Ein Sauerländer in der weiten Welt

Abenteuer Äthiopien

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WOLL Sauerland Aethiopien
Junger Hammar beim Stammesfest

Das frühere Abessinien liegt nördlich des Äquators im östlichen Afrika. Bereits seit 3.000 Jahren gab es durchgängig menschliche Besiedlung unter einer authoritären Herrscher-dynastie. Haile Selassi, der Negus, war der letzte Kaiser. Er nannte sich selbst der 225. Nachfolger von König Salomon und wurde 1974 vom Militär gestürzt. Heute ist der Staat eine föderale Republik.

WOLL Sauerland Dieter Gandras
Dieter Gandras

Das Land ist dreimal so groß wie Deutschland und hat fast 100 Millionen Einwohner. Hauptstadt ist Addis Abeba mit 3,5 Millionen Einwohnern. 50 % der Landesfläche liegen oberhalb von 1.200 m und die Gebirge erreichen Höhen von mehr als 4.500 m. Dadurch ist es das höchstgelegene Land in Afrika.

Der afrikanische Grabenbruch durchzieht das Land von Nord nach Süd. Hier liegt die „Wiege der Menschheit“, wo sich vor ca. 4 Millionen Jahren die ersten Frühmenschen von den Affen entwickelten. Das bekannteste Relikt ist „Lucy“ (Australopithecus afarensis), der besterhaltenste Frühmensch, der vor 3,2 Millionen Jahren lebte und im Museum der Hauptstadt zu sehen ist. Durch frühes Christentum, eine eigenständige Kultur und Musik unterscheidet sich das Land kulturell sehr von allen anderen afrikanischen Staaten. Infolge von Dürren und vieler Wetterkatastrophen, Waldrodungen und dadurch verursachte Erosionen, sowie die hohe Bevölkerungszunahme, zählt Äthiopien zu den ärmsten Ländern der Erde. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt unter 400 Euro / Person / Jahr.

Der Süden des Landes ist das Urland des Kaffeestrauches (Caffa), aber wegen des heutigen Anbaus in vielen anderen tropischen Ländern und dem dadurch bedingten weltweiten Preisverfall, wurde die Hungersnot im Land noch größer. Deshalb ist, trotz Schulpflicht, Kinderarbeit weit verbreitet und 65 % der Erwachsenen sind Analphabeten. Die Lebenserwartung beträgt bei Männern 48 und bei Frauen 51 Jahre. Krankenhäuser, mit zum Teil schlechten medizinischen Einrichtungen, gibt es nur in den wenigen größeren Städten. Auf 25.000 Einwohner kommt ein Arzt. Die Kindersterblichkeit ist sehr hoch. Aus diesem Grund benötigt das Land schon lange permanente, internationale Nahrungsmittel – und medizinische Hilfe.

Die Infrastruktur ist abseits der wenigen asphaltierten Hauptstraßen sehr schlecht. Schotterpisten und Buschpfade lassen kaum Busfahrten zu, so dass die Menschen gezwungen sind, lange Strecken zu Fuß zurückzulegen. Schulwege von über zehn km sind keine Seltenheit.

Trotz der erwähnten Negativfakten ist Äthiopien ein sehr interessantes Reiseland. Abseits des Massentourismus fasziniert es durch seine historischen, kulturellen Güter, schönen Landschaften und großartige Tier- und Pflanzenwelt mit vielen Endemiten (Wenn Tiere oder Pflanzenarten nur in einem sehr begrenzten Gebiet vorkommen, spricht man von Endemismus).

Weltweit einzigartig ist die große ethnischen Vielfalt Äthiopiens. Es gibt über 50 verschiedene Volksstämme, die oft nur aus weniger als 1.000 Personen bestehen. Sie leben abgeschieden, vornehmlich im gebirgigen, waldreichen Süden, unter zum Teil noch steinzeitlichen Verhältnissen, ohne Strom- und Wasserversorgung. Trotz geographischer Nähe zueinander haben sich, infolge Jahrhunderte alter Dauerfeindschaft, mit bis heute bestehenden kriegerischen Auseinandersetzungen, dadurch viele eigenständige Sprachen entwickelt. Gleiches gilt für die große Zahl außergewöhnlicher, spezieller ritueller Handlungen. Besonders auffällig sind die Lippenteller der Mursifrauen, die Männlichkeitszeremonien der Hammar mit dem „Bullensprung“, sowie die vielfarbigen Körperbemalungen der Karo und Erbore. Der Bericht und die Bilder entstanden 2014, als die Sicherheitslage im Osten und Süden bereits instabil war. Inzwischen hat sich leider die Situation noch deutlich verschlechtert, da es vor allem in den Randgebieten zu Somalia durch radikalislamische Gruppen immer wieder zu Unruhen kommt.

von Dieter Gandras, www.dieter-gandras.de [Text/Fotos]

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