Patrick Bettig will zurück in die 2. Liga

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Seit sechs Jahren trägt Patrick Bettig das Trikot des TuS Ferndorf.

Das Handball-Gen liegt bei Patrick Bettig wohl in der Familie. Neben Vater Arnold war auch Onkel Jürgen Rengel ein bekannter Handballer. Beide sind für die SG Attendorn-Ennest auf Torejagd gegangen. Rengel war zudem jahrelang Leistungsträger beim Verbandsligisten TSG Lennestadt. Auch Mutter Heike hatte es der schnelle Mannschaftssport in der Halle angetan.

Doch der 23-jährige Sohn bzw. Neffe stellt sie sportlich alle in den Schatten. Seit sechs Jahren trägt der BWL-Student das Trikot des Traditionsvereins TuS Ferndorf und ist mit den Siegerländern zwei Mal in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Dort will sich der „Dorfverein“, wie Patrick Bettig den TuS mit einer gehörigen Portion Ironie nennt, in dieser Saison gegen die starke Konkurrenz behaupten und nicht – wie beim letzten Mal – sofort wieder absteigen.

Die Aufgabe ist schwer genug, denn der Etat der Siegerländer von rund 550.000 Euro ist einer der niedrigsten der Liga. „Spitzenreiter HC Erlangen zum Beispiel kann auf das Sechsfache unserer Mittel zurückgreifen“, verweist Ferndorfs Sportlicher Leiter Mirza Sijaric auf das wirtschaftliche Ungleichgewicht in der zweithöchsten deutschen Handball-Liga. Patrick Bettig spricht von einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“. Während die Spitzenteams HC Erlangen, GW Minden und HC Coburg sportlich und finanziell ganz weit oben thronen, könne beim Rest der 2. Bundesliga „jeder jeden schlagen“.

Natürlich haben auch die Ferndorfer einige Profis in ihren Reihen, die nur Handball spielen. Aber der Rest der Mannschaft studiert wie Patrick Bettig oder geht einem normalen Beruf nach. Beim TuS wird deshalb auch abends trainiert, allerdings jeden Tag. Ein ganz normaler Tagesablauf des 23-Jährigen aus Attendorn sieht so aus: morgens zwei Stunden in der Uni Siegen, danach fast jeden Tag zwei Stunden Krafttraining und abends Training mit der Mannschaft.

„Man braucht schon ein gutes Zeitmanagement, um Studium und Handballsport unter einen Hut zu bringen“, sagt der linke Rückraumspieler. Zu Gute kommt dem 1.94 Meter-Hünen mit der starken rechten Wurfhand, dass er „Frühaufsteher und nicht der typische Student ist“.

In den letzten Monaten hatte der Attendorner in Diensten des TuS Ferndorf aber mehr Zeit für den Bachelor-Studiengang, als ihm lieb war. Denn ein Knorpelschaden im rechten Ellenbogen hat ihn seit dem 27. Juli außer Gefecht gesetzt. Nach der Operation im November, beim Spezialisten Professor Müller in der Uniklinik Köln, durfte der 23-Jährige drei Monate „gar nichts machen“. „Die Diagnose Knorpelschaden am Wurfarm war die schlimmste Diagnose, die ich als Handballer bekommen konnte“, erinnert sich Patrick Bettig noch genau. „Danach bin ich ein tiefes Loch gefallen.“

Aber der erfolgreiche Handballer hat nicht aufgegeben und die sportfreie Zeit für sein BWL-Studium genutzt. „Das war dann mein bestes Semester“, schmunzelt Bettig beim Besuch des WOLL-Magazins. Während seiner Reha-Zeit war der 1.94-Meter-Schlacks sehr oft in Attendorn und hat viele Stunden in der Praxis für Physiotherapie am Niedersten Tor verbracht.

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Kraftvoll steigt der Attendorner in Diensten des TuS Ferndorf hoch und setzt zum Sprungwurf an.

Offensichtlich mit Erfolg. Im Februar ist Patrick Bettig wieder ins Training eingestiegen. „Ich steigere mich von Tag zu Tag, bisher fast ohne Probleme“, hat der junge Hansestädter wieder Hoffnung geschöpft. Stellen sich keine Komplikationen ein und bleibt er schmerzfrei, möchte der 23-Jährige „so schnell wie möglich“ wieder in den Ferndorfer Zweitligakader zurückkehren und helfen, den Klassenerhalt zu schaffen. „Meine Chancen sind gut, wieder in die Mannschaft reinzukommen“, hat der Attendorner sein Selbstbewusstsein in der frustrierend langen Verletzungspause nicht verloren.

Auch in dieser Zeit hat sich der linke Rückraumspieler immer als Teil des Teams gefühlt. Deshalb war es für Bettig auch eine Selbstverständlichkeit, den Zweitligisten bei fast allen Auswärtsspielen zu begleiten; und zwar im Mannschaftsbus. „Die weiten Fahrten kommen aber noch“, weiß der Bundesligaspieler im Wartestand. Schließlich bietet der Rückrundenplan noch Gastspiele in Rostock, Bad Schwartau, Aue, Erlangen oder Nordhorn an.

Der Vertrag des Aufstiegshelden läuft zum 30. Juni aus. „Ich werde gerne noch ein bis zwei Jahre in Ferndorf bleiben“, sagt Patrick Bettig. Dann aber möglichst verletzungsfrei und weiter in der 2. Bundesliga.

„In unsere Halle Stählerwiese passen 1.200 Zuschauer rein, wenn sie rappelvoll ist. Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, dort einzulaufen“, beschreibt der 23-Jährige das Gänsehautgefühl bei Heimspielen. Und wenn die Gegner auch Minden oder Erlangen heißen: „Während des Spiels denkt man nicht darüber nach“, berichtet der Attendorner Junge vom „Dorfverein“ TuS Ferndorf.

Das Handballspielen hat der Hansestädter in jungen Jahren bei der SG Attendorn-Ennest gelernt. Zu seinen Übungsleitern gehörten Monika Feldmann, Ute Hommerich und Michael Langer. Über die Zwischenstation SG Schalksmühle-Halver wechselte Bettig als A-Jugendlicher zum TuS Ferndorf. Ein Schritt, den er bis heute nicht bereut hat.

von M. Droste [Text] und H. Schaumann [Foto]

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