Die St.-Franziskus-Schule in Olpe

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So funktioniert Wissenschaft

„Gute Wissenschaft muss nicht langweilig sein“, nimmt der großartige Physiker Andre Geim seine Arbeit mit Humor. Was bei seinen Experimenten herauskommt, ist ebenso verrückt wie bahnbrechend. So wie das Gecko-Klebeband, mit dem ein Mensch an einem Hochhaus hinauflaufen könnte. Oder der in einem Magnetfeld schwebende Frosch. Dafür erhielt der Wissenschaftler den Ig-Nobel, die satirische Form des Nobelpreises. Den anderen Nobelpreis bekam Geim – im Übrigen der bisher einzige Wissenschaftler, der beide Preise besitzt – für eine weitere wundersame Entdeckung: das Graphen. Der aus reinem Kohlenstoff bestehende zweidimensionale Werkstoff ist so leicht, so dünn und so stark wie kein anderes Material und mit seinen einzigartigen Fähigkeiten imstande, die Welt zu revolutionieren. Längst hat die EU die Bedeutung erkannt und startete mit dem milliardenschweren „Graphene Flagship“ die bisher größte Forschungsinitiative ihrer Geschichte.

Einer, der sich mit Graphen beschäftigt, ist der international anerkannte Wissenschaftler Carsten Busse. Der 43-jährige Olper lehrt in Münster am Institut für Materialphysik. Im Fokus seiner Arbeit stehen „rastertunnelmikroskopische und -spektroskopische Untersuchungen von Oberflächen sowie die Untersuchung und Synthese von zweidimensionalen Materialien“. Hört sich wild an und ist es mit Sicherheit auch – zumindest aus der Sicht des Laien. „Bei allem frage ich mich, wie es aufgebaut und strukturiert ist“, erzählt Busse. „Warum ist der Himmel blau, warum der Regenbogen bunt. Physik ist doch überall.“ Genau das findet er so faszinierend.

Mit den Herausforderungen der Zeit

Carsten Busse besuchte in Olpe das St.-Franziskus-Gymnasium. 1975 hatte sich die Schule auf den Weg von einer reinen „Mädchenpenne“ zu einer koedukativen Einrichtung gemacht und damit ein großes Kapitel ihrer Geschichte geschlossen. Die begann eigentlich 1870 mit der Eröffnung einer höheren Mädchenschule durch Mutter Maria Theresia, geboren als Aline Bonzel in Olpe und Stifterin der Genossenschaft der Armen Franziskanerinnen von der ewigen Anbetung. Bismarcks Kampf gegen die katholische Kirche führte dazu, dass die kleine Schule bereits sechs Jahre später wieder geschlossen wurde.

Die Schwestern aber gaben sich nicht geschlagen. Mit Unterstützung der Olper Bürger und der Stadt erwachte die Schule nach dem Kulturkampf zu neuem Leben und wurde 1893 wiedereröffnet. 1910 folgte die staatliche Anerkennung. In den 1920er-Jahren wurde sie schließlich als „Vollanstalt“ genehmigt und war damit die erste Schule im Kreis Olpe, an der Mädchen ihr Abitur ablegen konnten. Daran gekoppelt war der Schulneubau am Kimicker Berg, der heute das Zuhause von rund 1.000 Mädchen und Jungen ist, die den gymnasialen Zweig oder den seit 2013 bestehenden Realschulzweig besuchen.

