Besuchen Sie das südlichste erhaltene Hanse-Rathaus Deutschlands

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Südsauerlandmuseum Attendorn

Der Tag des offenen Denkmals am 11. September 2016 steht mit „Gemeinsam Denkmale erhalten“ ganz im Zeichen des gemeinschaftlichen Handelns.

Uns erscheint heute eine Bürgergesellschaft mit allen Möglichkeiten der Partizipation als selbstverständlich. Diese Rechte mussten allerdings in den 1960er und 1970er Jahren in der noch jungen Bundesrepublik – und auch europaweit – bei Politik und Verwaltung konkret eingefordert, durchgesetzt und eingeübt werden. Ein breites öffentliches Bewusstsein für die Bedeutung unseres erhaltenen baukulturellen Erbes erwuchs in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls erst langsam. Zu sehr war man im Westen in der Nachkriegszeit und in den Jahren des Wirtschaftswunders mit der Schaffung von neuen Infrastrukturen, Absatzmärkten und gesellschaftlichem Wohlstand beschäftigt, als dass sich mehr als eine Handvoll Fachleute öffentlich für Denkmalschutz und Denkmalpflege einsetzten.

offene-arkaden - Südsauerlandmuseum Attendorn
Die früheren offenen Arkaden

Auch das alte, repräsentative Rathaus der Hansestadt Attendorn wurde erst in den 1960er Jahren saniert. Das Bauwerk stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, damit ist es das südlichste erhaltene Hanse-Rathaus Deutschlands.

Untersuchungen in den 1960er Jahren ergaben, dass das Erdgeschoss vermutlich als offene Kaufhalle ausgebildet war. Im Obergeschoss befand sich ein Saal für Gerichts-Rats- oder Festveranstaltungen. Das Lübecker Rathaus aus dem Jahre 1230 könnet ein Vorbild für eine solche Aufteilung gewesen sein.

rathaus gemälde Südsauerlandmuseum AttendornDas gotische Rathaus hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Durch zahlreiche Stadtbrände verunstaltet, unterschied es sich nur noch durch seine Lage Größe von den umliegenden Bürgerhäusern. Zeichnungen und Gemälde lassen die Umbauten seit 1742 erkennen. An den gotischen Prachtbau erinnerte damals lediglich die Wandgliederung im Erdgeschoss.

Die Nutzung des ehemaligen Prachtbaus war seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. vielseitig. Im Oktober 1879 zog hier das Amtsgericht ein und die Stadtverwaltung wurde in das Wohnhaus des Bürgermeisters verlegt, der in der Kölner Straße wohnte.

Teile des Gebäudes wurden am 11. März 1909 dem Verein für Ort- und Heimatkunde zur Unterbringung der Vereinssammlung überlassen, der hier ein Jahr später das erste Museum eröffnete. In der ersten Hälfte des 20. Jh. wurde das Gebäude zwar noch benutzt, da jedoch keine baulichen Sanierungen vorgenommen wurde, stand es wegen seiner maroden Bausubstanz mehrmals kurz vor dem Abriss.

Erst mit dem Entschluss, das ehemals stolze Rathaus von Grund auf zu sanieren, konnte mit Hilfe des Landeskonservators das prachtvolle Bauprogramm wieder freigelegt werden. Im Jahre 1967 wurde es in gotischer Rekonstruktion mit Stufengiebeln als Kreisheimatmuseum der Öffentlichkeit übergeben; heute beheimatet es das Südsauerlandmuseum.

Zum „Tag des offenen Denkmals“ bietet das Museum die einmalige Chance die Dauerausstellungmit ihren elf Themeninseln sowie die interessante Sonderausstellung „Vom Affen zum Ich“ , die die Erfolgsgeschichte der Menschheit präsentiert, kostenlos zu besichtigen.

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