Es ist Sommer, und überall summt es. Seit dem Frühling sind sie wieder da, die Bienen, vor denen wir doch fast alle Respekt und ein klein wenig Angst haben, einen juckenden Stich abzubekommen. Das warme, schöne Wetter treibt die schwarz-gelb gestreiften Insekten aus ihren Stöcken, auf der Suche nach Nektar von den Obstbäumen, Pollen und Blütenwiesen, um ihn in ihre Honigräume einzutragen.

Der goldgelbe Sirup ist süß, lecker und obendrein gesund und galt schon in der Antike als Wundertrank.

Aber wie wird Honig eigentlich gemacht, und welche Aufgaben haben die Imker? Wir haben in Imkervereinen nachgefragt.

Foto: AirStativ
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Jungimkerin Janine Becker, 34 Jahre, Mutter von 3 Kindern, verheiratet und wohnt im idyllisch gelegenen Tal der Niedermühle Padberg. Frau Becker gehört dem Imkerverein Brilon an und liebt die Natur, ihre Tiere und die Ruhe dort. Sie erzählt uns Spannendes aus ihrem Alltag als Jungimkerin. Durch frühere Besuche bei Verwandten, die Bienenhäuser im Garten hatten, war sie fasziniert von den summenden Bienen. Schnell war der Entschluss gefasst, sie wollte auch Imkerin werden. Im Imkerverein Brilon hat sie alles Wissenswerte über das Imkern gelernt und begann mit zwei Bienenvölkern, Bienenhaus und Arbeitskleidung. Seit 5 Jahren ist Janine Becker schon aktiv und besitzt 10 Völker, welche rund zusammen 40.000 – 50.000 schwirrende Bienen pro Stock ergeben.

Frau Becker erklärt und erzählt uns, wie ein Bienenvolk, genannt auch Bien oder Bienenstaat, in den Häusern lebt. Bienen sind eine Familie mit drei Wesen: Die Bienenkönigin als Mutter, die Arbeiterinnen als Töchter und die Drohnen als Söhne, die sich in Größe und Körperformen unterscheiden. Je nach Geburtsjahr der Bienenkönigin markiert der Imker seine Königin. An der Farbe der Markierung erkennt der Imker sofort, wie alt seine Königin schon ist. Die Farbe wechselt von hell nach dunkel. Wir konnten heute eine blaue Königin im Magazin sehen, so nah an so vielen Bienen.

Die Bienenkönigin sorgt stets für den Nachwuchs und kann bis zu 2.000 Eier legen. Die Töchter, die fleißigen Arbeiterinnen, pflegen und versorgen die Brut und sind als Bauarbeiter des Wabenwerkes aktiv unterwegs. Weiterhin bewachen die Töchter auch als Wächter den Stockeingang, sodass keine anderen Insekten wie Hornissen und Wespen in den Stock gelangen. Das Leben einer Arbeiterin ist sehr vielfältig, denn sie ist auch für das Sammeln des Nektars verantwortlich. Und was machen die Söhne, der Drohn? Dieser ist der Pascha des Hauses und dient nur für die Paarung der neuen Königin. Bis zu 50.000 Honigbienen können im Sommer in einem Volk leben, während es im Winter nur noch 8.000 – 10.000 sein können. Eine Biene, die im Frühjahr schlüpft, lebt nur 20 bis 30 Flugtage, während die Winterbiene knapp sechs Monate lebt. Die Bienen bleiben in der kälteren Jahreszeit in ihrem Stock, rücken dicht zusammen und bilden eine sogenannte Wintertraube, in der Mitte sitzt die Königin.

Die Bienenhüterin erklärt uns den wichtigen Kreislauf zwischen Natur und Tier. Jegliche Pflanzen, Obstbäume und Wiesen müssen bestäubt werden, damit die Tracht groß wird, und der Nektar lockt die Bienen an. Sie saugen den Blütennektar, verarbeiten diesen in ihrem Honigmagen und spucken jenes in die Wabe aus, die sich im Bienenhaus befindet. Dort reift der Nektar zum fertigen Honig und kann dann geerntet werden. Die Waben werden geschleudert, damit der Honig fließen kann, er wird von Janine noch gesiebt, und fertig ist der goldgelbe Sirup.

Ihren ersten Honigertrag hat sie schon im Mai gewonnen, die Sommertracht 1 und 2 folgen in einem ca. 4-wöchigen Zeitraum. In den kälteren Monaten im Winter werden die Honigvorräte in den Stöcken durch Zufütterung von Sirup oder Zuckerwasser ersetzt.

Honigobmann Klaus Stute

Foto: AirStativ
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Besucht haben wir auch den Vorsitzenden des Kreisimkervereins Brilon Klaus Stute in Essentho. Als Bienensachverständiger und Honigobmann betreut er die Vereine aus den Orten Brilon, Hallenberg-Züschen, Niedersfeld, Medebach, Olsberg und Marsberg mit 220 Imkern und 1500 Bienenvölkern.