Gutes Beispiel für Mädchenbildung

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Das Kollegium um 1940 (Stadtachriv Olpe)

Die Franziskus-Schule ist ein gutes Beispiel dafür, was gerade weibliche Ordensgemeinschaften für die Mädchenbildung im 19. und 20. Jahrhundert geleistet haben. Während Mitte der 1970er-Jahre noch 25 Schwestern am Franziskus tätig waren, sind sie heute längst aus dem Schulalltag verschwunden. Die Erinnerung an sie ist aber immer noch lebendig. Beispielsweise an Sr. Irmtrud John, die 1982 als letzte Schwester an der Spitze ihren Abschied nahm, an Sr. Mansueta, die gute Seele des Hauses, die an der Pforte über die Schülerschar wachte. Oder an Sr. Laurencis, die mit rigorosem Regiment Naturwissenschaften unterrichtete. „Heute erforsche ich das, was sie uns damals erklärt hat“, schaut Busse zurück. Vor einiger Zeit hat er am SFG über seine Forschungen einen Vortrag gehalten. Für Busse ist Forschung eine Entdeckungsreise.

Wie eine Seefahrt, unterwegs mit einer guten Seemannschaft, ein Ziel vor Augen und gespannt darauf, was kommen mag. „James Cook sollte in der Südsee den Venustransit beobachten. Was er fand, war Tahiti. So funktioniert Wissenschaft“, sagt er. „Das Wesen der Physik ist das Experiment.“ Das kann auch Manuel Cordes, Mitglied der erweiterten Schulleitung und Fachvorsitzender in Physik, unbesehen unterschreiben. „Die Lehrer unserer Physikfachschaft sind alle begeisterte Experimentierer. Den Schülern zeigen, dass fast überall Physik drin steckt, ist unser Ziel.“

Durch Experimente lernen

Schon ein Blick in die Sammlungsräume offenbart, wo die Reise hingeht: Hier findet sich alles, was man für den Aufbau fast jeglicher Versuchsanordnungen braucht, darunter auch viele präparierte Alltagsgegenstände, vom Wasserkocher über die Thermoskanne bis zur elektrischen Zahnbürste. „Ein ganz lebensnahes Beispiel, um das Prinzip der Induktion zu erklären“, so Cordes. „Experimente sind nicht nur Methode, sondern auch Quelle der Motivation.“

Mit Erfolg! In jedem Schuljahr gibt es mindestens einen von Mädchen wie Jungen gut belegten Physikleistungskurs. Geforscht wird bereits in den untersten Klassen und es zieht sich mit verschiedenen Angeboten bis in die Ober-stufe. So gesehen ganz nach Einstein, der die Phantasie, die Vorstellungskraft und die Neugier vorne anstellte. Ist die geweckt, geht es ans Wissen, Lernen und Vertiefen. Die Förderung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Interesses der Schüler ist eine der vier Bildungssäulen am Franziskus. Vor zwei Jahren wurde es als MINT-freundliche Schule ausgezeichnet (MINT: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Im Übrigen als erstes Gymnasium im Kreis Olpe.

MINT-Profil stärken

Das MINT-Profil weiter zu stärken und auszubauen ist erklärtes Ziel. Das freut die hiesigen Unternehmen auf ihrer Suche nach naturwissenschaftlich-technisch qualifiziertem Nachwuchs. Grund genug für sie und auch den Förderverein der Schule, das neueste Projekt zu unterstützen: Zurzeit werden Materialien für Schülerexperimente zum Thema „Umweltradioaktivität“ angeschafft – quasi ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. „Radioaktivität ist allgegenwärtig. Als natürliche Strahlung und als künstliche Radioaktivität von der Medizin bis zur Energieerzeugung“, so Cordes. „Sie ist eine der elementaren gesellschaftlichen Fragen der nächsten Jahre.“

Damit steht die staatlich anerkannte katholische Privatschule in Trägerschaft der Franziskanerinnen auch heute noch zu ihren seit jeher geltenden Grundsätzen: sich mit einem unverwechselbaren Profil und einer verlässlichen Bildungs- und Erziehungsarbeit den bildungspolitischen Herausforderung der jeweiligen Zeit zu stellen.

von B. Engel [Text/Fotos], S. Knoth [Fotos], J. Stamm-Ochel [Fotos] und Stadtarchiv Olpe [Fotos]

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