Was bedeutet eigentlich Nachhaltigkeit im Wald?
Eine Antwort darauf ist sicher nicht in einem Satz möglich. Zu unterschiedlich sind die Interessen und Wünsche der einzelnen Gruppen, für die diese Fragestellung von Bedeutung ist.

Mischwald-Bestand
Mischwald-Bestand

Für das Regionalforstamt in Schmallenberg ist es daher immer wieder eine Herausforderung, praxisorientierte Antworten zu finden und die gesellschaftlichen Ansprüche des Einzelnen dabei optimal zu berücksichtigen.
Der Begriff der Nachhaltigkeit ist seit 300 Jahren ein bedeutendes Thema, jedoch wird er oftmals falsch interpretiert.
Hans von der Goltz, Forstdirektor beim Regionalforstamt Oberes Sauerland, ist seit über 30 Jahren gerade auch mit diesem Thema betraut. „Nachhaltigkeit bedeutet die optimale Befriedigung gesellschaftlicher Bedürfnisse über Generationen“, erklärt er. Das heißt, die Wünsche von Waldeigentümern, Naturschützern, Jägern, Erholungssuchenden, Sägewerkern und allen anderen, die den Wald für ihre Interessen nutzen, sollen befriedigt werden. Da die Interessen aber sehr unterschiedlich sind und der Wald heute vielfältig genutzt wird, ist es sehr schwierig, eine optimale Ausrichtung zu finden. Ohne Toleranz und einem Miteinander geht es nicht.

Brennholt aus dem heimischen Wald
Brennholt aus dem heimischen Wald

„Es ist immer derselbe Wald, der Wünsche erfüllen muss“, macht Hans von der Goltz deutlich.
„Der Waldbesitzer möchte einen guten Ertrag erzielen, der Naturschützer wünscht sich eine natürliche Artenvielfalt, der Jäger möchte ungestört jagen können, der Erholungssuchende die Ruhe im Wald genießen und der Säger möchte sein Holz erwirtschaften“.
Im Regionalforstamt steht man bei allen Fragen und Anliegen zur Seite. „Wir sind sozusagen Betreuer und Berater von Waldbesitzern“.

Douglasiensämling
Douglasiensämling

Seit 1995 darf der Wald frei betreten werden. Außer in einigen neuen, jungen Beständen darf sich also jeder im Wald aufhalten. Doch es sollte auch selbstverständlich sein, dass dabei jeder die Regeln beachtet – auch ohne Warn- oder Verbotsschilder, denn das würde das natürliche Bild der „Schatzkammer Wald“ auch optisch beeinträchtigen.
Ein Miteinander funktioniert nur, wenn jeder ein wenig von seiner Maximalvorstellung abrückt und die Interessen des anderen beachtet. Eine Kommunikation untereinander ist ein wichtiger Punkt, bei dem auch das Forstamt beratend zur Seite steht.
Das beste Beispiel für eine optimale Ausrichtung ist der Rothaarsteig. Ein Bewusstsein für die Interessen des anderen ist entwickelt worden – als zentrale Aufgabe für Nachhaltigkeit im Wald.
Im gesamten Gebiet des Rothaarsteigs werden jährlich etwa 3 Millionen Besucher in den Wald gelockt. Zu 99 % ist ein ordentliches und rücksichtsvolles Verhalten zu bemerken – Dank guter Lenkung und Aufklärung durch die Tourismusbranche sowie durch die Ranger und Förster.
Wichtig ist dabei auch immer die Umweltbildung, die schon im Kindesalter beginnen sollte. So erklärt Hans von der Goltz weiter: „Es ist keineswegs ein Naturfrevel, wenn Holz gefällt wird. Ein Beispiel: jedes Jahr werden zur Waldpflege etwa 900.000 Bäume gefällt. Über Pflanzung oder Naturverjüngung kommen hingegen ca. 500 Millionen neue Bäumchen dazu“.
Es sei auch zu bemerken, dass trotz intensiver Waldbewirtschaftung seit über 50 Jahren keine Tier- oder Pflanzenart ausgestorben ist – im Gegenteil: Luchs, Wildkatze, Schwarzstorch, Uhu und andere sind sogar wieder in unseren Wäldern zu Hause. „Im Wald ist die ökologische Welt in Ordnung“, bestätigt Hans von der Goltz weiter.

Opa mit Enkel als Zeichen der Nachhaltigkeit
Opa mit Enkel als Zeichen der Nachhaltigkeit

Und dass der Klimawandel auch Folgen für die Waldbewirtschaftung hat, steht außer Zweifel. Nach Kyrill ist man darauf bedacht, Mischwälder anzulegen, denn Mischwald ist immer stabiler gegen Sturm und Schädlinge. Von 20% auf 35% ist der Anteil seither gestiegen. Doch bis die Lücke, die Kyrill mit sich gebracht hat, geschlossen ist, werden noch 25-30 Jahre vergehen.
Da sich die gesellschaftlichen Ansprüche im Laufe der Zeit ändern, ist die Nachhaltigkeit Wald eine Daueraufgabe für die Mitarbeiter beim Fostamt. So kann man stolz über die Erfolge der Arbeit sein: Eine im ganzen Land NRW durchgeführte Studie über Kundenzufriedenheit attestiert dem Forstamt Oberes Sauerland den Spitzenplatz. „Wir scheinen mit unserer Toleranz-Strategie auf dem richtigen Weg zu sein“, so Hans von der Goltz. Damit auch die nachfolgenden Generationen sich noch an unseren heimischen Wäldern erfreuen können – als „Schatzkammer“ in allen Bereichen.

 

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