Klaus Stute imkert schon seit 1994 und ist zugehörig dem Imkerverein Marsberg. In der vierten Generation schwirren und summen die Bienen bei Stute in Essentho. 20 Bienenvölker besitzt der Bienenvater an drei verschiedenen Standorten, davon ein Hort direkt in seinem Garten. Hier zeigt sich die Leidenschaft des Bienenbetörers, denn er ist nicht nur Vorsitzender, sondern auch als Honigprüfer und als Ausbilder für Imker unterwegs. Als „Alter Hase“, so sagt er von sich, freut er sich immer wieder, wenn von seinem angrenzenden Haus spielende Kinder vom Spielplatz rüberschauen und er ihnen die „Wirtschaftsvölker“ zeigen kann. Als Altimker hat er bereits 5 Imker ausgebildet, und auf Landesverbandsebene prüft er den Honig.

Auch Herr Stute gibt sein Wissen über die fleißigen Bienchen gerne an Kindergarten- und Schulkinder weiter. Bei der Verarbeitung des Honigs dürfen sich die lerneifrigen Kids ein Gläschen mitnehmen. Auch in Altenheimen ist er ein gern gesehener Gast mit seinen Imkervorträgen.

Mit einem Löffel zeigt uns Herr Stute, wie flüssig dieser in der Wabe ist, er drückt ihn vorsichtig hinein, und der ganze Löffel war voller goldener Honig, den wir dann auch probieren durften. Wie genüsslich warm und überaus schmackhaft doch so ein Honig schmecken kann, und vor allem, dieser Imkerei-Honig unterscheidet sich auf jeden Fall gegenüber dem aus dem Supermarkt. Kein Vergleich kann man ziehen, wir schwärmen jetzt noch.

Durch Anpflanzungen von Streuobstwiesen von heimischen Obstbaumsorten hat er ein reichhaltiges Blütenangebot für die Honigbienen geschaffen, alles natürlich, keine chemischen Hilfsmittel, da kann der Honig nur gut schmecken. Gleichzeitig wird das geerntete Obst von heimischen mobilen Obstpressen zu Naturapfelsaft verarbeitet. Ein gesunder Kreislauf.

Jährlich treffen sich die heimischen Imker zum Imkertag im Hochsauerland und tauschen sich rund um die Biene aus. Jeder einzelne Imker ist Mitglied des Landesverbandes Westfälischer und Lippischer Imker e.V. und somit dem „Deutschen Imkerbund (DIB)“ zugehörig. Im Briloner Kurpark befindet sich der Lehrbienenstand, hier können Gäste und Interessierte sich informieren.

Als Janine Becker vor Jahren mit ihrem Mann das Grundstück in diesem malerischen Tal kaufte, summten dort keine Bienen. Auch sie pflanzte Obstbäume, um den Raum und Einklang für die wichtigen Insekten zu schaffen.

Durch die große, ruhige und blumige Fläche an der Niederen Mühle ist es dort gemütlich, natürlich und schön, nicht nur für die Bienen. Hier können sich ihre Kinder nach Herzenslust entfalten und entdecken jeden Tag etwas Neues.

Foto: AirStativ
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Wie wichtig Bienen für Mensch und Natur sind, gibt Janine auch ihr Wissen weiter, weiter an Interessierte, die die Imkerei erlernen möchten, aber auch an Kinder. Sie besucht mit Ausrüstung und Bienen Kindergärten und Schulen, oder es werden Schulwanderungen zur Bienenhüterin Janine organisiert. Kinder sind wissbegierig, erlernen und behalten sofort, was die Bienenbändigerin erklärt und erzählt. Wenn Janine Becker ihre Schutzkleidung trägt und den Smoker raucht, beruhigen sich die Bienchen und sie kann ihre Arbeit an den Häusern verrichten. Frau Becker erzählt uns auch, dass die Insekten unruhiger werden, sobald das Wetter umschlägt und ein Gewitter aufzieht, oder die Bienen bemerken, wie der Imker seine Ruhe ausstrahlt.
Auf die Frage, ob sie schon einmal gestochen worden sei, erzählt sie uns, dass sie vor Jahren doch arg bös gestochen worden sei und sich nur noch mit Schutzkleidung zu ihren Bienenhäusern bewegt. Ein Stich und jeder reagiert anders. Mit kaltem Wasser und Eisbeutel sollte doch so jeder Stich behandelt werden.

Seit Neuestem hat Frau Becker einen weiteren Außenstand mit drei Ablegern auf dem Ettelsberg in Willingen.

Frau Becker fertigt Honig, Waldhonig, Walnusshonig, Eierlikörhonig und Peperonihonig. Ihre Produktreihe ist grenzenlos und kreativ. Aus gewonnenem Wachs zaubert sie Honigkerzen, bestückt diese dekorativ mit Naturprodukten, die die Jahreszeit so hergeben.
Über Seife, Handcreme, Eierlikör, Met, ihr Angebot ist sehr reichhaltig und eben naturbelassen.

von Silvia Padberg

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