfred Hamers kennen, ebenso Dieter Becker. Sie sind mit einem Mercedes Ponton von 1955 dabei und möchten mich heute auf die Rallye mitnehmen. „Hast du sowas schon mal mitgemacht?“, fragt Heidrun. Ich verneine. „Du wirst sehen, es macht großen Spaß und das Gemeinschaftsgefühl hier ist groß.“ Hier kennt mich niemand und doch werde ich sofort herzlich in Empfang genommen undlerne viele Namen und neue Gesichter kennen. Ob alt oder jung, Mann oder Frau, sie alle haben diese eine Leidenschaft und verstehen sich untereinander sehr gut. Es ist eine warmherzige Gemeinschaft, in die ich da reingeraten bin.

Nach einer kurzen Einweisung und der Abklärung wichtiger Punkte herrscht schließlich  Aufbruchsstimmung. Ich folge Heidrun auf dem Weg zum Mercedes Ponton (1955), den heute mal Dieter fährt. Zuerst starten die Youngtimer, dann sind wir dran und es geht los.

„Gib auf Niggeligkeiten acht.“, sagt Alfred. „Und auf grüne Ortsschilder!“ Die Niggeligkeiten sind in diesem Fall kleingedruckte oder versteckte Aufgaben und eingebaute „Fehler“, etwa das Vertauschen von Zahlen, um zu verwirren. Zum Glück haben die drei gleich auf das Ende des Zettels geachtet und ein einsames Sätzlein entdeckt, das besagt, dass man in die erste Lücke der Bordkarte, die jedes Team führen und auch in gewissen Abständen abstempeln lassen muss, eine 0 schreiben soll. Gelesen, getan.

Von Längenabschnitten und grünen Ortsschildern

Schon bald geht es zur ersten Aufgabe an der ersten DK (Durchgangskontrolle). An dieser Stelle ist erstmal unser mathematisches Grundwissen gefragt, denn für die erste Aufgabe brauchen wir unsere Durchschnittsgeschwindigkeit, die wir bis zur DK gefahren sind: Also 28km/h. Nun wird es kniffelig und ich halte den Atem an, denn mit dieser Durchschnittsgeschwindigkeit wird nun errechnet, in welcher Zeit wir den nächsten Abschnitt fahren müssen. Gebannt schauen Heidrun und ich auf die Zeit- und Kilometeranzeige, die Alfred eigens für solche und ähnliche Aufgaben eingebaut hat. Nach einem kurzen Moment ist es auch schon vorbei: „Wir haben eine Sekunde zu viel, also einen Strafpunkt.“, meint Alfred. Damit können wir bis hier hin leben.

Weiter geht es auf der wunderschönen Strecke durch den Kreis Olpe. Ab und zu sehen wir grüne Schilder, von denen immer die ersten zwei Buchstaben in die Bordkarte eingetragen werden müssen, sonst gibt es auch hier Strafpunkte.

Knapp daneben ist auch vorbei

Dann kommt die zweite Aufgabe an der nächsten DK: Ziel ist es, das Auto genau zwei Meter von einem bestimmten Startpunkt aus nach vorne zu fahren. An dieser Stelle beginnen die Schätzungen von Dieter und Heidrun auseinander zu driften: Während sie ziemlich schnell Stop ruft, fährt Dieter doch lieber noch ein Stück. Das Ergebnis: 3,24m. Knapp daneben ist eben auch vorbei – und bringt in diesem Fall 124 Strafpunkte. Schnell ist die gebannte Anspannung vorüber und es wird gelacht: Über die unterschiedlichen Einschätzungen, was so zwei Meter denn nun sein können.

Nach einem weiteren Streckenabschnitt kommt wieder eine Aufgabe, die Dieter diesmal den gegebenen Bedingungen entsprechend gut löst. Unser persönlicher Name für diese Prüfung lautet: Blindflug. Und wieder stockt uns der Atem. Ohne hinsehen zu können, muss Dieter nun einschätzen, wie weit er vor einen Block fahren muss. Anders gesagt muss er einschätzen, wie viel 50cm sind. Bei 38cm stoppt er den Ponton, wodurch uns 12 weitere Strafpunkte aufgeschrieben werden.

Warten, essen, fahren

Kurz danach heißt es: Warten. Warten, dass die Zeit rumgeht, denn wir dürfen erst um 13:07 (Start: 10:27) am Wohngut Osterseifen ankommen, wo die letzte Prüfung stattfindet und es außerdem ein Mittagessen gibt. Nach einer Stunde Wartezeit können wir endlich weiter und kommen so auch zur letzten Prüfung, bei der wir diesmal möglichst genau bis 20 cm vor ein Gatter fahren müssen. Auch das klappt in unserem Fall einigermaßen.

Nach einer Portion Kartoffelsalat und Schnitzel geht es weiter auf die zweite und letzte Etappe, vorbei an Biggesee und Listersee. Außer ein paar grüner Ortsschilder gilt es nun noch, den richtigen Weg nach den Aufzeichnungen, die jedem Team mitgegeben worden sind, zu finden. Nach knapp zwei Stunden kommen wir schließlich an der Muggelkirmes in Olpe an, wo schon viele Leute stehen, die die Old- und Youngtimer betrachten möchten.

Als wir kurz darauf wieder bei Autohaus Keller ankommen, ist es schließlich geschafft: Die Rallye ist zu Ende. Bei Kaffee und Kuchen warten Heidrun, Alfred, Dieter und ich zusammen mit den anderen Fahrern auf die Siegerehrung. Es wird miteinander über Aufgaben und Niggeligkeiten gerätselt, resümiert und gelacht.

Während der Siegerehrung gibt es eine nette kleien Überraschung: in der Gesamtwertung nach Klassen haben wir den 3. Platz gemacht. Den Gesamtsieg und somit den „Pannenklöpper-Pokal“ haben Georg und Gaby Orth mit nach Hause genommen.

Mein Fazit: Für Menschen, die gerne in einer guten Gemeinschaft Dinge unternehmen möchten und außerdem ein Interesse für Autos haben, kann ich ein Mitmachen nur ans Herz legen. Ich komme gerne wieder!

Facebookseite des AMC Olpe

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